Extrem kurzfristig habe ich heute dank einem Freund noch Eingang gefunden in den Tag der offenen Tür in Yahoos “Brickhouse”. Das ist ein künstlerisch angehauchter Aussenposten des Mediengiganten - im hippen South-of-Market-Quartier in San Francisco.

Wir haben ein bisschen rumgeschnuppert und uns mit ein paar Leuten vom Management unterhalten.

Im “Brickhouse” sind beinahe freifliegende Design- und Ideenteams untergebracht, darunter auch firmenfremde Einzelmasken, die von Hochschulen aus aller Welt als sogenannte “residents” angeheuert, auf Zeit als angestellte Designer eigene Projekte realisieren. Dabei handelt es sich vielfach um Absolventen der modischen Lehrgänge in “technischem Design” - vielfach also Java-Programmierer, die aber statt Software Visualisierungen von Datenströmen erzeugen. Larry Tesler, der schon beim Xerox Parc dabei war, verwies auf die Anwesenheit von Künstlern in diesem legendären Thinktank: “Die brachten uns bei, wie Grafik betrachtet werden muss.” Die Kreativen Geister im Brickhouse bauen Anwendungen, die nicht auf ein bestimmtes Projekt bei Yahoo zugeschnitten sind, sondern sollen einfach mal mit einem künstlerischen Konzept herumspielen - und danach vielleicht im Yahoo-Campus in Sunnyvale von Ingenieuren entdeckt und für deren Projekt angeheuert werden.

Und warum also ist das Brickhouse in der Stadt und nicht in direkter Nachbarschaft des riesigen Yahoo-Komplexes im Silicon Valley? “Weil Künstler und Kreative nun mal gerne in der Stadt leben”, meint Larry.

Nur gilt das inzwischen wohl auch für viele Geeks: Neben vielen andern Startups wie Technorati wurden immerhin auch die beiden Yahoo-Zukäufe Oddpost (Yahoo-Mail Beta) und Flickr in San Francisco gegründet und haben oder hatten den Firmensitz dort.

Das Valley ist nicht mehr so angesagt, und wenn die Geek-Firmen jetzt mit ihren Milliarden ein Mäzenatentum aufziehen, dann muss das South of Market stattfinden, scheint mir…

Dritte Woche Bargeldlos

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Vor nicht ganz einem Jahr hat die Basellandschaftliche Kantonalbank mein «Vermögen» für nachrichtenlos erklärt und meine Konti gesperrt - weil die von ihr falsch adressierte Briefpost ständig retourniert worden war (auf die Idee, mich anzurufen, ist in Birsfelden niemand gekommen, und der Umstand, dass von den Konti regelmässig Geld auf meine US-Bank überwiesen wurde, ist den cleveren Bankenwächtern ebenfalls entgangen.

Vor drei Wochen hat die Post eine meiner monatlichen Zahlungen ausgeführt und mein Geld abgebucht, und bis heute wusste ich nicht, wo der Betrag verblieben ist. Vor fünf Minuten hat man mir mitgeteilt, dass das Geld, am 2. April abgebucht, am 4. April bei der Vermittlerbank Wells Fargo in San Francisco angekommen sei.

Warum die es angesichts einer detaillierten Adresse der Zielbank, meiner Adresse und meiner Kontonummer nicht weitergeleitet hat, kann mir niemand erklären; ein virtuelles Schulterzucken kriege ich auch als Antwort, wenn ich nachfrage, weshalb die von der Post nachgesandte Ergänzung seit dem 16. April noch keine Wirkung gezeigt hat.

Und schliesslich teilt man mir bei der Post mit, dass ich mit den Nutzungsbedinungen von Yellownet eine Erklärung unterschrieben habe, wonach ich die Haftung für derlei Pannen übernehme.

Das alles interessiert meine Vermieterin, meine hiesige Versicherungsgesellschaft und die Steuerbehörde nicht wirklich. Und, ganz ehrlich gesagt, mich eigentlich auch nicht. Ich werde wohl nächstens meinen Zahltag per Paypal interkontinental verschieben. Bei denen dauert eine Transaktion nämlich genau so lang, wie eine Email von A nach B braucht.

318.JPGNach einem hochinteressanten Lunch mit Stan James, dem Gründer von Lijit.com, einer Suchmaschine nach dem Modell der sozialen Netzwerke in Boulder, Colorado, habe ich gestern ein bisschen in Internet - Archiven gegraben und nach mir selbst gesucht.

Denn Stan hatte während unseres Gesprächs einen interessanten Gedanken aufgebracht. Wir sprachen darüber, wie viele Leute sich derzeit auf Myspace und anderswo lächerlich machen und dies in ein paar Jahren, anlässlich einer Stellenbewerbung, bereuen werden.

Und Stan warf plötzlich ein, dass dannzumal aber auch die Chefs jener Generation angehören, die sich auf Myspace ausgetobt oder in Blogs die Redefreiheit strapaziert haben wird - «sie werden also Verständnis haben.»

Nicht nur das. In zehn, zwanzig Jahren, meint Stan, könnte sich die Situation dermassen gewendet haben, dass verdächtig ist, wer in den Internet-Archiven nicht zu finden ist.

Auch das gilt wohl wieder in erhöhtem Masse für die USA, wo der Staat nahezu nichts über seine Bürger weiss und beispielsweise die Stadt San Francisco von mir drei alte Rechnungen oder dergleichen mit meinem Namen und meiner Adresse drauf als Beweis verlangt, dass ich hier wohne.

Also habe ich zunächst mal in den Google-Groups nach mir gesucht, dem Verzeichnis von alten Newsgroups-Einträgen, die einst unter “Dejanews.com” zu finden waren und auf fast jede Frage eine Antwort liefern. Acht Seiten voller Einträge habe ich gefunden, einige peinlich, andere noch immer spannend. Interessanterweise stammt der älteste Eintrag aus dem jahre 1998; ich war aber seit den frühen neunziger Jahren im Usenet unterwegs.

Scheint fast, als ob Google sich an die Gepflogenheiten des Schweizer Strafregisters angepasst hat: Nach zehn jahren werden alle Sünden gelöscht. Ich werde mich nächstens bei Google erkundigen, ob meine Beobachtung zutrifft. Erstaunlicherweise hat mich das nicht nur gefreut. Ich stelle nämlich fest, dass es schon heute ein Leistungsausweis sein kann, eine Präsenz im Internet der Web-Vorzeit nachweisen zu können…

Spammer angezeigt

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317.jpgDie unverfrorensten unter den Spammern verlegen sich auf eine neue, überaus widerliche Masche: Nötigung kombiniert mit wahllos versandten Mails.

Ich habe grade zwei mit leicht unterschiedlicher Ausrichtung gekriegt, und beide sind an Hinterhältigkeit kaum zu übertreffen.

Der erste Fall:

Betrifft: Ausstehende Zahlung - Androhung von Vollstreckungsmassnahmen und SCHUFA-Eintrag

Gerichtlicher Streitwert unserer Forderung inkl. Zinsen mittlerweile Euro 190555 Euro

Ihre Forderung wird bald an Moskau-Inkasso-Team weitergeleitet:

www.moskau-inkasso.com

Sehr geehrter Kunde,

vor laengerer Zeit wurde unter IHRER EMAIL-ADRESSE ein Jahreszugang zu dem Erwachsenenservice Livecamflatrate.com bestellt. […]

Durch die Auswertung unserer Logfiles mit Hilfe einer neuen Software und der Verknuepfung mit unseren Buchungsdaten konnten wir nun feststellen, dass TROTZ MEHRFACHER NUTZUNG unseres Angebotes bislang keine Zahlung zu Ihrem Account vorliegt. […]

Und so weiter, das übliche Gelaber. Weiter unten folgen tatsächlich Zugangsdaten, und wer naiv genug ist, die auszuprobieren, dürfte wahrscheinlich irgendeine Art von Vertrag eingehen (oder zumindest glauben das die Idioten, die damit Geld erpressen wollen).

Jedenfalls werde ich mit unmissverständlichen Drohungen aufgefordert,

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BEZAHLEN SONST SCHUFA-EINTRAG UND BESUCH AUS MOSKAU:

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Unsere Bankverbindung:

Kontonummer 101 661 312

Bankleitzahl 570 501 20

Sparkasse Koblenz

Inhaber A. Becker

Betreff: 2007 / 82868 - YH

Fuer kostenguenstige Ueberweisungen aus dem Euro-Ausland:

IBAN: DE60 5705 0120 0101 6613 12 , SWIFT-BIC: MALADE51KOB

Betrag: 39 Euro Mitgliederbeitrag zzgl. 10 Euro Mahn- und

Schufa-Meldegebuehren: 49 Euro

Das Schöne daran ist, dass hiermit jedenfalls ein Angelpunkt für eine Anzeige besteht: In Koblenz. Dort habe ich denn auch via Online-Formular angefragt, ob ich gegen die Urheber der Mail Anzeige wegen Nötigung erstatten könne. Und zu meiner Überraschung habe ich keine zwölf Stunden später eine Mail einer Kriminalhauptkommissarin der Dienststelle Koblenz erhalten mit der Bitte um die Original-Mail inklusive Header - die Strafanzeige wird entgegengenommen und bearbeitet.

Ich weiss zwar nicht, was das heisst und ob irgendeine Aussicht besteht, dass wenigstens der Inhaber des Bankkontos von der Kriminalpolizei durchleuchtet wird, aber ich bin allein von der Bereitschaft der Deutschen Beamten beeindruckt, sich dieser Sache anzunehmen.

(Die Absender-IP der Mail stammt zwar aus Korea, aber da die Mail mit einem einzigen Zwischenstopp direkt auf meinen Schweizer Server geliefert worden sein soll, nehme ich an, dass sie gefälscht ist.)

Ausserdem scheine ich nicht der einzige zu sein, der genug hat von derlei miesen Methoden. Erster Ratschlag an alle, die derlei Post kriegen, noch vor dem ersten Erschrecken: ganze Textpassage aus der Mail in «”» eingefügt in Google suchen. Wenn dort keine Postings über kursierende Erpresser-Spam zu finden sind, lohnt sich eine genauere Prüfung der Mail - aber soweit hats bisher noch keine einzige geschafft bei mir.

Auch nicht diese Version höheren Bullshits, die ich heute gekriegt habe:

Unverlangte Werbe-E-Mails an meine Adresse info@susanna4112.de

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 13.4.2007, 15:46 Uhr erhielt ich unverlangte Werbe-E-Mails Ihrer

Webseite www.swissreporter.ch auf meinen beruflich genutzten E-Mail-Account.

Ich habe bislang keinerlei Kontakt zu Ihrem Unternehmen gehabt oder die Zusendung derartiger Mails in irgendeiner Art und Weise angefordert.

Das schreibt ein Absender Namens “Rechtsabteilung” (…) der sich in der Mail als “Darrin Grimm” zu erkennen gibt. Muss ein Bruder von Jacob und Wilhelm sein…

Mit allerlei juristischem Gefasel verlangt er, dass ich ihm Auskunft über die Verwendung seiner Daten gebe und eine Unterlassungserklärung einreiche. Zuerst dachte ich kurz, dass jemand meinen Server für Spamversand gehackt hat - aber der würde wohl nicht “für” Swissreporter Werbung machen, aber genau das insinuiert der Absender.

Die Absicht dieser hinterhältigen Aktion, über deren Zweck sich schon andere gewundert haben, besteht darin, mich zur Antwort an den Märchenerzähler zu bewegen und damit meine eigene Mailadresse als lohnendes Ziel für Spammer “freizugeben”: Eine Domain “susanna4112.de” ist weltweit nirgends registriert (also kann ja wohl keine Mail von mir dort angekommen sein), der Drohbrief kam von einem deutschen GMX-Mailkonto und wurde laut Header von einer bei sechs Filterdiensten als Spam-Schleuder geblockten Internet-Adresse im Iran abgeschickt.

Scheint mir das richtige Land für eine Anzeige. Bezogen auf die Ausgestaltung einer allfälligen Strafe jedenfalls.

Bush: Recht, Waffen zu tragen

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315.JPGEine der ersten Stellungnahmen des Weissen Hauses unmittelbar nach dem Massaker in Virgina, bei welchem mindestens 33 Menschen ihr Leben verloren, lautet: «Der Präsident glaubt, dass die Leute ein Recht haben, Waffen zu tragen, aber dass alle Gesetze befolgt werden müssen», erklärte Sprecherin Dana Perino laut Medienbericht auf Yahoo.