Die NZZ-Redaktion genügt sich selbst

Jetzt kapituliert also die Alte Tante. Sie schliesst Ihre Kommentarspalten und lässt nur noch zu drei ausgewählten Artikeln täglich Kommentare zu. Den Dialog will man weiterhin fördern, indem sich wöchentlich ein Redaktor oder eine Redaktorin zu einem Thema der öffentlichen Debatte stellt. 

Die Qualität der Beiträge aus dem Publikum zu allen Artikeln der Zeitung sei für die Weiterführung der (registrierungspflichtigen) offenen Kommentarspalte zu gering, lässt der Social-Media-Redaktor Oliver Fuchs verlauten. Das ist insofern bedauerlich, als die grundsätzliche Erkenntnis der Ursachen durchaus richtig ist und man es sich nicht so einfach macht, irgendwelchen Trollen die Verantwortung zuzuschieben: Weiterlesen

Klapproths kühne Gassenschau

Zehn vor zehn: «Immer mehr Frauen aus der Schweiz werden von solchen Bildern angezogen»

«Wer uns totschiesst, den schweigen wir tot» – diese (in ihrer komischen Konsequenz ziemlich banale) Position erhebt Ex-10-vor-10-Moderator Stephan Klapproth in der NZZ am Sonntag vom 29. November 2015 zur «kühnen neuen Denkweise der Pressefreiheit». Die Medienhäuser in demokratischen Ländern sollen sich «in Ausnahmesituationen» absprechen und nur streng faktenbasiert berichten. Denn Terror ist Propaganda, und die Medien sind seine Helfer, also sollten sie immer dann schweigen, wenn Terroristen sie instrumentalisieren.

Die Forderung ist aus mindestens zwei Gründen ausgesprochen ärgerlich. Weiterlesen

Kommentare: Mehr wert

In der Theorie ist es eine Binsenwahrheit: Die Mitwirkung des Publikums an journalistischer Arbeit (die Kommentarfunktion) schafft einen Mehrwert. Denn in der Leserschaft finden sich immer Menschen, die mehr zum Thema wissen. Allerdings gehört es inzwischen auch zu den journalistischen Aufgaben, diese Wortmeldungen zu identifizieren und hervorzuheben.

Kommentare
Seit der journalistische Elfenbeinturm via Internet durchlässig und auch für Aussenstehende erklimmbar geworden ist, schiessen sich Publizisten, Werber und Politiker regelmässig in den eigenen Fuss, indem sie Fragen stellen wie die: «Was berechtigt eigentlich jeden Computerbesitzer, ungefragt seine Meinung abzusondern?». Die Antwort darauf müsste lauten: Weiterlesen

Heribert Prantl: Medien sind systemrelevant
Heribert Prantl

Heribert Prantl (CC André Karwath)

Er prangert den «vermeintlichen Spardruck» und die Verdummung an, mit der Medienhäuser das Kapital verprassen, das sie in Form von Vertrauen des Publikums und Wissen der Redaktion in Dekaden erworben haben: Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, liest den Journalisten, aber auch den Verlagen und Rundfunkanstalten die Leviten. Weiterlesen

All the news that's fit to print

Relevanz – online darstellen

Mit einem simplen Zusatzfilter könnten Online-Newsmedien endlich wieder Bedeutung gewinnen: Wenn sie die Nachrichten für die Leserschaft gewichten würden. Technisch wäre das leicht realisierbar.

Die Werbung! All diese schreienden, flimmernden Ränder! Die Unübersichtlichkeit. Die multimediale Verführung. Die vielen dummen Kommentare. Die Kurzlebigkeit auf der «Frontseite»: Fragt man Medienkonsumenten vor allem gesetzteren Alters (also aus der kaufkraftstarken, werberelevanten Gesellschaftsschicht), was sie an Online-Newsportalen stört, dann werden mit schöner Regelmässigkeit all diese Merkmale des elektronischen Zeitalters aufgezählt.

Offensichtlich hat noch kein Zeitungsverleger und keine Online-Strategin wirklich genau hingehört. Sonst wäre ihm oder ihr aufgefallen, dass der Tenor all dieser Klagen in einem Manko zusammenzufassen ist: Relevanz. Nicht, dass sie in keinem modernen Medium mehr vorhanden wäre. Sondern dass sie nicht mehr zu erkennen ist.

Nein, das Problem ist nicht mit dem Hinweis aus der Welt zu schaffen, dass kommende Generationen ganz natürlich lernen, aus dem multimedialen Überfluss die gewünschten Nachrichten herauszufiltern. Diese Fähigkeit mussten wir nämlich schon im Holzmedien-, Papier-Bücher und Kino-Filmzeitalter erwerben.
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Besser lesen…

TagesanzeigerImmer mal wieder kriege ich Reaktionen auf einen Text. Das macht Spass, selbst wenn die eine oder andere Anmerkung nicht grade schmeichelhaft ist (ok, kommt auf den Ton an.) Was besseres kann einem Text erfahren, als dass er eine Diskussion ins Rollen bringt?

Der gestern im Tagi erschienene Text über Online-News hat mir einige Mails und Antworten eingebracht – von zustimmend bis hässig.

Unangenehm wirds, wenn aus den Kommentaren hervorgeht, dass jemand entweder den Text nicht richtig gelesen oder verstanden hat – oder, viel, viel schlimmer – wenn ich davon ausgehen muss, dass ich ihn nicht deutlich genug verfasst habe.

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