Spammer angezeigt

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317.jpgDie unverfrorensten unter den Spammern verlegen sich auf eine neue, überaus widerliche Masche: Nötigung kombiniert mit wahllos versandten Mails.

Ich habe grade zwei mit leicht unterschiedlicher Ausrichtung gekriegt, und beide sind an Hinterhältigkeit kaum zu übertreffen.

Der erste Fall:

Betrifft: Ausstehende Zahlung - Androhung von Vollstreckungsmassnahmen und SCHUFA-Eintrag

Gerichtlicher Streitwert unserer Forderung inkl. Zinsen mittlerweile Euro 190555 Euro

Ihre Forderung wird bald an Moskau-Inkasso-Team weitergeleitet:

www.moskau-inkasso.com

Sehr geehrter Kunde,

vor laengerer Zeit wurde unter IHRER EMAIL-ADRESSE ein Jahreszugang zu dem Erwachsenenservice Livecamflatrate.com bestellt. […]

Durch die Auswertung unserer Logfiles mit Hilfe einer neuen Software und der Verknuepfung mit unseren Buchungsdaten konnten wir nun feststellen, dass TROTZ MEHRFACHER NUTZUNG unseres Angebotes bislang keine Zahlung zu Ihrem Account vorliegt. […]

Und so weiter, das übliche Gelaber. Weiter unten folgen tatsächlich Zugangsdaten, und wer naiv genug ist, die auszuprobieren, dürfte wahrscheinlich irgendeine Art von Vertrag eingehen (oder zumindest glauben das die Idioten, die damit Geld erpressen wollen).

Jedenfalls werde ich mit unmissverständlichen Drohungen aufgefordert,

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BEZAHLEN SONST SCHUFA-EINTRAG UND BESUCH AUS MOSKAU:

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Unsere Bankverbindung:

Kontonummer 101 661 312

Bankleitzahl 570 501 20

Sparkasse Koblenz

Inhaber A. Becker

Betreff: 2007 / 82868 - YH

Fuer kostenguenstige Ueberweisungen aus dem Euro-Ausland:

IBAN: DE60 5705 0120 0101 6613 12 , SWIFT-BIC: MALADE51KOB

Betrag: 39 Euro Mitgliederbeitrag zzgl. 10 Euro Mahn- und

Schufa-Meldegebuehren: 49 Euro

Das Schöne daran ist, dass hiermit jedenfalls ein Angelpunkt für eine Anzeige besteht: In Koblenz. Dort habe ich denn auch via Online-Formular angefragt, ob ich gegen die Urheber der Mail Anzeige wegen Nötigung erstatten könne. Und zu meiner Überraschung habe ich keine zwölf Stunden später eine Mail einer Kriminalhauptkommissarin der Dienststelle Koblenz erhalten mit der Bitte um die Original-Mail inklusive Header - die Strafanzeige wird entgegengenommen und bearbeitet.

Ich weiss zwar nicht, was das heisst und ob irgendeine Aussicht besteht, dass wenigstens der Inhaber des Bankkontos von der Kriminalpolizei durchleuchtet wird, aber ich bin allein von der Bereitschaft der Deutschen Beamten beeindruckt, sich dieser Sache anzunehmen.

(Die Absender-IP der Mail stammt zwar aus Korea, aber da die Mail mit einem einzigen Zwischenstopp direkt auf meinen Schweizer Server geliefert worden sein soll, nehme ich an, dass sie gefälscht ist.)

Ausserdem scheine ich nicht der einzige zu sein, der genug hat von derlei miesen Methoden. Erster Ratschlag an alle, die derlei Post kriegen, noch vor dem ersten Erschrecken: ganze Textpassage aus der Mail in «”» eingefügt in Google suchen. Wenn dort keine Postings über kursierende Erpresser-Spam zu finden sind, lohnt sich eine genauere Prüfung der Mail - aber soweit hats bisher noch keine einzige geschafft bei mir.

Auch nicht diese Version höheren Bullshits, die ich heute gekriegt habe:

Unverlangte Werbe-E-Mails an meine Adresse info@susanna4112.de

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 13.4.2007, 15:46 Uhr erhielt ich unverlangte Werbe-E-Mails Ihrer

Webseite www.swissreporter.ch auf meinen beruflich genutzten E-Mail-Account.

Ich habe bislang keinerlei Kontakt zu Ihrem Unternehmen gehabt oder die Zusendung derartiger Mails in irgendeiner Art und Weise angefordert.

Das schreibt ein Absender Namens “Rechtsabteilung” (…) der sich in der Mail als “Darrin Grimm” zu erkennen gibt. Muss ein Bruder von Jacob und Wilhelm sein…

Mit allerlei juristischem Gefasel verlangt er, dass ich ihm Auskunft über die Verwendung seiner Daten gebe und eine Unterlassungserklärung einreiche. Zuerst dachte ich kurz, dass jemand meinen Server für Spamversand gehackt hat - aber der würde wohl nicht “für” Swissreporter Werbung machen, aber genau das insinuiert der Absender.

Die Absicht dieser hinterhältigen Aktion, über deren Zweck sich schon andere gewundert haben, besteht darin, mich zur Antwort an den Märchenerzähler zu bewegen und damit meine eigene Mailadresse als lohnendes Ziel für Spammer “freizugeben”: Eine Domain “susanna4112.de” ist weltweit nirgends registriert (also kann ja wohl keine Mail von mir dort angekommen sein), der Drohbrief kam von einem deutschen GMX-Mailkonto und wurde laut Header von einer bei sechs Filterdiensten als Spam-Schleuder geblockten Internet-Adresse im Iran abgeschickt.

Scheint mir das richtige Land für eine Anzeige. Bezogen auf die Ausgestaltung einer allfälligen Strafe jedenfalls.

Bush: Recht, Waffen zu tragen

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315.JPGEine der ersten Stellungnahmen des Weissen Hauses unmittelbar nach dem Massaker in Virgina, bei welchem mindestens 33 Menschen ihr Leben verloren, lautet: «Der Präsident glaubt, dass die Leute ein Recht haben, Waffen zu tragen, aber dass alle Gesetze befolgt werden müssen», erklärte Sprecherin Dana Perino laut Medienbericht auf Yahoo.

Als vor etwas mehr als einem halben Jahr der Skandal über AOL hereinbrach, weil das Portal die (anonymisierten) Suchdaten von benutzern veröffentlicht hatte, ahnte niemand, wie tief das Rattenloch ist. Journalisten und Blogger bewiesen binnen weniger Stunden, dass aus der Liste von Suchbegriffen einzelner Nutzer blitzschnell ein Profil erstellt werden kann, mit dem die Ursprungsperson zweifelsfrei ermittelt werden kann.

Sie glauben, das sei irrelevant? Weil die Daten Ihrer Websuche kaum Privates enthalten?

Ok, wie wärs dann mit ihrem Clickstream? Das ist die lückenlose Liste aller Webseites, die sie ansurfen - in chronologischer Reihenfolge. Sie finden sie in der “History” oder dem “Verlauf” ihres Browsers. Gucken sie Die Liste mal an und überlegen Sie sich, was die über Sie aussagt.

Denn letzte Woche hat Stan James bekanntgemacht, dass Kabalanbieter wie Comcast im Land der unbegrenzten Möglichkeiten (und der Absenz jeglicher Form von Datenschutz) diese Clickstreams verkaufen. Zu 40 Cent pro Stück, an Marketing-und Analysefirmen.

Kein Problem, richtig? Wollen mal sehen: Inmitten der Liste von Webseiten mit “Adult-Content” und einem Wust von unregelmässig angesurften Webseiten von News bis zu Ebay finden sich, ziemlich regelmässig: Ihre Bank. Ihre zweite Bank. Das Intranet Ihres Arbeitgebers. Der Flickr-Account ihres Neffen. Und fast täglich Ihre eigene Blog-Website, wo sie einen Eintrag posten. Und so weiter.

Wie lange, glauben Sie, braucht ein halbwegs gewitzter Analytiker, um aus der Statistik ihren Wohnort, ihren Beruf, Ihre Bank und dann sehr rasch an Hand einiger persönlicher Seiten Ihren Namen zu eruieren?

Oder, anders gefragt: Wären Sie einverstanden, dass Ihre Kreditkartenfirma die Details Ihrer EC-Kartenbezüge (selbstredend anonymisiert!) für den Zeitraum eines halben jahres an eine Drittfirma verkauft?

Das alles ist in Europa kaum denkbar. Da dürfen Firmen ihre Daten über Sie nicht verkaufen. Nur vertrauenswürdige Organisationen wie der Deutsche Verfassungsschutz kriegen Zugriff auf sowas.

Am meisten nervt mich daran, dass dieses gigantische Sicherheitsleck zum Gegenwert von 40 Cent pro Person erstellt wird - ein Spottpreis für Daten, die nach gesundem Menschenverstand wohl kaum Eigentum des Infrastrukturanbieters sein können.

310.jpgEntsetzen meinerseits, als ich am Montag draussen auf der Strasse (der Quartierstrasse von mittlerer Schweizer Autobahn-Breite mit zwei Trottoirs von mittlerer Schweizer Quartierstrassenbreite) nicht nur die Markierungen für eine Baustelle gesehen habe - unmittelbar vor meiner Garageneinfahrt -, sondern auch die Parkverbotsschilder am Strassenrand: Baustelle vom 26. März bis 6. April. OH GOTT!

Skepsis, als mir der junge Mann von der Baufirma, der grade einen mittelgrossen und einen riesigen Bagger von einem Tieflader fährt, nachmittags mitteilt: Ersatz der Kanalisation, in zwei Tagen abgeschlossen.

Erwarteter Ärger, als die Jungs am Dienstag zuerst mit einer Fräse die Grabenränder aufschneiden, dann mit den Bggern drei Meter tief buddeln und Stahlplanken zur Fixierung reinvibrieren (das ganze Haus schüttelt wie ein überdimensionierter Vibrator), die Rohre ersetzen, die Planken rausvibrieren und zwei meter weiter wieder reinhauen - das kann ja heiter werden.

Totale Verblüffung heute nachmittags um vier, als ich das haus erstmals seit dem gestriegen Mitternachtssnack in der Mission verlasse: Graben zugeschüttet, Belag neu geteert, Bagger abholbereit am Strassenrand.

In Zürich hätten die gleichen Arbeiten garantiert zwei Wochen gedauert. Zweifellos würde danach allerdings auch die Grabenfüllung nicht binnen einer Woche zu einem potthole von Motorradfahrer-killenden Dimensionen absacken, aber ehrlich: Was solls?

Ich bin beeindruckt.

User generated mess

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Zur Sperrung von Youtube in der Türkei nach der Veröffentlichung eines Atatürk-Spottvideos durch einen Griechen habe ich aufmedienlese einen Kommentar geschrieben.

Mir scheint, der Fall ist gravierend genug um zu zeigen, wozu «user generated content» führen kann, wenn Medien mit einer gewissen Reichweite ihn unbesehen publizieren. Das Internet ist frei, aber kommerzielle Unternehmen wie Youtube sind nicht frei von Verantwortung, und Zeitungen, die auf “Bürgerreporter” setzen, noch viel weniger - denn von ihnen wird Wahrheit erwartet.

Advent im März

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308.jpgIch liebe die Tracking-Funktion der diversen Postdienste. Seit Tagen hänge ich im Internet rum und klicke immer mal wieder auf den «Update»-Knopf im Browser, um bei fedex nachzusehen, wo genau denn jetzt mein brandneuer 24-Zoll-Breitbildschirm grad ist. Hab das Ding auf Ebay von einem Grauhändler für 600 Dollar inklusive Versand gekauft. Seither ist es unterwegs, von Virginia an der Ostküste per Laster hierher an die Westküste. Leider machte der Truck unterwegs keine Zwischenstopps mit Päckli-Scan, und so hab ich die Annäherung an Kalifornien fast nicht mitgekriegt. Aber gestern wusste ich, dass mein neues Schmuckstück in Sacramento und heute morgen in South San Francisco angekommen war - und seit dem erscheinen der Meldung «im FedEx-Lieferwagen für die Auslieferung» horchte ich auf jeden Kleinbus, er sich meinem Haus näherte…

Die Geschichte von der Bildschirm-Installation gibts auf Neuerdings. Mit Fotos. Das Gerät ist riiiiiesig…

307.jpgEs war zugegebenermaßen ein kleiner Schock, als ich kürzlich einen Umschlag des Obergerichts von San Francisco in meiner Post vorfand. Die Aufregung wich einem gewissen Stolz als ich feststellte, dass es sich um ein Aufgebot als Jurymitglied handelte.

Für die freien Amerikaner gibt es nämlich neben der Steuer- nur eine weitere, unausweichliche Bürgerpflicht: Den jährlichen Einsatz in einem Geschworenengericht.

Nun ist es zwar so, dass ich kein amerikanischer Bürger bin; das allerdings weiß der Staat Kalifornien nicht. Das Sozialversicherungsamt kennt mich als Ausländer, ebenso wie das Department of Homeland Security und die Steuerbehörde, in deren Registern ich überall verzeichnet bin. Aber für das Aufgebot der Juroren benutzt der Staat Kalifornien die Datenbank der Führerschein-Inhaber vom Departement for Motor Vehicles. Was durchaus Sinn macht - es handelt sich um dies eine Dokument, ohne das wohl kein Amerikaner leben kann.

Weil allerdings auch dem Gericht klar ist, dass es sich dabei keineswegs nur um Amerikaner handelt, bietet die Rückseite des Aufgebots eine ganze Liste von Optionen, mit denen sich ein Subjekt aus der vaterländischen Pflicht der Wahrheitsfindung befreien kann: z.B. wenn es über einen fremden Pass verfügt oder aufgrund einer Vorstrafe seine Bürgerrechte verloren hat; wenn es des Englischen nicht mächtig, geistig minderbemittelt oder ganz einfach verstorben ist. Bitte hier ankreuzen.

Ich habe mich für die erste Option entschieden. Aber dem Vernehmen nach nützt das nur bedingt: ich werde, hat mir heute die langjährige DRS-Korrespondentin in San Francisco, Susanne Brunner, versichert, wahrscheinlich alle 12 Monate das gleiche Aufgebot erhalten.

Angesichts solcher Zuverlässigkeit staatlicher Datenbanken frage ich mich jetzt natürlich insgeheim, ob es weise war, sich freiwillig bei der Steuerbehörde anzumelden.

Brauche Geek-Hilfe

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304.JPGHilferuf in eigener Sache (wie so ziemlich alles hier, eigentlich) an alle Softwareingenieure und sonstigen Nerds, die besser drauskommen als ich: Ich brauche Hilfe, um endlich bei Technorati aufzutauchen. Wie ich bereits hin und wieder mit stolz geschwellter Brust bemerke, ist diese ganze Webseite auf meinem eigenen Mist, sprich aus meinen kümmerlichen Programmierkenntnissen gewachsen. Das Zeug läuft auf PHP-Scripts mit hinterlegten MySql-Datenbanken.

Und Technorati kann damit offenbar nichts anfangen.

Nun ist es zwar nicht so schwierig, mit Technorati-Gründer Dave Sifry einen Kaffeeklatsch zu haben, aber seine angeblich so hilfsbereiten Techniker melden sich allen Hilferufen zum Trotz nie bei mir.

Wenn ich versuche, Technorati anzupingen, kriege ich zwar die Bestätigung mitsamt meiner Blog-Adresse - aber einlesen tut Technorati mein Zeug nicht. Was fehlt? Muss ich irgendwelche Kommentar-Tags in den Quellcode einbauen, muss der inhalt XML-formatiert sein oder was? Dann wiederum - das alles ist bei Wordpress im Quellcode auch nicht der Fall, also wie erkennt Technorati, dass es mein Blog gibt und welche Bestandteile es hat?

Was muss ich tun…?

Herzlichen Dank für jegliche Hinweise hier als Kommentar oder noch besser per Mail an mich (ps Affenschwanz swissreporter.ch) oder noch besser per skype oder Telefon.

Gedankensex

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Ich habe drüben auf der medienlese den dritten Teil einer Serie über Journalismus und Blogger gepostet - Stan James hat mir eine grossartige Methapher geliefert für das, was Journalismus im Zeitalter des Web 2.0 zunehmend sein müsste: Mem-Sex.

300.JPGWas ist das schlimmste, was ein Mann im wilden Westen tun kann? Mit der Frau eines Freundes schlafen. Das gilt sogar - oder grade - im moralisch und politisch ach so offenen San Francisco (sofern der Gatte der Geliebten nicht eingeweiht oder beteiligt war, heisst das).

Das erfährt jetzt grade der politische Strahlemann Gavin Newsom, der Filmstar unter den demokratischen Nachwuchspolitikern in der Bush-Nation (mit guten Kontakten nach Zürich). Mit einer Mischung aus Charme und eleganter Arroganz, persönlichem Luxusleben und sozialem Engagement, politischem Erfolg und homöapathischen Dosen von Selbstkritik oder gar Fehlereingeständnissen hat sich San Franciscos Bürgermeister einen Beliebtheitsgrad von 70 Prozent erarbeitet. Nicht zuletzt bei den Frauen: Ich habe noch keine getroffen, die «Gavin» nicht «hot» findet. Noch etwas heisser macht ihn der Umstand, dass er theoretisch zu haben ist, seit sich seine TV-prominente Frau vor rund vier Jahren von ihm hat scheiden lassen. Affären mit einer Scientology-Schauspielerin und einer angebblich unter 21jährigen werden dem 39Jährigen nicht nur verziehen, sondern steigern seinen gesellschaftlichen Wert: Der Mann kriegt immer, was er will. Dass er es bisweilen mit der Arbeit nicht so genau nimmt und statt an der grossen Bürgermeister-Konferenz in Washington lieber zehn Tage in Davos abhängt, angeblich am WEF, das allerdings erst nach seiner Abreise offiziell eröffnet wurde; dass er sich im Privatjet der Google-Gründer dahin fliegen lässt (das war vergangenes Jahr), obwohl die Firma grade um die Zulassung als Anbieterin des Gratis-Funkinternets in ganz San Francisco kämpft - das entlockt den Franziskanern kaum ein Achselzucken.

Dass ihn ausgerechnet ein Sex-Skandal im Wahljahr in Schwierigkeiten bringen könnte, daran hat wohl niemand geglaubt: Solche Geschichten regen die Amerikaner im Bible-Belt auf, aber doch nicht die Hippies am Golden Gate, wo eine Mentalität vorherrscht, welche die Republikaner in Washington inzwischen hasserfüllt «San Francisco Values» nennen.

Aber als am Mittwoch zunächst der Rücktritt des Kampagnen-Leiters Alex Tourk «aus persönlichen Gründen» bekannt wurde und kurz darauf deren Natur - Tourks Frau Ruby Rippey-Tourk hatte ihm eine Affäre mit Newsom von vor drei Jahren gestanden, als sie dessen Sekretärin gewesen war - kippte die Stimmung.

Jedenfalls berichten das jetzt die Medien. Und die Kolumnisten wissen auch, wieso. Sex ist kein Problem, und Affären eigentlich auch nicht. Aber eine Sex-Affäre mit der Frau des besten Freundes und Beraters - wiederum: hinter dessen Rücken - das mögen die Wähler (männliche Form explizit gewählt) in San Francisco «dem Gavin» nicht verzeihen. Die Leserbriefmailbox und der Beantworter der Chronicle-Redaktion sei beinahe geplatzt von empörten Zuschriften aus Männerhänden, sagt Kolumnist CW Nevius: Einem Mann, der sich mit der Frau seines besten Freundes einlässt, ist nicht zu trauen. Es ist der Bruch mit dem Männercode, lässt sich Nevius erklären, der die Wähler aufrüttelt. Politische Lügen sind demnach in Ordnung, private Lügen weniger, und der Betrug eines persönlichen Freundes mit dessen Frau ist inakzeptabel.

Den Frauen hingegen, deckt Nevius auf, ist die Geschichte einerlei - wenn sie nicht sogar noch mehr zum «Hottie»-Image «des Gavin» beiträgt. Eine Anruferin habe gar festgehalten, Alex Tourk solle es doch als «Kompliment auffassen, dass seine Frau solch schmeichelhafte Aufmerksamkeit wert ist.»

Autsch.

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