Die echte Route 66

Route 66Erstaunlicherweise haben uns die Muskeln heute nicht so geschmerzt, dass wir nicht mehr hätten Töffahren können. Gestern abend sind wir nach der Heimkehr in die Lodge rund 12 Stunden nach dem Aufbruch zur Wanderung nur noch in die Betten gefallen, aber heute Morgen wurden wir wiederum kurz vor sechs von den Sonnenaufgang-Spaziergängern geweckt, und einen Moment spielte ich mit dem Gedanken, auch zur Rim zu spazieren (bis ich auf meinen Füssen mit all ihren Blasen stand).

Wir haben die Lodge verlassen und einen letzten Abstecher an einen der Aussichtspunkte gemacht, wo wir einen Teil unserer Wanderroute überblicken konnten (siehe Bild im Eintrag von gestern – mangels Internet-Zugriff erst heute aufgeschaltet). Irgendwie kamen mir all die andern Ausflügler am Geländer zum Canyon wie Profiteure vor, die den Blick in den Canyon nicht verdienten, weil sie nicht gelitten haben wie wir…

Unsere Tagesreise führte zunächst aus dem Park direkt nach Süden Richtung Flagstaff zurück, durch Touristenstädte von Kommerz-Hotels und Helikopterlandeplätzen ausserhalb des Nationalparks. Zurück auf der Interstate 40 fuhren wir einige Meilen nach Westen, bevor wir auf einen Abschnitt der alten Route 66 abzweigten, der in einem langen Bogen nach Norden ausserhalb der Schnellstrasse entlangführt – neben den Bahngeleisen. Hier hatte ich endlich Gelegenheit, einen der grandiosen Züge zu fotografieren, die ich schon seit Santa Fe ablichten wollte: Gezogen von vier oder fünf monströsen Dieselloks, bestehen die meisten der kilometerlangen Tatzelwürmer aus Tieflade-Waggons mit jeweils zwei aufeinandergestapelten Containern. Mein Modell-Zug hatte zwar nur drei Loks und normale Güterwaggons. Trotzdem raste ich ihm auf der Strasse voraus, stellte die BMW an einem Hügel ab und rannte den Berg hoch – zwei Hasen in Panik vor mir, meine geplagten Schenkel schreiend vor Schmerz – und wurde mit einem anhaltenden Hupen des Lokführers belohnt, der mich wohl hinter dem Kaktus am Berghang entdeckt hatte.

Gegen Abend entschieden wir, nicht auf der I40 weiterzufahren, die unsere Route 66 kurz vor der Grenze zu Kalifornien wieder kreuzte. Das Tal, durch das die Strecke zuvor geführt hatte – Valle Vista – war zu schön gewesen, und unsere Entscheidung, zunächst auf der 93 Richtung Las Vegas und dann auf der 68 nach Westen Richtung Bullhead City zu fahren, war goldrichtig: Die Querung des „Golden Valley“ vor dem Tal des Colorado war sensationell, und die Fahrt hinunter zum Grenzfluss auf 200 Metern über Meer liess uns auch heute wieder mindestens 1000 Höhenmeter bewältigen, wenn auch auf anderem Weg.

Am Fluss unten begrüsste uns eine Stadt voller Spielcasinos – jenseits des Colorado: Laughlin, die Schwesterstadt von Bullhead City, liegt in Nevada, dem Glückspielstaat. Wir überfuhren kurz die Brücke, kehrten aber nach Arizona zurück für die Übernachtung und werden morgen dieses Drei-Länder-Eck mit einer südlicheren Überquerung des Colorado nach Kalifornien – Richtung Los Angeles – verlassen.

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