Gummiabrieb

Reifenpanne nach MalibuDa fahren wir 3825 Meilen oder 6155 Kilometer quer durch die USA – nur um ausgerechnet im sonnigen Kalifornien die tiefsten Temperaturen überhaupt anzutreffen: Acht Grad Celsius herrschen hier in Pismo Beach, rund 400 Kilometer vor unserem Ziel San Francisco, und angeblich solls morgen regnen – wir hatten bisher in zwei Wochen Fahrt keinen einzigen Schlechtwettertag.

Aber das ist nicht der einzige Kälteschock, den wir heute erfahren haben. Nach einer gemütlichen Tasse Kaffee auf Scheuris Terrasse hoch über Hollywood sind wir auf dem Sunset Strip rausgefahren durch Beverly Hills, an Bel Air vorbei nach Santa Monica und weiter nach Malibu. Dort hat mich Pierre irgendwann überholt, und mir fiel der bauchige Hinterreifen seiner K75 auf – eine Pneupanne!

Ich hab sowas in 22 Jahren Motorradfahrt nie erlebt, obwohl in Töffahrerkreisen vor allem hier in Kalifornien häufig davon die Rede ist. Vor dem Abflug aus San Francisco hatte ich die Anschaffung eines Pneu-Flick-Kits ins Auge gefasst, es dann aber vergessen. Die neue Maschine allerdings, die ich in New Jersey bei Walti abgeholt habe,ist nicht nur mit einer Warnblinkanlage ausgestattet, sondern hatte im Heckbürzel auch ein Flickset integriert: Ahle, Gummistopfen, CO2-Patronen.

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An der kalten Küste

Ankunft in KalifornienDie beste Beschreibung, die mir für die Fahrt aus dem Dreieck Arizona/Nevada/Kalifornien nach Westen und in Richtung Los Angeles einfallen würde, ist eine Querung mehrerer Mondkrater mit Gebüsch: Die Mojave-Wüste breitet sich links und rechts von der Interstate 40 bis zum von zackigen, ausserirdisch anmutenden Hügelketten gesäumten Horizont aus. Die Kilometer langen Doppelstock-Containerzüge sehen in dieser Hochebene aus wie eine langweilige Modelleisenbahn.

Aber gleich neben der Strasse gibts im Sand und Gebüsch einiges zu sehen, wenn man sich die Zeit nimmt anzuhalten (oder vor der Abfahrt den Tank nicht gefüllt hat und mitten in der Wüste liegenbleibt. Nicht, dass uns das passiert wäre). Dieser prächtige Vogel hier war gar nicht erfreut, dass sich ein vermummter Mensch seinem Strommast mit dem darauf gebauten Horst nähert, und seine Schreie liessen mich auf den nötigen Abstand gehen.

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Die echte Route 66

Route 66Erstaunlicherweise haben uns die Muskeln heute nicht so geschmerzt, dass wir nicht mehr hätten Töffahren können. Gestern abend sind wir nach der Heimkehr in die Lodge rund 12 Stunden nach dem Aufbruch zur Wanderung nur noch in die Betten gefallen, aber heute Morgen wurden wir wiederum kurz vor sechs von den Sonnenaufgang-Spaziergängern geweckt, und einen Moment spielte ich mit dem Gedanken, auch zur Rim zu spazieren (bis ich auf meinen Füssen mit all ihren Blasen stand).

Wir haben die Lodge verlassen und einen letzten Abstecher an einen der Aussichtspunkte gemacht, wo wir einen Teil unserer Wanderroute überblicken konnten (siehe Bild im Eintrag von gestern – mangels Internet-Zugriff erst heute aufgeschaltet). Irgendwie kamen mir all die andern Ausflügler am Geländer zum Canyon wie Profiteure vor, die den Blick in den Canyon nicht verdienten, weil sie nicht gelitten haben wie wir…

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Der kleine und der grosse Canyon

Grand CanyonGestern Abend hat uns das Satellitensystem zwar punktgenau zum Tourismus-Büro in Flaggstaff geführt, aber der Laden war um 17.00 Uhr schon dicht. Also sind wir heute morgen nochmals hingefahren und haben uns informieren lassen – sprich telefonisch das zweitletzte Zimmer in einer der Park-Lodges am Grand Canyon gebucht. Das ist zwar nicht grade billig, aber da wir endlich einen Tag zu Fuss auf einer Wanderung verbringen wollen, sollten wir wohl so nah als möglich am Canyonrand sein.

Wir haben Flaggstaff genau in jener Richtung verlassen, die uns zwei locals gestern als beste Route angegeben haben: Auf der US 89 entlang der Painted Desert nach Norden Richtung Grand Canyon. Unterwegs führt eine Ringstrasse nach Osten zu einem Vulkankrater, einem ganzen Haufen indianischer Ruinen und kurz in die „bemalte Wüste“. Weiterlesen

Get your kicks!

Vier spuriger FreewayRoute 66 ist die historische Verbindung von Chicago über Santa Fe nach Los Angeles – eine der berühmtesten Fernstrassen der USA. Heute allerdings ist das Asphaltband auf weiten Strecken ersetzt worden durch die Interstate 40, eine vierspurige Autobahn, die von Business-Centern mit Hotels und Supermärkten gesäumt ist (so alle hundert Meilen kommt so ein Ding in Sicht). Gleich nebenan verfallen die alten Motels entlang der Originalstrasse, die immer wieder für ein paar Meilen befahren werden kann.

Nachdem unsere Erwartungen an Santa Fe enttäuscht wurden und wir gestern weitergefahren sind ins wenigstens erwartungsgemäss unansehnliche Albuquerque, war der Staatswechsel von New Mexico nach Arizona heute eine positive Überraschung voller bestätigter Klischees in Bezug auf die grossartige Landschaft, und die Fahrt hinauf nach Flagstaff, den Tourismus-Zentralort in Arizona, war ein Genuss. Weiterlesen

Höhenfieber in Santa Fe

SAnta feStrassenschilder sind in den USA meistens im Klartext verfasst – oder eben nicht so klar – und bisweilen sehr unterhaltsam oder gar

herausfordernd. In Virginia warnen zunächst Schilder „Watch for falling rocks“, wir sollen vor fallenden Steinen aufpassen, und weiter unten am gleichen Berg heisst es endlich „Watch for fallen rocks“. Hier in New Mexico hiess es heute irgendwo schon fast philosophisch „Gusty winds may exist“, was man den Böen doch wirklich nicht abstreiten kann, und irgendwo in der Wüste hiess es „Watch for Water“, was wohl die meisten Leute auch ohne Aufforderung tun.

Wir hatten auch nur dank eines Informationsschildes zwischen Las Vegas (NM, nicht Nevada) und Santa Fe eine Erleuchtung der peinlichen Art,weil wir ohne Reiseführer unterwegs sind. Das Schild gab Fakten über die Region von Santa Fe, einem wichtigen Knotenpunkt aus den goldenen Zeiten der Eisenbahn, wider. Weiterlesen

Das neue Mexico

New MexicoWer eine politische Karte der USA anguckt, wird es kaum ahnen, aber tatsächlich ändert sich die Landschaft meistens mit dem Übertritt in einen neuen Staat: Wir sind gestern von der Gras- in die Sandwüste von Texas geraten und heute haben sich just nach dem Grenzübertritt nach New Mexico plötzlich Gräben aufgetan – hier schauts nun wirklich aus wie in dem wilden Westen, den wir aus den Filmen kennen. Entlang der historischen Route 66 reihen sich Geisterstädte, und eigentlich gibts viel zu viele Fotomotive um durchzufahren. Weiterlesen

Roadkill

RoadkillOklahoma hat uns begrüsst, wie uns Arkansas verabschiedet hat – mit gewundenen Nebenstrassen in skandinavisch anmutenden Mischwäldern. Wärs hier nicht noch heisser geworden – über 100 Grad Fahrenheit oder irgendwo bei 35 Grad Celsius – wir hätten die Landschaft genossen. So aber wars eine Qual, die erst mit abnehmender Sonne erträglich wurde. Was uns schon seit spätestens Virginia aufgefallen ist, sind die vielen platt gefahrene Tiere auf und neben der Strasse. „Roadkill“ nennen die Amerikaner das Waschbären, Hunde, Rehe, Opposums, Chipmunks, Skunks, eine Schlange und heute in Oklahoma auch jede Menge Gürteltiere. Die haben zwar eine harte Schale, damit den Monstertrucks aber auch nichts entgegenzusetzen – irgendwie schon fast eine Analogie auf das gnadenlose Marktsystem der USA: Weiterlesen

Mojo of Arkansas

Arkansas-SümpfeWir haben’s nicht bis Oklahoma geschafft, aber das macht gar nichts: Ich tippe diese Zeilen auf der Veranda unseres Zimmers in einer Lodge am Lake Ouachita in Arkansas, und wir sind ganz verblüfft, was dieser kleine Staat zu bieten hat – eine geradezu tropische Nacht voller Froschgequake und bei Temperaturen von weit über zwanzig Grad.

Die Hitze hat uns gleich nach der Abfahrt aus Memphis schon zu schaffen gemacht. Hier herrschen derzeit über dreissig Grad, und diejenigen von uns, die nicht wie ich über eine zerlegbare Töffjacke verfügen, kommen ganz schon ins Schwitzen. Ein Grund für den Zimmerbezug in der Lodge war denn auch der (eiskalte) See, der zum Bade lockte… Weiterlesen

Sweetheart auf der Bank

Bankgeschäfte in den USAIrgendwo kurz vor der Grenze zu Tennessee hat mich meine Steuerberaterin angerufen. Ich müsste meine Deklaration vor Ostermontag einreichen, sagte sie mir auf meinen Rückruf hin, den ich von irgendeiner Tankstelle irgendwo im Nichts getätigt habe. Aber aus dem Nichts ist es schwierig, Steuerdeklarationen zu verschicken – also hat sie einen Aufschub beantragt, den ich aber mitsamt dem Steuerbetrag trotzdem vor dem 17. an die Steuerbehörde in San Francisco schicken müsse.

Weil meine Steuerberaterin allerdings E-Mail grundsätzlich nicht benutzt und auf den Fax schwört, musste ich einen Fax beschaffen, was im Nichts von Tennessee nicht so einfach ist. Im Steakhouse, wo wir zu Abend assen, musste die Managerin ihr Faxgerät zuerst anschliessen, und danach funktionierte der Empfang nicht. In der Tankstelle gegenüber wusste die Angestellte im entscheidenden Moment nicht, wie sie die Maschine manuell zur Entgegennahme des Dokuments bewegen konnte. Ich wurde langsam nervös, denn in Kalifornien gings nun auch schon gegen 17.00 Uhr – also schwang ich mich hinter die Theke und brachte den Fax dazu, meine Papiere auszuspucken.

Das war gestern.

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