Sep
14
When it rains, it pours
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Am Freitagabend habe ich einigen Schweizer Besuchern (darunter dem herausragenden Chef de Cuisine Moritz, der uns bei Walti und Anne als Störkoch verwöhnte) erklärt, dass es in San Francisco zwischen März und November niemals regne: Unterschiede in der Nebeldichte und den Temperaturen (die im September und Oktober bisweilen schon mal die 20-Grad-Grenze sprengen) seien die einzigen meteorologischen Veränderungen in den acht Sommermonaten.
Als ich die Party am frühen Samstag Morgen verliess, zog ein halbstündiges Gewitter mit Blitz und Donner über die Stadt - das zweite, das ich hier in fünf Jahren erlebt habe.
Und heute Nachmittag um vier beganns zu giessen wie im saftigsten Wintersturm und hörte erst abends um acht wieder auf.
Meine Glaubwürdigkeit ist dahin.
Dez
21
Transitive Stirntätigkeiten
Filed Under Helvetien und seine -tier | 2 Kommentare
“Sie brauchen jetzt nicht mit der Stirn zu runzeln - ich habe nur einen Fehler gemacht.” Ziemlich unglaublich, der Satz - vor allem frühmorgens aus dem hochdeutschen Mund einer Zugbegleiterin der Schweizerischen Bundesbahnen: Könnte meine Stirn transitive Tätigkeiten erledigen, ich würde darauf achten, dass sie nützlicher wären als etwas zu runzeln.
Die grammatikalische Anomalie des Satzes reicht indes nicht an seine inhaltliche Unverschämtheit heran. Die autoritäre Bestimmtheit, mit der die junge Dame nach der Kontrolle meines (schweineteuren) SBB-Monats-Generalabonnements für Auslandschweizer und andere minderwertige Menschen irgendwas sagte, hatte mich zuvor in guteidgenössisch-uniformgläubiger Weise die Kopfhörer aus den Ohren reissen und freundlich um Wiederholung des Gesagten bitten lassen.
“Das ist auf dieser Strecke nicht gültig”, sagt sie, “Sie müssen dazu noch ein anderes Papier gekriegt haben.” - “Ich verstehe nicht, was Sie meinen. Ich fahre mit dem Abo seit zwei Wochen zwischen Basel und Zürich hin und her.” -
Jun
27
Die Realität der Bildschirm-Arbeiter…
Filed Under Blogosphäre, Allgemein | 3 Kommentare
…und ihrer immerwährenden Dialoge mit den virtuellen Kollegen via instant-Messaging:

und dann auch noch ein SCH zu wenig. Tsts.
Genau deswegen brauche ich doch meinen 24-Zoll-Bildschirm. Da haben die Fenster von allen virtuellen Gesprächspartnern nebeneinander drauf Platz.
Jun
26
Bloglücken
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Tja, scheint so, als ob mein wunderbares Script zum Import aller alten Blogeinträge nicht ganz reibungslos funktioniert hat - statt knapp 400 sind nur rund 260 rübergerutscht. Immerhin weiss ich, was das Problem ist.
Abgesehen davon werden derzeit die internen Links zwar funktionieren - aber sie zeigen auf die alten Seiten mit meinem Selbstbau. Ob ich das später, wenn mal alles drüben ist, auch noch hinkriege, steht auf einem andern Blatt.
Never touch a running system - die gute, alte weisheit, einmal mehr missachtet und dafür bezahlt…
Jun
9
Der grosse Umbau
Filed Under Allgemein | 4 Kommentare
Jaaa. Ich habe mich entschlossen, Monate langer Codehackerei wegzuschmeissen und mein selbstgebasteltes Content-Management-System (ein Haufen ziemlich wirrer Skripte, auf die ich dennoch stolz war bin) durch das bewährte Wordpress zu ersetzen.
Demnächst wird hier wieder vermehrt gebloggt, über alles, was mich in San Francisco, im Silicon Valley, in Kalifornien, den USA und der Welt bewegt, verblüfft, verärgert oder begeistert. Ausserdem werde ich Seiten mit meinen Artikeln und eine Fotogallerie einrichten. Aber immer schön eins nach dem andern.
Wer in ein paar Tagen vorbeischaut und verblüfft ist über die riesige Menge von Inhalten, die dannzumal hoffentlich hier aufgetaucht sein wird: Ich habe hunderte von Texten, die ich jetzt aus der alten- in die neue Datenbank übertragen muss. Mal sehen, wie das geht - leider muss ich das import-Skript zu diesem Zweck selber schreiben.
Mai
15
Untote Konten und Kreditkarten
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Heute hab ich die Abrechnung für meine Visa-Card der Bank of America gekriegt. Das Problem ist nur, ich hab das Konto vor zwei Wochen gekündigt. Damals war der Kontostand, nachdem ich telefonisch die letzten $2.2 bezahlt hab, auf $0,0.
Die Rechnung von heute wies einen Kontostand von US$ -40.50 auf und einen Zinssatz für die aktuelle Rechnungsperiode von 1815.31%. Kein Witz.
Die Rechnung weist ausserdem meine Zahlung von $2.2 vom 1. Mai auf, sowie eine vom gleichen Tag über 23.74, just den Betrag der April-Abrechnung. Die habe ich aber am 13. April bereits online bezahlt.
Bei genauem Hinsehen ist das Konto damit am 1. Mai genau $23.74 im PLUS.
Und dann weist die Rechnung aber für den 3. Mai einen geplatzten Cheque über $23.74 auf, was eine Gebühr von $1.50 und eine Strafe von $39 zur Folge hat. Macht nach Adam Riese einen Kontostand von $40.50 minus.
Wie das? Ganz einfach. Ich habe die Kreditkarte automatisch jeden Monat via Bankkonto (ebenfalls bei BoA) vollständig bezahlen lassen. Dieser Auftrag wurde bei der telefonischen Kündigung der Kreditkarte automatisch ausgeführt und belastete mein Bankkonto mit dem Rechnungsbetrag der Vorperiode, obwohl ich den längst von Hand gezahlt hatte und das Konto unmittelbar nach dem Anruf ausgelichen war. Weil ich zu diesem Zeitpunkt aber auch schon mein Checking-Konto bei BoA gekündigt hatte, lief der Auftrag ins Leere.
Einfach gesagt, die Bank of America berechnete mir eine Strafe von 40.50 Dollar dafür, dass ihre Computer eine nicht mehr existierende Schuld ab einem nicht mehr existierenden Bankkonto einzuziehen versucht haben.
Die folgenden Telefonate waren nicht erfreulich. Und sie frassen mir mal wieder zwei Stunden Arbeitszeit weg. Fazit: Der automatische Auftrag ist nicht mehr auffindbar (laut Kreditkartenabteilung), er ist nicht zu finden (laut Checking-Abteilung), er muss aber gekündigt werden, weil die Computer sonst jeden Monat versuchen, die Phantom-Schuld auf dem Phantom-Konto einzutreiben und mir damit reale Strafgebühren verursachen.
So weit alles klar? Unter dem Eindruck meiner langsam anschwellenden Stimme (die auch schon Kundendienstler hat aufhängen lassen, was mich dann jeweils eine weitere Stunde in der Warteschlaufe kostet) hatte schliesslich eine gute Seele ein Einsehen, strich meine reale Strafschuld von 40.50 Dollar, versprach, den automatischen Auftrag um jeden Preis zu stoppen, entschuldigte sich für den ganzen Unsinn und pflichtete mir bei, dass da etwas im Computersystem nicht ganz logisch ist. Ich weiss sogar was: Da fehlen zwei Zeilen Code -
WENN (Kreditkarte gekündigt){
stoppe automatischen Zahlungsauftrag;
}
Nicht ganz, meint die Kundendienstlerin: Es gäbe immer wieder Leute,welche die Karte künden, während sie noch einen Schuldbetrag drauf haben. Oha! OK, demnach fehlen zweieinhalb Zeilen Code:
WENN (Kreditkarte gekündigt UND Kontostand ==0){
lösche automatischen Zahlungsauftrag;
}
Ich würde dieses Geheimnis für einen Bruchteil jener Summe mit der BoA teilen, welche diese einstreicht, weil Kunden wie ich solche Rechnungen unbesehen bezahlen.
Aber das wär wohl nicht in ihrem Interesse.
Mai
13
Den Hunger ausstampfen
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Philanthropie wird gross geschrieben in der Bay Area. Nirgends in den USA gibt es eine grössere Ansammlung an Non-Profit-Organisationen und Hilfsgruppierungen.
Spenden gehört zum guten Ton. Und dass dafür keine Mühe zu absurd gross ist, hat heute der US Postal Service mit der Aktion “Stamp out hunger” bewiesen. Meiner Meinung nach ein Musterbeispiel für die amerikanische Art für den Umgang mit Ressourcen und die kalifornische Art für den Umgang mit dem eigenen Gewissen.
“Stamp out hunger” ist nichts anderes als eine Abholaktion, bei der die Pöstler an einem Samstag nicht nur die Post bringen, sondern bereitgestellte Tüten mit Lebensmitteln bei den Privathaushalten abholen. Das ist, nach amerikanischem Verständnis, äusserst sinnvoll: Die Leute werden zum Spenden animiert, weil sie sich nicht aus dem Haus bemühen müssen; zugleich ist die Aktion handfest und bildhaft: Die Kids sehen, dass man den homeless ganz konkret mit Chili-Dosen und Pastaschachteln helfen kann.
Vielleicht bin ja ich ja mal wieder zu pragmatisch und sehe den symbolhaften Aspekt zu wenig. Ich kann jedenfalls nicht verstehen, wie man sich an einer derartigen Energieverschleuderung beteiligen kann. Wenn man sich überlegt, was sich genau abspielt, wird deutlich, wie teuer die Bildhaftigkeit ist.
Da werden Lebensmittel Palettweise aus Warenlagern zu den Grossverteilern gekarrt, dort in Kleinsteinheiten zerlegt in die Regale gestellt, von den Kunden, die mit dem Auto angefahren kommen, gekauft und nach Hause gefahren, wo sie von den Pöstlern wieder abgeholt werden, um in Sortierzentren palettiert zu werden (das weiss ich nicht, das nehme ich an) bevor sie in die Verteilstellen des Roten Kreuzes gekarrt, in Kleinsteinheiten zerlegt und an die Bedürftigen abgegeben werden.
Meine gewissensberuhigende Chilidose hat demnach, bis sie bei den Leuten ankommt, die sie brauchen, wohl etwa die doppelte Distanz und das dreifache Handling erlebt, das eine mit Spendengeldern en Gros eingekaufte Packung Hilfsgüter beansprucht. Aber die hat den Nachteil, dass sie meine Kids nie zu Geicht bekommen. Klar.
Aber wenigstens wird genussvolles Rauchen in Hollywoodstreifen jetzt neben Sex und Gewalt zum neuen Kriterium , um einen Film nicht jugendfrei zu erklären.
Apr
27
Yahoo! Wir sind in der Stadt
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Extrem kurzfristig habe ich heute dank einem Freund noch Eingang gefunden in den Tag der offenen Tür in Yahoos “Brickhouse”. Das ist ein künstlerisch angehauchter Aussenposten des Mediengiganten - im hippen South-of-Market-Quartier in San Francisco.
Wir haben ein bisschen rumgeschnuppert und uns mit ein paar Leuten vom Management unterhalten.
Im “Brickhouse” sind beinahe freifliegende Design- und Ideenteams untergebracht, darunter auch firmenfremde Einzelmasken, die von Hochschulen aus aller Welt als sogenannte “residents” angeheuert, auf Zeit als angestellte Designer eigene Projekte realisieren. Dabei handelt es sich vielfach um Absolventen der modischen Lehrgänge in “technischem Design” - vielfach also Java-Programmierer, die aber statt Software Visualisierungen von Datenströmen erzeugen. Larry Tesler, der schon beim Xerox Parc dabei war, verwies auf die Anwesenheit von Künstlern in diesem legendären Thinktank: “Die brachten uns bei, wie Grafik betrachtet werden muss.” Die Kreativen Geister im Brickhouse bauen Anwendungen, die nicht auf ein bestimmtes Projekt bei Yahoo zugeschnitten sind, sondern sollen einfach mal mit einem künstlerischen Konzept herumspielen - und danach vielleicht im Yahoo-Campus in Sunnyvale von Ingenieuren entdeckt und für deren Projekt angeheuert werden.
Und warum also ist das Brickhouse in der Stadt und nicht in direkter Nachbarschaft des riesigen Yahoo-Komplexes im Silicon Valley? “Weil Künstler und Kreative nun mal gerne in der Stadt leben”, meint Larry.
Nur gilt das inzwischen wohl auch für viele Geeks: Neben vielen andern Startups wie Technorati wurden immerhin auch die beiden Yahoo-Zukäufe Oddpost (Yahoo-Mail Beta) und Flickr in San Francisco gegründet und haben oder hatten den Firmensitz dort.
Das Valley ist nicht mehr so angesagt, und wenn die Geek-Firmen jetzt mit ihren Milliarden ein Mäzenatentum aufziehen, dann muss das South of Market stattfinden, scheint mir…
Apr
22
Dritte Woche Bargeldlos
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Vor nicht ganz einem Jahr hat die Basellandschaftliche Kantonalbank mein «Vermögen» für nachrichtenlos erklärt und meine Konti gesperrt - weil die von ihr falsch adressierte Briefpost ständig retourniert worden war (auf die Idee, mich anzurufen, ist in Birsfelden niemand gekommen, und der Umstand, dass von den Konti regelmässig Geld auf meine US-Bank überwiesen wurde, ist den cleveren Bankenwächtern ebenfalls entgangen.
Vor drei Wochen hat die Post eine meiner monatlichen Zahlungen ausgeführt und mein Geld abgebucht, und bis heute wusste ich nicht, wo der Betrag verblieben ist. Vor fünf Minuten hat man mir mitgeteilt, dass das Geld, am 2. April abgebucht, am 4. April bei der Vermittlerbank Wells Fargo in San Francisco angekommen sei.
Warum die es angesichts einer detaillierten Adresse der Zielbank, meiner Adresse und meiner Kontonummer nicht weitergeleitet hat, kann mir niemand erklären; ein virtuelles Schulterzucken kriege ich auch als Antwort, wenn ich nachfrage, weshalb die von der Post nachgesandte Ergänzung seit dem 16. April noch keine Wirkung gezeigt hat.
Und schliesslich teilt man mir bei der Post mit, dass ich mit den Nutzungsbedinungen von Yellownet eine Erklärung unterschrieben habe, wonach ich die Haftung für derlei Pannen übernehme.
Das alles interessiert meine Vermieterin, meine hiesige Versicherungsgesellschaft und die Steuerbehörde nicht wirklich. Und, ganz ehrlich gesagt, mich eigentlich auch nicht. Ich werde wohl nächstens meinen Zahltag per Paypal interkontinental verschieben. Bei denen dauert eine Transaktion nämlich genau so lang, wie eine Email von A nach B braucht.
Apr
20
Löscht Google die Vergangenheit?
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Nach einem hochinteressanten Lunch mit Stan James, dem Gründer von Lijit.com, einer Suchmaschine nach dem Modell der sozialen Netzwerke in Boulder, Colorado, habe ich gestern ein bisschen in Internet - Archiven gegraben und nach mir selbst gesucht.
Denn Stan hatte während unseres Gesprächs einen interessanten Gedanken aufgebracht. Wir sprachen darüber, wie viele Leute sich derzeit auf Myspace und anderswo lächerlich machen und dies in ein paar Jahren, anlässlich einer Stellenbewerbung, bereuen werden.
Und Stan warf plötzlich ein, dass dannzumal aber auch die Chefs jener Generation angehören, die sich auf Myspace ausgetobt oder in Blogs die Redefreiheit strapaziert haben wird - «sie werden also Verständnis haben.»
Nicht nur das. In zehn, zwanzig Jahren, meint Stan, könnte sich die Situation dermassen gewendet haben, dass verdächtig ist, wer in den Internet-Archiven nicht zu finden ist.
Auch das gilt wohl wieder in erhöhtem Masse für die USA, wo der Staat nahezu nichts über seine Bürger weiss und beispielsweise die Stadt San Francisco von mir drei alte Rechnungen oder dergleichen mit meinem Namen und meiner Adresse drauf als Beweis verlangt, dass ich hier wohne.
Also habe ich zunächst mal in den Google-Groups nach mir gesucht, dem Verzeichnis von alten Newsgroups-Einträgen, die einst unter “Dejanews.com” zu finden waren und auf fast jede Frage eine Antwort liefern. Acht Seiten voller Einträge habe ich gefunden, einige peinlich, andere noch immer spannend. Interessanterweise stammt der älteste Eintrag aus dem jahre 1998; ich war aber seit den frühen neunziger Jahren im Usenet unterwegs.
Scheint fast, als ob Google sich an die Gepflogenheiten des Schweizer Strafregisters angepasst hat: Nach zehn jahren werden alle Sünden gelöscht. Ich werde mich nächstens bei Google erkundigen, ob meine Beobachtung zutrifft. Erstaunlicherweise hat mich das nicht nur gefreut. Ich stelle nämlich fest, dass es schon heute ein Leistungsausweis sein kann, eine Präsenz im Internet der Web-Vorzeit nachweisen zu können…