Mai
13
Den Hunger ausstampfen
Filed Under Allgemein
Philanthropie wird gross geschrieben in der Bay Area. Nirgends in den USA gibt es eine grössere Ansammlung an Non-Profit-Organisationen und Hilfsgruppierungen.
Spenden gehört zum guten Ton. Und dass dafür keine Mühe zu absurd gross ist, hat heute der US Postal Service mit der Aktion “Stamp out hunger” bewiesen. Meiner Meinung nach ein Musterbeispiel für die amerikanische Art für den Umgang mit Ressourcen und die kalifornische Art für den Umgang mit dem eigenen Gewissen.
“Stamp out hunger” ist nichts anderes als eine Abholaktion, bei der die Pöstler an einem Samstag nicht nur die Post bringen, sondern bereitgestellte Tüten mit Lebensmitteln bei den Privathaushalten abholen. Das ist, nach amerikanischem Verständnis, äusserst sinnvoll: Die Leute werden zum Spenden animiert, weil sie sich nicht aus dem Haus bemühen müssen; zugleich ist die Aktion handfest und bildhaft: Die Kids sehen, dass man den homeless ganz konkret mit Chili-Dosen und Pastaschachteln helfen kann.
Vielleicht bin ja ich ja mal wieder zu pragmatisch und sehe den symbolhaften Aspekt zu wenig. Ich kann jedenfalls nicht verstehen, wie man sich an einer derartigen Energieverschleuderung beteiligen kann. Wenn man sich überlegt, was sich genau abspielt, wird deutlich, wie teuer die Bildhaftigkeit ist.
Da werden Lebensmittel Palettweise aus Warenlagern zu den Grossverteilern gekarrt, dort in Kleinsteinheiten zerlegt in die Regale gestellt, von den Kunden, die mit dem Auto angefahren kommen, gekauft und nach Hause gefahren, wo sie von den Pöstlern wieder abgeholt werden, um in Sortierzentren palettiert zu werden (das weiss ich nicht, das nehme ich an) bevor sie in die Verteilstellen des Roten Kreuzes gekarrt, in Kleinsteinheiten zerlegt und an die Bedürftigen abgegeben werden.
Meine gewissensberuhigende Chilidose hat demnach, bis sie bei den Leuten ankommt, die sie brauchen, wohl etwa die doppelte Distanz und das dreifache Handling erlebt, das eine mit Spendengeldern en Gros eingekaufte Packung Hilfsgüter beansprucht. Aber die hat den Nachteil, dass sie meine Kids nie zu Geicht bekommen. Klar.
Aber wenigstens wird genussvolles Rauchen in Hollywoodstreifen jetzt neben Sex und Gewalt zum neuen Kriterium , um einen Film nicht jugendfrei zu erklären.
Kommentare
Ein Blurb to “Den Hunger ausstampfen”
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Zwei Mal Weihnachten
In der Schweiz gibt es etwas Ähnliches: Zwei Mal Weihnachten!