Kommentare: Mehr wert

In der Theorie ist es eine Binsenwahrheit: Die Mitwirkung des Publikums an journalistischer Arbeit (die Kommentarfunktion) schafft einen Mehrwert. Denn in der Leserschaft finden sich immer Menschen, die mehr zum Thema wissen. Allerdings gehört es inzwischen auch zu den journalistischen Aufgaben, diese Wortmeldungen zu identifizieren und hervorzuheben.

Kommentare
Seit der journalistische Elfenbeinturm via Internet durchlässig und auch für Aussenstehende erklimmbar geworden ist, schiessen sich Publizisten, Werber und Politiker regelmässig in den eigenen Fuss, indem sie Fragen stellen wie die: «Was berechtigt eigentlich jeden Computerbesitzer, ungefragt seine Meinung abzusondern?». Die Antwort darauf müsste lauten: Weiterlesen

Heribert Prantl: Medien sind systemrelevant
Heribert Prantl

Heribert Prantl (CC André Karwath)

Er prangert den «vermeintlichen Spardruck» und die Verdummung an, mit der Medienhäuser das Kapital verprassen, das sie in Form von Vertrauen des Publikums und Wissen der Redaktion in Dekaden erworben haben: Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, liest den Journalisten, aber auch den Verlagen und Rundfunkanstalten die Leviten. Weiterlesen

All the news that's fit to print

Relevanz – online darstellen

Mit einem simplen Zusatzfilter könnten Online-Newsmedien endlich wieder Bedeutung gewinnen: Wenn sie die Nachrichten für die Leserschaft gewichten würden. Technisch wäre das leicht realisierbar.

Die Werbung! All diese schreienden, flimmernden Ränder! Die Unübersichtlichkeit. Die multimediale Verführung. Die vielen dummen Kommentare. Die Kurzlebigkeit auf der «Frontseite»: Fragt man Medienkonsumenten vor allem gesetzteren Alters (also aus der kaufkraftstarken, werberelevanten Gesellschaftsschicht), was sie an Online-Newsportalen stört, dann werden mit schöner Regelmässigkeit all diese Merkmale des elektronischen Zeitalters aufgezählt.

Offensichtlich hat noch kein Zeitungsverleger und keine Online-Strategin wirklich genau hingehört. Sonst wäre ihm oder ihr aufgefallen, dass der Tenor all dieser Klagen in einem Manko zusammenzufassen ist: Relevanz. Nicht, dass sie in keinem modernen Medium mehr vorhanden wäre. Sondern dass sie nicht mehr zu erkennen ist.

Nein, das Problem ist nicht mit dem Hinweis aus der Welt zu schaffen, dass kommende Generationen ganz natürlich lernen, aus dem multimedialen Überfluss die gewünschten Nachrichten herauszufiltern. Diese Fähigkeit mussten wir nämlich schon im Holzmedien-, Papier-Bücher und Kino-Filmzeitalter erwerben.
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Untote Konten und Kreditkarten

323.jpgHeute hab ich die Abrechnung für meine Visa-Card der Bank of America gekriegt. Das Problem ist nur, ich hab das Konto vor zwei Wochen gekündigt. Damals war der Kontostand, nachdem ich telefonisch die letzten $2.2 bezahlt hab, auf $0,0.

Die Rechnung von heute wies einen Kontostand von US$ -40.50 auf und einen Zinssatz für die aktuelle Rechnungsperiode von 1815.31%. Kein Witz.

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Löscht Google die Vergangenheit?

Newsnet-EintragNach einem hochinteressanten Lunch mit Stan James, dem Gründer von Lijit.com, einer Suchmaschine nach dem Modell der sozialen Netzwerke in Boulder, Colorado, habe ich gestern ein bisschen in InternetArchiven gegraben und nach mir selbst gesucht.

Denn Stan hatte während unseres Gesprächs einen interessanten Gedanken aufgebracht. Wir sprachen darüber, wie viele Leute sich derzeit auf Myspace und anderswo lächerlich machen und dies in ein paar Jahren, anlässlich einer Stellenbewerbung, bereuen werden.

Und Stan warf plötzlich ein, dass dannzumal aber auch die Chefs jener Generation angehören, die sich auf Myspace ausgetobt oder in Blogs die Redefreiheit strapaziert haben wird – «sie werden also Verständnis haben.» Weiterlesen

Private Surfer-Daten werden verscherbelt

Als vor etwas mehr als einem halben Jahr der Skandal über AOL hereinbrach, weil das Portal die (anonymisierten) Suchdaten von benutzern veröffentlicht hatte, ahnte niemand, wie tief das Rattenloch ist. Journalisten und Blogger bewiesen binnen weniger Stunden, dass aus der Liste von Suchbegriffen einzelner Nutzer blitzschnell ein Profil erstellt werden kann, mit dem die Ursprungsperson zweifelsfrei ermittelt werden kann.

Sie glauben, das sei irrelevant? Weil die Daten Ihrer Websuche kaum Privates enthalten?

Ok, wie wärs dann mit ihrem Clickstream? Das ist die lückenlose Liste aller Webseites, die sie ansurfen – in chronologischer Reihenfolge. Sie finden sie in der „History“ oder dem „Verlauf“ ihres Browsers. Gucken sie Die Liste mal an und überlegen Sie sich, was die über Sie aussagt.

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Besser lesen…

TagesanzeigerImmer mal wieder kriege ich Reaktionen auf einen Text. Das macht Spass, selbst wenn die eine oder andere Anmerkung nicht grade schmeichelhaft ist (ok, kommt auf den Ton an.) Was besseres kann einem Text erfahren, als dass er eine Diskussion ins Rollen bringt?

Der gestern im Tagi erschienene Text über Online-News hat mir einige Mails und Antworten eingebracht – von zustimmend bis hässig.

Unangenehm wirds, wenn aus den Kommentaren hervorgeht, dass jemand entweder den Text nicht richtig gelesen oder verstanden hat – oder, viel, viel schlimmer – wenn ich davon ausgehen muss, dass ich ihn nicht deutlich genug verfasst habe.

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Weisse weiche Watte

356.jpgDas also ist der Ausblick von meiner Terrasse. Eigentlich ist es ja eine Feuerleiter, die zu betreten mir laut Mietvertrag bei Todesstrafe verboten ist – deshalb nenne ich sie ja meine Terrasse.

Und der weisse Schaum im Hintergrund ist der Nebel (hinter den Häusern, nicht in der Tasse – das ist mein Cappuccino). Die berüchtigten Schwaden, die San Franciscos Golden Gate Bridge an gewissen Tagen zu einem besonders dramatischen Fotosujet und meinen Tag zu einem grauen Einerlei machen. Später im Sommer jedenfalls, denn jetzt, im Frühling, wallt die Watte häufig nur hinauf bis zur 20. oder 10. Avenue, und meine Terrasse an der 2. Avenue bleibt mein kleiner Ausflugsort, wo ich mir im Nu einen Sonnenbrand hole. Denn San Franciscos zweites Feature ist die permanente Brise vom Pazifik, die einerseits den Nebel und anderseits de Kälte reinbringt, sodass halbkahle ausländische Journalisten auf ihren Feuerleitern nicht merken, dass sich ihre Kopfhaut zu kräuseln beginnt.

Genug des Gejammers – es ist Sommer in San Francisco. Der dauert, wenigstens in meinem Quartier, bis Juni.

Ankunft und Abschied

Motorradtrip-EndeSo. Mein Begleiter auf dem ein Dutzend Blogeinträgen zum Trotz unbeschreiblichen Motorrad-Trip, Pierre Strub, ist bereits wieder in der Schweiz, und für mich hat das, was ich hier Alltag nenne, wieder angefangen. Wenigstens scheine ich aus dem Osten der USA nicht nur einen Haufen toller Erinnerungen mitgebracht zu haben, sondern auch das sonnige Wetter und die Wärme: San Francisco erlebt nach sieben Wochen fast unterbruchlosen Dauerregens erstmals eine Woche Sonnenschein und Temperaturen über 20 Grad.

Das macht das Heimkommen und die Rückkehr zur Arbeit auch nicht unbedingt einfacher.

PS: Ich arbeite an einer etwas umfangreicheren Bildersammlung des Trips, die demnächst unter „Panorama“ abgerufen werden kann.

PPS: Allen, die uns treu begleitet und hin und wieder sogar ermuntert haben, herzlichen Dank. Es hat auch Spass gemacht zu wissen, dass gelegentlich jemand die tippfehlerstrotzenden Einträge und die verstümmelten Fotos zu würdigen weiss, die meistens über irgendeinen geklauten Internetzugang per Wifi spätnachts ins Netz geflossen sind – während Pierre schon lange ins Kissen horchte.

4104,6 Meilen oder 6607,3 Kilometer

Pismo BayKalifornien hat seine Drohung wahrgemacht – am letzten Tag hat’s uns verregnet. Aber wir sind abends in San Francisco eingefahren, mit etwas mehr als 4100 Meilen mehr auf den Tachometern.

Und jetzt sind wir einfach nur müde. Das grosse Fazit kommt deswegen später.