323.jpgHeute hab ich die Abrechnung für meine Visa-Card der Bank of America gekriegt. Das Problem ist nur, ich hab das Konto vor zwei Wochen gekündigt. Damals war der Kontostand, nachdem ich telefonisch die letzten $2.2 bezahlt hab, auf $0,0.

Die Rechnung von heute wies einen Kontostand von US$ -40.50 auf und einen Zinssatz für die aktuelle Rechnungsperiode von 1815.31%. Kein Witz.

Die Rechnung weist ausserdem meine Zahlung von $2.2 vom 1. Mai auf, sowie eine vom gleichen Tag über 23.74, just den Betrag der April-Abrechnung. Die habe ich aber am 13. April bereits online bezahlt.

Bei genauem Hinsehen ist das Konto damit am 1. Mai genau $23.74 im PLUS.

Und dann weist die Rechnung aber für den 3. Mai einen geplatzten Cheque über $23.74 auf, was eine Gebühr von $1.50 und eine Strafe von $39 zur Folge hat. Macht nach Adam Riese einen Kontostand von $40.50 minus.

Wie das? Ganz einfach. Ich habe die Kreditkarte automatisch jeden Monat via Bankkonto (ebenfalls bei BoA) vollständig bezahlen lassen. Dieser Auftrag wurde bei der telefonischen Kündigung der Kreditkarte automatisch ausgeführt und belastete mein Bankkonto mit dem Rechnungsbetrag der Vorperiode, obwohl ich den längst von Hand gezahlt hatte und das Konto unmittelbar nach dem Anruf ausgelichen war. Weil ich zu diesem Zeitpunkt aber auch schon mein Checking-Konto bei BoA gekündigt hatte, lief der Auftrag ins Leere.

Einfach gesagt, die Bank of America berechnete mir eine Strafe von 40.50 Dollar dafür, dass ihre Computer eine nicht mehr existierende Schuld ab einem nicht mehr existierenden Bankkonto einzuziehen versucht haben.

Die folgenden Telefonate waren nicht erfreulich. Und sie frassen mir mal wieder zwei Stunden Arbeitszeit weg. Fazit: Der automatische Auftrag ist nicht mehr auffindbar (laut Kreditkartenabteilung), er ist nicht zu finden (laut Checking-Abteilung), er muss aber gekündigt werden, weil die Computer sonst jeden Monat versuchen, die Phantom-Schuld auf dem Phantom-Konto einzutreiben und mir damit reale Strafgebühren verursachen.

So weit alles klar? Unter dem Eindruck meiner langsam anschwellenden Stimme (die auch schon Kundendienstler hat aufhängen lassen, was mich dann jeweils eine weitere Stunde in der Warteschlaufe kostet) hatte schliesslich eine gute Seele ein Einsehen, strich meine reale Strafschuld von 40.50 Dollar, versprach, den automatischen Auftrag um jeden Preis zu stoppen, entschuldigte sich für den ganzen Unsinn und pflichtete mir bei, dass da etwas im Computersystem nicht ganz logisch ist. Ich weiss sogar was: Da fehlen zwei Zeilen Code -

WENN (Kreditkarte gekündigt){

stoppe automatischen Zahlungsauftrag;

}

Nicht ganz, meint die Kundendienstlerin: Es gäbe immer wieder Leute,welche die Karte künden, während sie noch einen Schuldbetrag drauf haben. Oha! OK, demnach fehlen zweieinhalb Zeilen Code:

WENN (Kreditkarte gekündigt UND Kontostand ==0){

lösche automatischen Zahlungsauftrag;

}

Ich würde dieses Geheimnis für einen Bruchteil jener Summe mit der BoA teilen, welche diese einstreicht, weil Kunden wie ich solche Rechnungen unbesehen bezahlen.

Aber das wär wohl nicht in ihrem Interesse.

Den Hunger ausstampfen

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Philanthropie wird gross geschrieben in der Bay Area. Nirgends in den USA gibt es eine grössere Ansammlung an Non-Profit-Organisationen und Hilfsgruppierungen.

Spenden gehört zum guten Ton. Und dass dafür keine Mühe zu absurd gross ist, hat heute der US Postal Service mit der Aktion “Stamp out hunger” bewiesen. Meiner Meinung nach ein Musterbeispiel für die amerikanische Art für den Umgang mit Ressourcen und die kalifornische Art für den Umgang mit dem eigenen Gewissen.

“Stamp out hunger” ist nichts anderes als eine Abholaktion, bei der die Pöstler an einem Samstag nicht nur die Post bringen, sondern bereitgestellte Tüten mit Lebensmitteln bei den Privathaushalten abholen. Das ist, nach amerikanischem Verständnis, äusserst sinnvoll: Die Leute werden zum Spenden animiert, weil sie sich nicht aus dem Haus bemühen müssen; zugleich ist die Aktion handfest und bildhaft: Die Kids sehen, dass man den homeless ganz konkret mit Chili-Dosen und Pastaschachteln helfen kann.

Vielleicht bin ja ich ja mal wieder zu pragmatisch und sehe den symbolhaften Aspekt zu wenig. Ich kann jedenfalls nicht verstehen, wie man sich an einer derartigen Energieverschleuderung beteiligen kann. Wenn man sich überlegt, was sich genau abspielt, wird deutlich, wie teuer die Bildhaftigkeit ist.

Da werden Lebensmittel Palettweise aus Warenlagern zu den Grossverteilern gekarrt, dort in Kleinsteinheiten zerlegt in die Regale gestellt, von den Kunden, die mit dem Auto angefahren kommen, gekauft und nach Hause gefahren, wo sie von den Pöstlern wieder abgeholt werden, um in Sortierzentren palettiert zu werden (das weiss ich nicht, das nehme ich an) bevor sie in die Verteilstellen des Roten Kreuzes gekarrt, in Kleinsteinheiten zerlegt und an die Bedürftigen abgegeben werden.

Meine gewissensberuhigende Chilidose hat demnach, bis sie bei den Leuten ankommt, die sie brauchen, wohl etwa die doppelte Distanz und das dreifache Handling erlebt, das eine mit Spendengeldern en Gros eingekaufte Packung Hilfsgüter beansprucht. Aber die hat den Nachteil, dass sie meine Kids nie zu Geicht bekommen. Klar.

Aber wenigstens wird genussvolles Rauchen in Hollywoodstreifen jetzt neben Sex und Gewalt zum neuen Kriterium , um einen Film nicht jugendfrei zu erklären.