Archiv für den Monat: Oktober 2006

Blogwerk/" title="Permanentlink zu Auf Wiedersehen bei Blogwerk" rel="bookmark">Auf Wiedersehen bei Blogwerk

283.jpgEs war nicht der ideale Einstand: Zwar ist mein erster Beitrag für den Blogging-Verlag Blogwerk in der Rubrik «neuerdings» binnen wenig mehr als einer halben Stunde woanders aufgegriffen worden – aber leider hatte neuerdings das Dings bereits abgehandelt.

das erinnert mich an meinen Anfang beim Berner «Bund»: Ich hatte 1996 grade das Angebot für eine Stelle auf der Inlandredaktion angenommen und war zu Besuch bei meiner Freundin in New York, als mich die Mitteilung erreichte, dass meine grosse Geschichte über einen Holländischen Arzt, der via Internet den Vergewaltiger seiner Frau ausfindig gemacht haben wollte, kurz nach der Veröffentlichung geplatzt war – der Mann hatte mich in stundenlangen Recherchegesprächen brandschwarz angelogen, und ich hatte keine weitere Quellenüberprüfung vorgenommen, weil ich um den Primeur fürchtete…

Jedenfalls werde ich ab sofort bei «neuerdings» und in der «medienlese» Beiträge veröffentlichen, was meine Aktivitäten hier zwar nicht ein-, aber doch auf einen Themenkern be- schränken wird: Ganz dem Blog-Ideal entsprechend werde ich versuchen, noch mehr aus der Schule und über meine persönlichen Erfahrungen als Freier Journalist zu berichten. Alle weniger persönlichen Medien- und Gadget-Geschichten stehen ab sofort bei Blogwerk.

Und in das einfache Leben in Kalifornien versuche ich ja immer mal wieder im Tagebuch eines Alien etwas Licht zu bringen.

Ich hoffe, Ihr bleibt dran.

Voyeure!

282.jpgNoch ein persönliches Feedback zum Harddisk-Artikel, der am Montag im Tagi erschienen ist: Eine Leserin wirft mir nicht ganz zu unrecht vor, die Szene mit der Sekretärin, die sich aus technischen Gründen inmitten aller Ingenieure ihrer Strumpfhose entledigt (Details im Text) sei ein voyeuristischer Einstieg. Das ist richtig, aber der Trick, Sie in ein technisches Thema rein zu ziehen, hat doch funktioniert – oder nicht?

Journalismus ist ein Handwerk. Ich bin nicht glücklich darüber, dass ob all der «Teaser» in der Medienlandschaft Inhalte immer öfter mit derlei Techniken «verkauft» werden wollen. Aber eine gute Geschichte ist eine gute Geschichte, und wenn die Historie einer derart wichtigen Erfindung wie der Harddisk sich mit so vielen schönen Anekdoten illustrieren und sich damit ein paar zusätzliche Leute für das zentrale Thema interessieren lassen, dann wäre es verfehlt, den alten Kniff (ein knackiges Zitat macht IMMER einen guten Einstieg – das gilt wohl auch für Voyeurismus) nicht anzuwenden.

Zentraler Punkt des Artikels ist, dass unsere unverzichtbare Speichertechnologie aus den Fünfzigerjahren stammt und unter Umständen entstanden ist, die wir heute belächeln – obwohl die mittlerweile zu Tausenden forschenden Spezialisten in den hochmodernen Labors noch nichts Effizienteres gefunden haben.

Allerdings macht mir die Leserin auch mehr zum Vorwurf, dass ich die junge Dame, deren Strip (der keinerlei Tease war) einen wichtigen Beitrag zu dieser monumentalen Erfindung darstellte, nicht namentlich würdige. Tatsächlich ist mir genau dieser Gedanke beim Verfassen des Artikels auch durch den Kopf gegangen, aber leider fehlte die Zeit für die kleine Zusatzrecherche.

Etwas pikiert hat mich dann allerdings die Frage, woher ich die Details der geschilderten Anekdoten kenne, wo doch in den einschlägigen Dokumenten im Web nichts dergleichen zu finden sei.

Allen handwerklichen Tricks zu Trotz: Ich halte die unmittelbare Recherche, den Blick auf die Originalschauplätze als Stellvertreter der Leserschaft und das Gespräch mit Zeugen für die absolut unersetzliche Grundlage meiner Arbeit. Sie sind ausserdem das grossartige Privileg dieses Berufes, der mir erlaubt, meine Nase in Dinge zu stecken und mich mit Leuten zu unterhalten, mit denen ich ansonsten nicht in Kontakt käme. Ich wage zu behaupten, dass diese Nähe zum Thema – oder ihr Mangel – jedem Text anzuspüren ist.

Genau deswegen wird dieser Beruf sich allen aktuellen Trends und der unseligen Gleichsetzung mit «News» zum Trotz allenfalls wandeln, aber er wird nicht obsolet. Seelenlose Texte, Filme oder Audiodateien vermögen uns die wahre Welt genauso wenig nahe zu bringen wie Excel-Tabellen und statistische Kurven.

Die Anekdoten über das Entwicklerteam des RAMAC habe ich direkt von Bill Crooks, dem zweiten Ingenieur, den Johnson beim Aufbau seines Teams 1952 angestellt hatte. Er ist heute 82 Jahre alt und ein wunderbarer Erzähler. Hätte das Gespräch nicht unmittelbar vor einer grösseren Reise stattfinden müssen, ich wäre unbedingt die 200 Meilen der kalifornischen Küste entlang rauf gefahren in die Nähe von Mendocino, wo er heute lebt, unerstattete Autospesen hin oder her: Solche Gesprächspartner persönlich zu besuchen ist kein Luxus, sondern Verpflichtung – denn sie sind ein Teil der Geschichte. Hätte ich diese Verpflichtung erfüllt, ich wüsste heute auch den Namen der Sekretärin.

Aber vielleicht erfahre ich ihn noch. Denn ich habe Crooks versprochen, ihn gelegentlich zu besuchen. Er hat mich gebeten, bei dieser Gelegenheit den Tagi-Artikel mitzubringen – Email und das Internet benutze er nur selten: «Das alles nimmt mir die Zeit weg, und ich habe besseres zu tun. Gestern zum Beispiel sass ich den ganzen Tag am Strand und habe den Pelikanen zugeschaut, die vorbeigeglitten sind. Es waren 146, die meisten davon in perfekten V-Formationen.»

Postkartenbilder, die Zweite

281.jpgAuf meiner Seite «Panorama» hat sich trotz des Versprechens, den NY-SF-Töfftrip nächstens mal ausgiebiger fotografisch zu dokumentieren, seit langem nichts mehr getan.

Inzwischen bin ich aber dran, das Ding zu einem echten Fotoalbum und possibly zu einem Shop für Stock-Fotos auszubauen.

eine erste Serie Kitschbilder aus der Schweiz von voriger Woche findet sich hier – für feedbacks und Anregungen via Mail oder als Kommentare wäre ich dankbar. (Wer obiges Werk als nostalgische 70er-Jahre Foto- Tapete haben möchte, zum Beispiel, soll mir das doch sagen – dann schaff ich mir einen Plotter an…)

Second Life und Roboter

279.jpgIch hatte heute das ausserdordentliche Vergnügen eines ausgedehnten Kaffeeklatsches mit Paul Saffo, dem renommiertesten Zukunftsforscher im Silicon Valley – in einem Starbucks, dessen Standort ich ihm hoch und heilig nicht auszuplaudern versprechen musste, «weil es das einzige ist, das die Venture Kapitalgeber von der Sand Hill Road noch nicht als geheimen Sitzungsort entdeckt haben.»

Paul hat mir übrigens zwei (allerdings längst bekannte) Tipps über die beiden nächsten grossen Dinger überlassen: das Cyberspace-Paralleluniversum «Second Life» und persönliche Roboter. Dann haben wir noch ein bisschen über Fotografie geplaudert, während ich versucht habe, ein paar Shots von ihm zu machen, und der Mann hat schon fast unwillkürlich die Brille abgenommen, sobald ich den Blitz hochklappte – er ist selber Fotograf und Journalist und mag verspiegelte Augen auch nicht – und ich schätzte mich glücklich, ihn über das neue Nikon 18-200 VR-Objektiv zu unterrichten, das ich mir nicht leisten kann, weil es Listenpreis 800 Dollar kostet und aufgrund von Lieferengpässen auf Ebay inzwischen für 1100 Dollar gehandelt wird.

Jedenfalls bin ich immer wieder aufs Positivste überrascht über die erstaunliche Herzlichkeit und Geduld grade der bekanntesten Silicon-Valley-Grössen (Steve Jobs mal ausgenommen) in derlei Gesprächen.

Muss an der Sonne liegen. Oktober ist der wahre Sommer in der Bay Area: Seit Tagen herrschen sogar in San Francisco tagsüber 25 Grad bei strahlender Sonne und keinerlei Brise vom kalten Pazifik.

Das Bild ist übrigens auf meiner neuen D200 mit Standard 18-80mm Nikkor bei ISO 100, 70mm, 1/60s und Blende 4,5 entstanden.

Tolle Neurungen, alte Ärgernisse

278.jpgGanz stolz verkündet der grösste Schweizer Provider, der im Frühling mit massiven Pannen die Kunden verunsichert und danach von ihnen gerne die Verwaltung der Domains übernommen hätte, dass er endlich die Speicherkapazität seiner teuren Hosting-Angebote auf ein zeitgemässes Niveau anhebt (10 Gigabyte statt 500 Megabyte für 10 Franken im Monat – das Zehnfache davon für den halben Preis gibts hier).

Toll. davon haben all jene nicht viel, die wie ich langsam aber sicher den Zugang zum Administrations-bereich der eigenen Webseite als Glücksspiel empfinden: Allzu häufig erscheint auf die Eingabe von ID und Passwort nur nebenstehende Fehlermeldung. Mit meinen selber programmierten Schnittstellen kann ich zwar noch meine Webseite anpassen, aber für den Zugriff auf die MySQL-Datenbanken baue ich üblicherweise gern auf die (bei Hostpoint seit Monaten grafisch verkorkste) phpMyAdmin-Seite.

Offenbar bezahlen die Hostpoint-Kunden den etwas akzeptableren Speicherplatz übrigens mit einer Reduktion des Supports. Inzwischen scheinen die Techniker nämlich nicht mehr 24 Stunden, sondern nur noch bis 18 Uhr (in der Schweiz, was mir leider nichts nützt) zu arbeiten. Was für mich kaum eine Rolle spielt, denn über die ach so tollen lokal-Tarif-Nummern sind sie aus dem Ausland eh nicht zu erreichen…

Immerhin: Die Spamfilter bei Hostpoint arbeiten besser als alle andern. Fragt sich, ob saubere Email mehr wiegt als der Verlust über die Kontrolle der eigenen Webseite.

Truly Unique

277.jpgAlles in allem hat mich das Schweizer Transportwesen während meines zweiwöchign Heimaturlaubs durchaus beeindruckt, und nicht nur, weil ich im Südtirol in Glurns die erfolgreiche Invasion Schweizer Postautos beobachten konnte (endlich ist klar, weshalb die Dinger abgerundete Oberkanten haben).

Die Krönung war ein Tag, der in Basel begonnen hatte, mich per 4-Tages-Generalabo nach Bern zum Lunch, von dort nach Zürich zum Kaffee, weiter nach Luzern zum Nachtessen und spätabends wieder “heim” nach Basel führte.

Ein einziges Ärgernis hingegen war die ursprüngliche Ankunft in der Schweiz, ebenso wie die Abreise. Zum ersten Mal kam ich in den zweifelhaften Genuss des «Dock Midfield» auf dem einzigartig unausprechlichen Flughafen «Unique». Vom Flugzeug aus sorgt der Kasten mitten im Nichts zunächst dafür, dass der Flughafen genau nach dem aussieht, was er ist: Provinz. Die Warterei inmitten der Passagiere auf einen Platz im Bähnli, das einen unterirdisch ins Hauptgebäude bringt, setzt dem Erlebnis nach 12 Stunden Flug eine Schlechte- Laune- Kappe auf.

Weit schlimmer aber war es bei der Abreise: Startzeit 11.10 Uhr, der Boardingpass zeigt 9.30 Uhr als Boardingtime? Ungläubig kehrt der Amerikaner, der vor mir am Check- In stand, an den Schalter zurück: 90 Minuten lang boarden?

Nachdem ihm erklärt wurde, dass die Bähnlifahrt ins Dock Mittelfeld halt länger dauern kann und die Fluggäste deswegen mit einer verfrühten Boardingzeit zur Abreise aus dem Shoppingparadies am Festland in den fast verwaisten Betonkasten inmitten der Pisten gescheucht werden, verliess der Mann kopfschüttelnd den Schalter. «Truly unique!» hätte der Mann murmeln können (Hat er aber nicht. Es war etwas sehr viel weniger schmeichelhaftes.) Wenigstens schien er, im Gegensatz zu dem Auslandschweizer gleich hinter ihm, nicht zu wissen, dass der Flughafen die vermeintliche «Coolness» des Insel-Docks auf Kosten der Bequemlichkeit zweier Terminals unmittelbar hinter den Schaltern durchgestiert hat.

Immerhin hilft die Flughafenverwaltung wehmütig Abreisenden auf die Sprünge. Nach der Jodel- und Kuhmuh- Beschallung im Bähnlein zum Dock wird der Einstieg ins Flugzeug nämlich zur Befreiung.

Ferien im Moos

275.jpgDas Münstertal ist noch immer, was es für mich seit je her symbolisiert hat: Die heile Welt. Und irgendwo im Prättigau werden die Touristen jetzt tatsächlich schon mit einem entsprechenden Willkommensschild begrüsst – in der heilen Welt.

Ich sitze im Moos und hab kaum Internet – Zugriff. Herrlich!

Postkartenwanderungsimpressionen

276.jpgLai da Rims, 2500 Meter über Meer. Ich hab vergessen, dass ich erstens nicht mehr der Fitteste bin und zweitens seit zwei Jahren auf 63 Metern lebe. Der Aufstieg war anstrengend, der Abstieg mörderisch, die Bilder wie immer unvergleichlich.

Man betrachte diesen Eintrag bitte als Postkarte. Ich verschicke nichts mehr auf Papier!

TV-Vampire

274.JPGNach einer späten Heimkehr habe ich gestern abend einen Kulturindikator entdeckt, der den Mentalitätsunterschied zwischen USA und Europa wunderbar illustriert: Das TV-Programm im den After-Hours. Während nach 11 pm in San Francisco auf allen Kanälen Superreiche Genies ihr unfehlbares Programm zum reich werden über Nacht anpreisen (Immobilien/Börsenprogramme/Vitaminverkauf), preisen hier junge Damen ihre Telefonnummer an – die einen unbekleidet, die andern in Verbindung mit dem Versprechen von Sofortgewinnen und absolut idiotischen Wettbewerbsfragen (Anruf kostet 49 Cent).

Sex und Spiele vs Moneymaking Schemes.

Auf Pro 7 waren allerdings die beiden Moderatorinnen einer unterbelichteten Gameshow nahe der Hysterie – sie hatten 500 Euro zu verschenken (bilden Sie zwei Tiernamen aus dem Wort “Tigerschlange”), aber kein Mensch rief an – kein Mensch guckte zu. Niemand! Keiner! Kein Countdown half, kein Brüllen nützte, und einen Moment lang sah es aus, als würde sich die Brunette zu irgendwelchen Radikalitäten hinreissen lassen, bloss um zu sehen, ob wirklich niemand zuschaut: “Gibts grad irgendwas spannendes am Fernsehen? um drei Uhr morgens?! Nein, es gibt nichts spannenderes als zwei bekleidete Mädchen, die Geld verschenken. Ruft endlich an!”

Aus der Schweiz ist das Studio allerdings nicht erreichbar.

Sechs Schnitzel, 21 Franken?

Das Schweizer Leben hat mich wieder – für eine kurze Zeit spiele ich pendler zwischen Basel und Zürich, Bern und Luzern, geniesse den regen (sowas kennen wir ja nicht in San Francisco – jedenfalls nicht zwischen April und Dezember – , staune noch immer darüber, dass man zwar im Zug nicht mehr, aber sonst immer noch überall rauchen darf, dass die Züge pünktlich sind und sechs Schweinsschnitzel 21 Franken kosten. Dafür kriegte ich in San Francisco ein halbes Kalb.

Aber wenigstens ist auch die Funknetzdichte in Zürich fast so hoch wie am Golden Gate. Und verschlüsselt ist immer noch nur die Hälfte…