Archiv für den Monat: August 2006

Fotosession mit dem Blöker

243.jpgEr ist nicht nur ein talentierter Schreiber (obwohl eigentlich von Haus aus Radiojournalist): Blogger (oder eben Blöker), Web- Meister und -Redaktor Andi Jacomet (nein, eben nicht Schaggomee!)hat auch ein gutes Auge für nette Fotos. Und weil mich grad einer meiner Arbeitgeber um ein frisches Porträtbildli gebeten hat und ich sowas nur ungern vorm Spiegel von mir selber anfertige, habe ich Andis Besuch in San Francisco zum Anlass genommen, ihn für Frondienste als Fotograf zu missbrauchen.

Die Session in den Streets of San Francisco hat richtig Spass gemacht. Andi wurde als Stand-in und gleich darauf als Fotograf missbraucht (und kriegt hier nicht mal einen Credit!), wobei er mich ziemlich gedemütigt hat, indem seine Bilder von mir allesamt besser sind als diejenigen, die ich von ihm angefertigt habe…

Her mit den Karten!

242.jpgIn den USA ist es nichts besonderes, ein vorgestern gekauftes Gerät heute kommentarlos zu retournieren. Deshalb habe ich mir heute einen Visitenkarten-Scanner geleistet, in der ziemlich festen Überzeugung, das Ding morgen zurückzubringen: Das kann ja nicht funktionieren. Aber einen Versuch ists wert; der Stapel von gegen hundert Karten auf meinem Schreibtisch geht mir nämlich langsam auf die Nerven.

Jedenfalls habe ich die Verpackung im Hinblick auf die morgige Rückgabe sorgfältig geöffnet, und den Zettel mit der Versicherung “Zufriedenheit oder Geld zurück” lächelnd zur Kenntnis genommen.

Fünf Minuten später war ich nur noch erstaunt. Der Scanner wird per USB angeschlossen und bezieht auch seinen Strom über das Standard-Kabel; er hat keinerlei Knöpfe oder sonstige Bedienelemente und frass die erste Karte nach drei Minuten Installationsaufwand.

Das Resultat ist verblüffend: Aus jeglichem Schriftensalat und all den andern Schweinereien, mit denen die meisten Leute ihre Business- Cards unlesbar zu machen versuchen oder einfach nur die Telefonnummer möglichst gut verstecken, filtert der kleine Kartenfresser mit unglaublicher Präzision die relevanten Daten, jagt sie durch die Zeichenerkennung und plaziert sie in den richtigen Adressfeldern. In der Anwendung, die mit dem Scanner geliefert wird, wird zum Datensatz immer auch das Bild der gescannten Karte angezeigt, so dass Korrekturen auch dann möglich sind, wenn die Karte schon im Altpapier liegt. Aber Korrekturen sind in den wenigsten Fällen nötig.

Fünf Minuten nach der Einrichtung hatte ich 73 neue Adressen auf meinem Rechner – der Scanner hat zwar keinen automatischen Einzug, frisst aber die eingeschobenen Karten nahtlos und braucht für jeden Scan (gestoppte!) zweieinhalb Sekunden. Die Software nimmt all die Bildchen entgegen und verarbeitet sie in einem Affentempo en bloc.

Und dann exportiert sie die Daten nicht nur in fast jedes andere Adressprogramm (Outlook und Palm in meinem Fall), sondern sie SYNCHRONISIERT die Datenbestände. Auch das funktioniert praktisch auf Knopfdruck.

Und schliesslich bringt der kleine Tausendsassa eine Anwendung im Internet mit, die zwar datenschützerisch bedenklich, aber für Büroarbeiter ein Traum ist: Nach einem Export der Adressen in den Online-Service von CardScan verschickt dieser alle fünf Monate eine Email an sämtliche enthaltenen Kontakte und bittet um allfällige Korrekturen.

Google würde sich ob dieses Visitenkarten-Soziogramms wohl die Finger lecken, und CardScan versichert, die Daten niemandem zur Verfügung zu stellen – ausser den Gesetzeshütern, wenn sie gute Gründe haben…

Ich finde, der kleine Klotz ist jeden der 149 Dollar wert, die ich dafür hingeblättert habe. Das Gerät funktioniert nicht nur, es ist insgesamt so designt, wie man sich das wünscht: funktional durchdacht und intuitiv bis in die hinterste Ecke der Software.

Ausgewiesen!

Eugene Robinson hat seine erste Ausweisung erlebt – aus Kuba, wo der Kolumnist der Washington Post wie so viele andere internationale Journalisten dieser Tage einzureisen versuchte.

Ich bin ja so dankbar, dass ich auch eines dieser Erlebnisse vorweisen kann. Mich haben allerdings nicht lächelnde Presse-Koordinatoren des Landes verwiesen; als ich 1993 von Vilnius (Litauen) per Zug nach Riga (Lettland) unterwegs war, holten mich mit Maschinenpistolen bewaffnete Lettische Grenzer aus dem Nachtzug. Ich war dem Irrglauben unterlegen, für Lettland genauso wie für Litauen kein Visum zu benötigen, weil die baltischen Staaten damals ein Grenzabkommen hatten.

So wurde ich morgens um drei am gottverlassenen, eiskalten Grenzbahnhof von Meitene (zwei Gebäude an den mit Scheinwerfern beleuchteten Geleisen) in den Posten der Grenzpolizei geführt, zusammen mit einer Reihe papierloser Menschen aus dem Osten der ehemaligen Sovjetrepubliken und zwei jungen Russen, die mir später erklärten, Deserteure der russischen Armee in Königsberg zu sein.

Ich war überzeugt, dass sich das Missverständnis bald aufklären werde – bis ich draussen den Zug abfahren sah. Die nächsten sechs Stunden bis zur Ankunft des ersten Zugs aus Riga Richtung Vilnius verbrachten wir unglücklichen Illegalen nicht in der beheizten Station der Grenzpolizei, sondern im eiskalten, halb zerfallenen kleinen Bahnhofsgebäude. Die beiden jungen Russen bearbeiteten mich, 20 Dollar für die Bestechung der Grenzer locker zu machen, worauf man uns werde laufen lassen (jedenfalls habe ich das mit meinen beschränkten Russischkenntnissen zu verstehen geglaubt).

Die Pässe hatten uns die Grenzsoldaten abgenommen. Ich kriegte meinen wieder, vom Schaffner des Zugs zurück nach Vilnius, gegen den Kauf einer Fahrkarte für rund 10 Dollar – das Fünffache des Preises, den ich in Vilnius bezahlt hatte…

In der litauischen Hauptstadt zierte nach zehn Minuten auf dem lettischen Konsulat und dreissig US-Dollar Gebühr der benötigte Stempel meinen Pass, und ich sass am Abend wieder im Zug nach Riga.

Ich bin gespannt, ob Robinson es noch nach Kuba schafft…

Hacker machen meine Jukebox brauchbar

239.jpgIch finde den iPod ja auch schmuck. Aber erstens nervt der Kopierschutz, zweitens der Preis, und drittens musste ich vor zwei Jahren etwas haben, das auch Aufnahmen erstellt.

Der iriver H340 tut dies. Er hat ausserdem ein FM-Radio eingebaut, zeigt Bilder und Videos an und ist – in der nicht-US- Version – Kopierschutzfrei. Zudem kostet nur zwei Drittel des iPod.

Dafür ist er aufgrund der idiotischen Tastenbelegung auch nach einem Jahr nicht intuitiv bedienbar, braucht zwei Minuten zum aufstarten (Himmel!) und vor allem: Ich kann im Musikbetrieb keine Playlists erstellen, sondern nur ganze Alben oder Verzeichnisse abspielen. Alles in allem ist der kleine Klotz damit jedenfalls ausser als Interview-Aufnahmegerät fast unbrauchbar.

Solches nervt auch die fröhliche Web-Gemeinde der begabten Hacker. Die haben mit der «Rockbox» ein Betriebssystem für diverse MP3-Player gebastelt, die nicht nur meine Bedürfnisse erfüllt, sondern auch die Bedienung logisch macht, das Design beliebig anpassen lässt, zwei Dutzend Zusatzprogramme und Spiele mitbringt, Playlists on the go erlaubt, einen brauchbaren Equalizer mitbringt, alle Funktionen des Geräts unterstützt, und, und und…

Ausserdem startet die Software in vier Sekunden, sie installiert sich NEBEN der originalen Firmware und lässt mich jederzeit wechseln, und, das allerbeste: Sie kostet nichts und wird fast täglich verbessert.

Das ist die Arbeit, die eigentlich von den Firmen gemacht werden müsste, die uns solche Geräte für Hunderte von Franken verscherbeln.

Ich staune immer wieder über die Freizügigkeit der OpenSource-Gemeinde. Und ich benutze in solchen Fällen jeweils den «Spenden»-Knopf und entrichte meinen Obolus per Paypal.

Übrigens habe ich grade unter den zahllosen Sprachen für die Steuerung meines Iriver «Wallissertitsch» entdeckt. Herrlich. Jetzt habe ich Optionen wie «Üffnahm» und «Läsezeichu».

Rockbox läuft auch auf dem iPod, Leute…

Erschütternde Wartungsarbeiten

236.jpgAuch diesmal bin ich erschrocken, aber mehr deswegen, weil es sich anfühlte, als ob jemand meinem Office-Sessel einen kräftigen Stoss versetzt hätte. Es ist das zweite deutlich spürbare Beben seit ich in San Francisco lebe, und bereits scheint sich die körperliche Panik-Reaktion ein bisschen abgeschwächt zu haben. Magnitude 4.4 ist allerdings nicht viel, und das Gerüttel dauerte ein paar Sekunden.

Aber wenigstens flackert seither mein Deckenlicht in der Küche nicht mehr.

Pirates of the…? MONKEY ISLAND!

235.jpgDas ist unsern Filmkritikern natürlich nicht bewusst – die haben ja ihre Jugend im Kino statt vor dem Amiga verbracht. Aber als ich mir kürzlich den Disney-Film «Pirates of the Carribean» und gleich darauf im Kino den zweiten Teil (der ärgerlicherweise in einer mehrmonatigen Werbepause bis zum release des dritten Teils endet) angeguckt habe, kam mir ständig das noch immer unübertroffene PC-Adventure «Monkey Island» aus dem Jahre 1991 (!) in den Sinn. Der Witz der Filme kann zwar nicht mit der Ironie des Spiels mithalten, aber die Charaktere, die Szenerien und die Situationen ähneln jenen der insgesamt vier Spiele doch sehr.

Irgendwo im Internet macht auch ein alter Fan darauf aufmerksam, dass dies dem Designer des Spiels, Ron Gilbert, auch aufgefallen ist, wie der in seinem Blog «Grumpy Gamer» erzählt, nicht ohne den Wink anzufügen: «Nun, Disney wird das richtige tun…». Falls er damit meint, dass der Konzern ihm irgendwelche Royalties bezahlen werde, dürfte er sich geschnitten haben.

Offensichtlich hat nämlich Gilbert mindestens so viel bei Disney geklaut, wie Disney bei Monkey Island: In alten Interviews im Netz verweist er selbst mehrfach darauf, für die Idee zu Monkey Island sei er von den Erlebnisbahnen «Pirates of the Caribbean» ind en Disney-Parks inspiriert worden.

Einfach gesagt: Der Gefängnishund mit den Schlüsseln zur Zelle im Film kam mir bekannt vor, weil er im PC Spiel ebenfalls vorkam, wo ihn Gilbert freundlicherweise «Walt» nannte als Referenz an Disney, aus dessen «Pirates of the Caribbean»-Bahn er die Idee geklaut hatte…

Alles klar?

Übrigens: Die Monkey Island-Collection ist inzwischen ein Sammlerstück. Ich hoffe, mein Göttibueb hat meine CDs mit dem «alten Pixelmist» nicht weggeworfen…