Am Freitagabend habe ich einigen Schweizer Besuchern (darunter dem herausragenden Chef de Cuisine Moritz, der uns bei Walti und Anne als Störkoch verwöhnte) erklärt, dass es in San Francisco zwischen März und November niemals regne: Unterschiede in der Nebeldichte und den Temperaturen (die im September und Oktober bisweilen schon mal die 20-Grad-Grenze sprengen) seien die einzigen meteorologischen Veränderungen in den acht Sommermonaten.

Als ich die Party am frühen Samstag Morgen verliess, zog ein halbstündiges Gewitter mit Blitz und Donner über die Stadt - das zweite, das ich hier in fünf Jahren erlebt habe.

Und heute Nachmittag um vier beganns zu giessen wie im saftigsten Wintersturm und hörte erst abends um acht wieder auf.

Meine Glaubwürdigkeit ist dahin.

307.jpgEs war zugegebenermaßen ein kleiner Schock, als ich kürzlich einen Umschlag des Obergerichts von San Francisco in meiner Post vorfand. Die Aufregung wich einem gewissen Stolz als ich feststellte, dass es sich um ein Aufgebot als Jurymitglied handelte.

Für die freien Amerikaner gibt es nämlich neben der Steuer- nur eine weitere, unausweichliche Bürgerpflicht: Den jährlichen Einsatz in einem Geschworenengericht.

Nun ist es zwar so, dass ich kein amerikanischer Bürger bin; das allerdings weiß der Staat Kalifornien nicht. Das Sozialversicherungsamt kennt mich als Ausländer, ebenso wie das Department of Homeland Security und die Steuerbehörde, in deren Registern ich überall verzeichnet bin. Aber für das Aufgebot der Juroren benutzt der Staat Kalifornien die Datenbank der Führerschein-Inhaber vom Departement for Motor Vehicles. Was durchaus Sinn macht - es handelt sich um dies eine Dokument, ohne das wohl kein Amerikaner leben kann.

Weil allerdings auch dem Gericht klar ist, dass es sich dabei keineswegs nur um Amerikaner handelt, bietet die Rückseite des Aufgebots eine ganze Liste von Optionen, mit denen sich ein Subjekt aus der vaterländischen Pflicht der Wahrheitsfindung befreien kann: z.B. wenn es über einen fremden Pass verfügt oder aufgrund einer Vorstrafe seine Bürgerrechte verloren hat; wenn es des Englischen nicht mächtig, geistig minderbemittelt oder ganz einfach verstorben ist. Bitte hier ankreuzen.

Ich habe mich für die erste Option entschieden. Aber dem Vernehmen nach nützt das nur bedingt: ich werde, hat mir heute die langjährige DRS-Korrespondentin in San Francisco, Susanne Brunner, versichert, wahrscheinlich alle 12 Monate das gleiche Aufgebot erhalten.

Angesichts solcher Zuverlässigkeit staatlicher Datenbanken frage ich mich jetzt natürlich insgeheim, ob es weise war, sich freiwillig bei der Steuerbehörde anzumelden.