Archiv für den Monat: November 2006

Warum ich beim Spammer einkaufe

286.jpgIch freue mich. Grade habe ich per Email einen künstlichen Tannebaum von 4 Metern Höhe für sagenhafte 299 Euro statt der im Handel üblichen 799 Euro bestellt.

Den Vergleich zum Schnäppchenpreis kenne ich nur, weil der freundliche Herr Noll mich in seiner Email mit dem sagenhaften Angebot darauf afmerksam gemacht hat. Überhaupt hat er sich sehr viel Mühe gegeben mit der Mail. Er hat sie an eine meiner Adressen verschickt, die nur kryptisch hier auf der Webseite zu finden ist, wo er sie also sorgfältig von hand abgeschrieben haben muss. Und dann ist er so nett, mir dennoch aus dem fernen Russland sein Angebot zu unterbreiten, auf das ich nur grade per Mail reagieren kann muss, und schon kriege ich den Textil-Tannebaum geliefert.

Weil das alles ohne Unterschrift geht und ein 8tägiges Rückgaberrecht besteht, habe ich eins der Bäumlein bestellt. Kann sein, dass ich bei der Eingabe der Postadresse nicht ganz so sorgfältig war wie Herr Noll.

Und es kann sein, dass ich nächstens mal ein paar Minuten meiner Zeit für das Verfassen eines Scripts investiere, das den innovativen Geschäftsmann von einem meiner Webserver aus mit wechselnden Email-Absendern im Sekundentakt mit Bestellungen eindeckt, wobei auch das Script nicht ganz so sorgfältig mit Postadressen umgehen wird.

Und vielleicht kommen ein paar andere Empfänger dieser netten Verkaufsmails auf ähnliche Ideen.

es soll auch schon Leute gegeben haben, die ihre Mailserver mit einer Umleitung sämtlicher Spams auf eine der Bestelladressen bestückt haben.

Das finde ich aber viel weniger nett als die Bestellungen, an denen sich Herr Noll doch bestimmt erfreut, auch wenn er vielleicht die eine oder andere aussortieren muss. Spielgeld zählen macht doch auch Spass, obwohls nichts wert ist, oder?

Also. Bestellen kann man mit diesem Text: (Copy, paste)

Betreff:

Bestellung von exklusiven kuenstlichen Koenigs-Tannen in folgenden Hoehen:

Wir bestellen folgende Kunst-Tannen verbesserter Spitzenqualitaet an folgende Adresse zzgl. nur 8 EUR Porto per Baum (Umtauschrecht 8 Wochen bei Nichtgefallen):

Folgende Hoehen und Anzahl: (einfach formlos eintragen)

Tannenbaum 1,50 Meter nur 59,- __ St.

Tannenbaum 1,80 Meter nur 69,- __ St.

Tannenbaum 2,10 Meter nur 89,- __ St.

Tannenbaum 2,40 Meter nur 129,- __ St.

Tannenbaum 2,70 Meter nur 159,- __ St.

Tannenbaum 3,00 Meter nur 199,- __ St.

Tannenbaum 3,60 Meter nur 239,- __ St.

Tannenbaum 4,00 Meter nur 299,- __ St.

An folgende Anschrift (Name, Firma, Adresse und evtl. Umsatzsteuernummer angeben:

oder einfach hier klicken, aber bitte gut nachdenken, welchen Absender man benützt (Vielleicht verschickt man diese Mail besser aus einem anonymen Webmailer-Account?)Hier mit Klick verschicken

oder auf all diesen Adressen:

directs@bk.ru

versandorder@mail.ru

newsstorno@bk.ru

Lasst uns den freundlichen Versandhändlern eine Freude machen!

Bei den Löwen der See

285.jpgDas hier bin ich meinen drei Lesern noch schuldig: Der Ausflug zu den Farallon-Inseln 20 Meilen westlich von SAn Francisco war ein Erlebnis. Ich habe zwar die einzige Attacke eines Weissen Hais, die es an diesem Tag zu sehen gab, verpasst. Das ist aber, angesichts all dessen, was es zu sehen und zu lernen gab, ziemlich wurscht. In einer Szenerie wie aus Jurassic Parc Hunderte von Seelöwen, Furseals, Seelefanten, Delphinen, Pelikanen, Kormoranen und Dutzenden anderer Arten in freier Wildbahn zu beobachten, ist unbeschreiblich. Die Geschichten der Forscher sind eigene Bücher wert. Und die Fotos, naja, ich bin nicht glücklich, aber zufrieden damit.

Auf zu den weissen Haien

Was hier wie klassisches Blogfading aussieht, ist in Tat und Wahrheit das Gegenteil: Ich habe mehr gebloggt diesen Monat denn je. Allerdings, wie dem untenstehenden Methusalem-Beitrag zu entnehmen ist, eben nicht mehr auf meiner Site, sondern bei Blogwerk. Und ja, ich werde dafür bezahlt.

Heute hätte ich eigentlich an der Podcaster-Konferenz podcampwest teilnehmen wollen, aber irgendwie sind mir ein paar Dinge dazwischen gekommen. Das Erstaunlichste daran ist, wie träge bisweilen mein Beurteilungsvermögen arbeitet. Als mir eine Freundin diese Woche nämlich angeboten hat, mit einer ihr bekannten Meeresbiologin Haie zu beobachten, habe ich zunächst abgesagt: Ich hatte mich schon für die Podcaster-Konferenz angemeldet.

Und erst als ich das Telefon aufgehängt habe wurde mir klar, dass in San Francisco noch viele, viele Geek-Seminare stattfinden werden, aber (zumindest in diesem Jahr) keine Forschungsexpedition zu den Farallon-Inseln, die Weisse Haie untersuchen soll (tatsächlich werden auch davon noch viele stattfinden – aber nicht mit mir an Bord!). Aber ich habe dennoch gleich nach dem Aufhängen das Telefon wieder zur Hand genommen und Leticia nochmals angerufen, sie soll mich UNBEDINGT auf das Forscher-Schiff lotsen.

Jedenfalls hats geklappt und ihn sieben Stunden bin ich mit einer Horde Wissenschafter und andern Verrückten auf dem Weg zu den Weissen Haien Kaliforniens. Und wenn wir nichts finden, habe ich immerhin den Kontakt zu den massgebenden Leuten geknüpft.

Und darüber musste ich zweimal nachdenken? Manchmal kenne ich mich selbst nicht mehr.

Später mehr und hoffentlich ein paar Bilder.