307.jpgEs war zugegebenermaßen ein kleiner Schock, als ich kürzlich einen Umschlag des Obergerichts von San Francisco in meiner Post vorfand. Die Aufregung wich einem gewissen Stolz als ich feststellte, dass es sich um ein Aufgebot als Jurymitglied handelte.

Für die freien Amerikaner gibt es nämlich neben der Steuer- nur eine weitere, unausweichliche Bürgerpflicht: Den jährlichen Einsatz in einem Geschworenengericht.

Nun ist es zwar so, dass ich kein amerikanischer Bürger bin; das allerdings weiß der Staat Kalifornien nicht. Das Sozialversicherungsamt kennt mich als Ausländer, ebenso wie das Department of Homeland Security und die Steuerbehörde, in deren Registern ich überall verzeichnet bin. Aber für das Aufgebot der Juroren benutzt der Staat Kalifornien die Datenbank der Führerschein-Inhaber vom Departement for Motor Vehicles. Was durchaus Sinn macht - es handelt sich um dies eine Dokument, ohne das wohl kein Amerikaner leben kann.

Weil allerdings auch dem Gericht klar ist, dass es sich dabei keineswegs nur um Amerikaner handelt, bietet die Rückseite des Aufgebots eine ganze Liste von Optionen, mit denen sich ein Subjekt aus der vaterländischen Pflicht der Wahrheitsfindung befreien kann: z.B. wenn es über einen fremden Pass verfügt oder aufgrund einer Vorstrafe seine Bürgerrechte verloren hat; wenn es des Englischen nicht mächtig, geistig minderbemittelt oder ganz einfach verstorben ist. Bitte hier ankreuzen.

Ich habe mich für die erste Option entschieden. Aber dem Vernehmen nach nützt das nur bedingt: ich werde, hat mir heute die langjährige DRS-Korrespondentin in San Francisco, Susanne Brunner, versichert, wahrscheinlich alle 12 Monate das gleiche Aufgebot erhalten.

Angesichts solcher Zuverlässigkeit staatlicher Datenbanken frage ich mich jetzt natürlich insgeheim, ob es weise war, sich freiwillig bei der Steuerbehörde anzumelden.

Brauche Geek-Hilfe

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304.JPGHilferuf in eigener Sache (wie so ziemlich alles hier, eigentlich) an alle Softwareingenieure und sonstigen Nerds, die besser drauskommen als ich: Ich brauche Hilfe, um endlich bei Technorati aufzutauchen. Wie ich bereits hin und wieder mit stolz geschwellter Brust bemerke, ist diese ganze Webseite auf meinem eigenen Mist, sprich aus meinen kümmerlichen Programmierkenntnissen gewachsen. Das Zeug läuft auf PHP-Scripts mit hinterlegten MySql-Datenbanken.

Und Technorati kann damit offenbar nichts anfangen.

Nun ist es zwar nicht so schwierig, mit Technorati-Gründer Dave Sifry einen Kaffeeklatsch zu haben, aber seine angeblich so hilfsbereiten Techniker melden sich allen Hilferufen zum Trotz nie bei mir.

Wenn ich versuche, Technorati anzupingen, kriege ich zwar die Bestätigung mitsamt meiner Blog-Adresse - aber einlesen tut Technorati mein Zeug nicht. Was fehlt? Muss ich irgendwelche Kommentar-Tags in den Quellcode einbauen, muss der inhalt XML-formatiert sein oder was? Dann wiederum - das alles ist bei Wordpress im Quellcode auch nicht der Fall, also wie erkennt Technorati, dass es mein Blog gibt und welche Bestandteile es hat?

Was muss ich tun…?

Herzlichen Dank für jegliche Hinweise hier als Kommentar oder noch besser per Mail an mich (ps Affenschwanz swissreporter.ch) oder noch besser per skype oder Telefon.

Gedankensex

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Ich habe drüben auf der medienlese den dritten Teil einer Serie über Journalismus und Blogger gepostet - Stan James hat mir eine grossartige Methapher geliefert für das, was Journalismus im Zeitalter des Web 2.0 zunehmend sein müsste: Mem-Sex.

300.JPGWas ist das schlimmste, was ein Mann im wilden Westen tun kann? Mit der Frau eines Freundes schlafen. Das gilt sogar - oder grade - im moralisch und politisch ach so offenen San Francisco (sofern der Gatte der Geliebten nicht eingeweiht oder beteiligt war, heisst das).

Das erfährt jetzt grade der politische Strahlemann Gavin Newsom, der Filmstar unter den demokratischen Nachwuchspolitikern in der Bush-Nation (mit guten Kontakten nach Zürich). Mit einer Mischung aus Charme und eleganter Arroganz, persönlichem Luxusleben und sozialem Engagement, politischem Erfolg und homöapathischen Dosen von Selbstkritik oder gar Fehlereingeständnissen hat sich San Franciscos Bürgermeister einen Beliebtheitsgrad von 70 Prozent erarbeitet. Nicht zuletzt bei den Frauen: Ich habe noch keine getroffen, die «Gavin» nicht «hot» findet. Noch etwas heisser macht ihn der Umstand, dass er theoretisch zu haben ist, seit sich seine TV-prominente Frau vor rund vier Jahren von ihm hat scheiden lassen. Affären mit einer Scientology-Schauspielerin und einer angebblich unter 21jährigen werden dem 39Jährigen nicht nur verziehen, sondern steigern seinen gesellschaftlichen Wert: Der Mann kriegt immer, was er will. Dass er es bisweilen mit der Arbeit nicht so genau nimmt und statt an der grossen Bürgermeister-Konferenz in Washington lieber zehn Tage in Davos abhängt, angeblich am WEF, das allerdings erst nach seiner Abreise offiziell eröffnet wurde; dass er sich im Privatjet der Google-Gründer dahin fliegen lässt (das war vergangenes Jahr), obwohl die Firma grade um die Zulassung als Anbieterin des Gratis-Funkinternets in ganz San Francisco kämpft - das entlockt den Franziskanern kaum ein Achselzucken.

Dass ihn ausgerechnet ein Sex-Skandal im Wahljahr in Schwierigkeiten bringen könnte, daran hat wohl niemand geglaubt: Solche Geschichten regen die Amerikaner im Bible-Belt auf, aber doch nicht die Hippies am Golden Gate, wo eine Mentalität vorherrscht, welche die Republikaner in Washington inzwischen hasserfüllt «San Francisco Values» nennen.

Aber als am Mittwoch zunächst der Rücktritt des Kampagnen-Leiters Alex Tourk «aus persönlichen Gründen» bekannt wurde und kurz darauf deren Natur - Tourks Frau Ruby Rippey-Tourk hatte ihm eine Affäre mit Newsom von vor drei Jahren gestanden, als sie dessen Sekretärin gewesen war - kippte die Stimmung.

Jedenfalls berichten das jetzt die Medien. Und die Kolumnisten wissen auch, wieso. Sex ist kein Problem, und Affären eigentlich auch nicht. Aber eine Sex-Affäre mit der Frau des besten Freundes und Beraters - wiederum: hinter dessen Rücken - das mögen die Wähler (männliche Form explizit gewählt) in San Francisco «dem Gavin» nicht verzeihen. Die Leserbriefmailbox und der Beantworter der Chronicle-Redaktion sei beinahe geplatzt von empörten Zuschriften aus Männerhänden, sagt Kolumnist CW Nevius: Einem Mann, der sich mit der Frau seines besten Freundes einlässt, ist nicht zu trauen. Es ist der Bruch mit dem Männercode, lässt sich Nevius erklären, der die Wähler aufrüttelt. Politische Lügen sind demnach in Ordnung, private Lügen weniger, und der Betrug eines persönlichen Freundes mit dessen Frau ist inakzeptabel.

Den Frauen hingegen, deckt Nevius auf, ist die Geschichte einerlei - wenn sie nicht sogar noch mehr zum «Hottie»-Image «des Gavin» beiträgt. Eine Anruferin habe gar festgehalten, Alex Tourk solle es doch als «Kompliment auffassen, dass seine Frau solch schmeichelhafte Aufmerksamkeit wert ist.»

Autsch.