Was ist das schlimmste, was ein Mann im wilden Westen tun kann? Mit der Frau eines Freundes schlafen. Das gilt sogar – oder grade – im moralisch und politisch ach so offenen San Francisco (sofern der Gatte der Geliebten nicht eingeweiht oder beteiligt war, heisst das).
Das erfährt jetzt grade der politische Strahlemann Gavin Newsom, der Filmstar unter den demokratischen Nachwuchspolitikern in der Bush-Nation (mit guten Kontakten nach Zürich). Mit einer Mischung aus Charme und eleganter Arroganz, persönlichem Luxusleben und sozialem Engagement, politischem Erfolg und homöapathischen Dosen von Selbstkritik oder gar Fehlereingeständnissen hat sich San Franciscos Bürgermeister einen Beliebtheitsgrad von 70 Prozent erarbeitet. Nicht zuletzt bei den Frauen: Ich habe noch keine getroffen, die «Gavin» nicht «hot» findet. Noch etwas heisser macht ihn der Umstand, dass er theoretisch zu haben ist, seit sich seine TV-prominente Frau vor rund vier Jahren von ihm hat scheiden lassen. Affären mit einer Scientology-Schauspielerin und einer angebblich unter 21jährigen werden dem 39Jährigen nicht nur verziehen, sondern steigern seinen gesellschaftlichen Wert: Der Mann kriegt immer, was er will. Dass er es bisweilen mit der Arbeit nicht so genau nimmt und statt an der grossen Bürgermeister-Konferenz in Washington lieber zehn Tage in Davos abhängt, angeblich am WEF, das allerdings erst nach seiner Abreise offiziell eröffnet wurde; dass er sich im Privatjet der Google-Gründer dahin fliegen lässt (das war vergangenes Jahr), obwohl die Firma grade um die Zulassung als Anbieterin des Gratis-Funkinternets in ganz San Francisco kämpft – das entlockt den Franziskanern kaum ein Achselzucken.
Dass ihn ausgerechnet ein Sex-Skandal im Wahljahr in Schwierigkeiten bringen könnte, daran hat wohl niemand geglaubt: Solche Geschichten regen die Amerikaner im Bible-Belt auf, aber doch nicht die Hippies am Golden Gate, wo eine Mentalität vorherrscht, welche die Republikaner in Washington inzwischen hasserfüllt «San Francisco Values» nennen.
Aber als am Mittwoch zunächst der Rücktritt des Kampagnen-Leiters Alex Tourk «aus persönlichen Gründen» bekannt wurde und kurz darauf deren Natur – Tourks Frau Ruby Rippey-Tourk hatte ihm eine Affäre mit Newsom von vor drei Jahren gestanden, als sie dessen Sekretärin gewesen war – kippte die Stimmung.
Jedenfalls berichten das jetzt die Medien. Und die Kolumnisten wissen auch, wieso. Sex ist kein Problem, und Affären eigentlich auch nicht. Aber eine Sex-Affäre mit der Frau des besten Freundes und Beraters – wiederum: hinter dessen Rücken – das mögen die Wähler (männliche Form explizit gewählt) in San Francisco «dem Gavin» nicht verzeihen. Die Leserbriefmailbox und der Beantworter der Chronicle-Redaktion sei beinahe geplatzt von empörten Zuschriften aus Männerhänden, sagt Kolumnist CW Nevius: Einem Mann, der sich mit der Frau seines besten Freundes einlässt, ist nicht zu trauen. Es ist der Bruch mit dem Männercode, lässt sich Nevius erklären, der die Wähler aufrüttelt. Politische Lügen sind demnach in Ordnung, private Lügen weniger, und der Betrug eines persönlichen Freundes mit dessen Frau ist inakzeptabel.
Den Frauen hingegen, deckt Nevius auf, ist die Geschichte einerlei – wenn sie nicht sogar noch mehr zum «Hottie»-Image «des Gavin» beiträgt. Eine Anruferin habe gar festgehalten, Alex Tourk solle es doch als «Kompliment auffassen, dass seine Frau solch schmeichelhafte Aufmerksamkeit wert ist.»
Autsch.