Der kleine und der grosse Canyon

Grand CanyonGestern Abend hat uns das Satellitensystem zwar punktgenau zum Tourismus-Büro in Flaggstaff geführt, aber der Laden war um 17.00 Uhr schon dicht. Also sind wir heute morgen nochmals hingefahren und haben uns informieren lassen – sprich telefonisch das zweitletzte Zimmer in einer der Park-Lodges am Grand Canyon gebucht. Das ist zwar nicht grade billig, aber da wir endlich einen Tag zu Fuss auf einer Wanderung verbringen wollen, sollten wir wohl so nah als möglich am Canyonrand sein.

Wir haben Flaggstaff genau in jener Richtung verlassen, die uns zwei locals gestern als beste Route angegeben haben: Auf der US 89 entlang der Painted Desert nach Norden Richtung Grand Canyon. Unterwegs führt eine Ringstrasse nach Osten zu einem Vulkankrater, einem ganzen Haufen indianischer Ruinen und kurz in die „bemalte Wüste“. Wir haben uns mit den Sehenswürdigkeiten nicht lange aufgehalten, obwohl wir den Parkeintritt für die 36 Kilometer lange Strasse bezahlt hatten – die aber bot schon so genug: Zuerst durch einen alpin anmutenden Nadelwald über erkaltete Lavaströme hinab in einen knallroten Canon, hinaus in die weisse Wüste und zurück Richtung Wald und Schneeberge.

Irgendwann am frühen Nachmittag erreichten wir schliesslich den Eingang zum Grand Canyon National Park, bezahlten die dortige Gebühr und fuhren in den Park. Nach einigen Meilen öffnet sich hier, wenn man von Westen kommt, der Boden zu einer beeindruckenden Schlucht: Das Tal des „Little Colorado“, das mit einigen Hundert Metern Tiefe heftig beeindruckt.

Und ein paar Meilen weiter führt die Strasse plötzlich aus dem Wald heraus an den Rand des Grand Canyon, an den South Rim – und uns blieb schlicht die Spucke weg. Ich kannte den Effekt von meinem ersten Besuch in New York vor zwanzig Jahren: Alles schon tausend Mal in Filmen und auf Fotos gesehen, übertrifft die Realität trotzdem alle Erwartungen – der Graben hier in der Wüste von Arizona ist schlicht und ergreifend überwältigend.

Nach dem Zimmerbezug in der schon fast sozialistisch organisiert wirkenden Parkunterkunft (mich jedenfalls erinnerte die Yavapai-Lodge mit Zimmern ab 120 $ pro Nacht und ohne Internet-Zugriff an ein staatliches Hotel in Ostpolens Bialystok-Nationalpark, den wir 1991 besucht haben) rannten wir geradezu zum Fussweg entlang dem Rim, um den Sonnenuntergang nicht zu verpassen. Wir wurden mit einem Erlebnis belohnt, zu dessen Beschreibung mir Worte und Bilder fehlen. Eines vielleicht passt: Demut.

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