Archiv für den Monat: Juni 2006

Musikindustrie geht gegen Webcam-Filmchen vor

202.jpgDas musste ja kommen. Die Musikindustrie hat die nächste grosse Welle an Copyright- Verletzungen ausgemacht: Selbstgebastelte Internet-Videos mit Musikuntermalung wie diesen Klassiker.

Offensichtlich ist sich die Plattenindustrie (RIAA) nicht zu schade, Jagd auf die Hersteller
solcher Filmchen auf den Video- Webseiten von YouTube oder Google zu machen.

Die Kriminalisierung der Kunden erreicht damit einen neuen Höhepunkt. Während nämlich im Fall der Filesharing- Klagen gegen angebliche Musikdiebe ganz einfach die Beweislage nicht ausreichen würde, um die Verdächtigten zu verurteilen (die aber angesichts der Gerichtskosten allesamt aussergerichtlich die Sündenbockrolle übernehmen), könnten die Autoren von Playback- Musikvideos darauf pochen, dass im Rahmen von Satire das Copyright nicht geschützt ist.

Google startet Internet-Banking

201.jpgDer Krake Google holt sich noch mehr unserer heikelsten Daten: Heute startet der Konzern seinen Internet- Micropayment – Service. Gemäss New York Times heisst der Dienst «Google Checkout». Er soll den Surfern ermöglichen, für Kleineinkäufe im Netz ohne Eingabe ihrer Kreditkartennummer zu bezahlen.

Ähnliches haben andere wie Microsoft oder Yahoo zuvor schon versucht, aber der einzige Service, der den Durchbruch schaffte, ist Paypal. Das Unternehmen ist heute eine regelrechte Online- Bank, die sogar Kreditkarten ausgibt und die Bezahlung von kleineren Beträgen an jeden Inhaber einer Email- Adresse ohne wiederholtes Eingeben der Kreditkartennumemr ermöglicht. Das Auktionshaus Ebay hat Paypal im Oktober 2002 aufgekauft und inzwischen zu einem breit akzeptierten, sicheren Online-Zahlungsdienst gemacht. (Wers ausprobieren will, kann mir hier sehr gerne zu Testzwecken 5$ überweisen…)

Allerdings zwackt Paypal dem Verkäufer einen gehörigen Prozentsatz des Betrages ab, der den Besitzer wechselt. Hier will nun Google in die Bresche hauen: Wer sich seine Dienste oder Waren mit Googles System bezahlen lässt und zugleich bei Google Werbung via Adwords bucht, dem erlässt der Suchmaschinengigant laut NYT die Gebühren für den Bezahlvorgang.

Das könnte dem Newcomer im Online- Bezahldienst zum Vorteil gegenüber Paypal gereichen – oder zu einer Preissenkung bei der übermächtigen Konkurrenz führen.

So oder so dürfte Ebay jedenfalls über die Konkurrenz aus dem Partnerhaus Google, wo der Auktionsriese sehr viel Werbung schaltet, nicht besonders erfreut sein. Dabei geht es Google wie bei all seinenNeulanciereungen wohl in erster Linie darum, in den Besitz von Kundendaten zu kommen – wer Checkout nutzt, gibt nicht nur seine wahre Identität zusammen mit einer Email- Adresse preis, sondern zugleich auch noch Kreditkartendaten. Die Suchmaschinenfirma gelangt so an noch mehr persönliches Datenmaterial, mit dem es gezielte Werbung schalten kann.

Nicht alle Kommentatoren im Netz sehen in Checkout in erster Linie eine Konkurrenz für Paypal. Wer eher unter dem bequemen Einkaufsvergnügen leiden werde, sagt der Online- Dienst Cnet, ist Amazon, dessen Internet- Laden bisher aufgrund der bequemen Bedienung immer und immer wieder frequentiert wurde. Mit einem zentralen Kunden- Konto bei Google bräuchten die Konsumenten Amazon gar nicht mehr, meint der Cnet-Kommentator.

Cablec… äh, Comcast-Techniker im Tiefschlaf

125.jpgEin erboster Kunde der lokalen Kabel-Gesellschaft Comcast, die in weiten Teilen der USA ein Monopol auf Kabel-Internet und TV innehat (ich bezahle hier in SF 64 Dollar für Basis-TV und highspeed-Internet), stellte kürzlich dieses Viedo ins Internet: Ein Comcast-Techniker war in seine Wohnung gekommen und während der Wartezeiten des eigenen Technik-Services am Telefon auf des Kunden Couch eingeschlafen.

Laut TV-Nachrichten ist der Techniker inzwischen entlassen worden (was den Comcast-Service kaum wesentlich verbessert haben dürfte).

Andernorts ist der Service nicht besser, und grade die Telefon-Beratung ist nicht selten zum Aus- Der- Haut- Fahren. Das hat dieser AOL-Kunde erlebt, der nichts weiter wollte als sein Konto kündigten.

Und aus meinem direkten Umfeld stammt die Geschichte eines abreisenden Schweizers, der versuchte, seine Stromrechnung zu bezahlen und das Konto zu schliessen, nur um festzustellen, dass SEIN Konto lägst gesperrt war, die Rechnungen, die er in den vergangenen Monaten bezahlt hatte, zu einem andern Büro im gleichen Haus gehörten und die Kundendienstlerin nicht wusste, was man tun könnte.

Die Überzeugungskraft des Internet

124.jpgTja, meine gute, alte K75S ist weg. Mit irgendeinem langhaarigen jungen Mann aus dem Norden verschwunden in Richtung Santa Rosa. Er hat mir im Gegenzug etwas Geld dagelassen, und das tröstet ungemein.

Genau fünf Tage und drei Vorführtermine hats gebraucht, um das Motorrad via Craigslist zu verkaufen – die zusätzliche Webseite, die ich für das Teil aufgesetzt habe, erledigte den Rest. Von zwei Surfern habe ich gar E-Mails gekriegt, meine Annonce sei die beste, die sie je auf Craigslist gesehen hätten – und einer der beiden nahm sich die Mühe, mir das zu sagen, ohne dass er an dem Motorrad interessiert war.

Die drei der zwanzig Interessenten, die tatsächlich vorbeikamen und den Töff unter die Lupe nahmen, waren alle überzeugt, dass meine K75 in besserem Zustand sei und der hohe Preis deshalb gerechtfertigt sein müsste als andere: Ganz einfach deshalb, weil meine Freude an dem Bike so eindeutig aus der Annonce hervorgehe.

Ich habe noch keinen besseren Beweis für die Überzeugungskraft eines persönlichen Texts im Internet gesehen als dies.

Unbequeme, aber kostenlose Wahrheit

123.jpgEinen Zuschauer hat Al Gores Film über den Treibhauseffekt dermassen überzeugt, dass er beschlossen hat, anderen die «unbequeme Wahrheit» zugänglich zu machen, auch wenn sie kein Geld für den Film haben oder es ganz einfach nicht ausgeben wollen. Auf der Webseite «share the truth» kann sich melden, wer immer zwei kostenlose Tickets haben will – bezahlt werden die Eintritte von Sponsoren, die den Film ebenfalls für so wichtig halten, dass ihn alle gesehen haben müssten.

Derzeit hat die Webseite nach eigenen Angaben einen Überhang an Sponsoren.

Microsoft verbockt den Messenger

122.jpgMicrosofts Instant-Messaging-Client Messenger heisst ab sofort «Windows Messenger Live» – und die erste Version (eine Beta mit der Versionsnummer 8.0) verpasst so ziemlich alle Chancen, Skype, Googletalk, iChat und all die andern auszustechen.

Zwar hat der bisher durch seine recht brauchbare Videokonferenz-Funktion bei mir noch immer installierte Messenger eine bemerkenswerte neue Funktion, um ganze Ordner auf dem lokalen Rechner mit meinen Kontakten zu «teilen» – aber dieses Filesharing hat ein paar Haken, die es unbrauchbar machen.

Erstens muss der Benutzer für jeden seiner Kontakte einen eigenen «sharing»-Ordner anlegen – die Verzeichnisse lassen sich nicht mehreren Benutzern zuordnen. Vor allem aber wird von allen Inhalten, die ich in den Ordner kopiere, eine echte Kopie angelegt: Wenn ich also meine 22 Gigabyte Fotodateien teilen will, brauche ich dazu weitere 22 Gigabyte meines teueren Speicherplatzes auf der Harddisk.

Das macht die Funktion vollkommen nutzlos, umso mehr, als das Windows-Dateisystem eine Art «Pseudo»-Kopien von Dateien ermöglicht, die aussehen wie Dateien, aber nur aus Verweisen auf das Vorbild bestehen.

Ferner hat MS jetzt zwar endlich eine Internet-Telefonfunktion, die auch Anrufe ins Telefon-Festnetz erlaubt. Aber diese Option kostet ab dem ersten Anruf, läuft über die amerikanische Telefongesellschaft Verizon und macht die Anmeldung mit Kreditkartendaten nötig.

Selbstredend sind die Protokolle für jegliche Kommunikation proprietär und nicht mit andern Systemen wie Skype oder Googletalk (das den offenen Jabber-Standard benutzt) kompatibel.

Und schliesslich hat MS den Messenger mit noch mehr Werbung verkleistert, die im Kontakte-Fenster unausblendbar angezeigt wird, und das nicht nur in Form von Bildern, sondern neu auch als kurze Videos- mit Ton.

Genau was ich mir immer gewünscht habe…

Der Messenger wird wohl nicht mehr lange auf meinem Desktop überleben.

Schwarzenegger-TV

121.JPGKeine TV-Zeit? Keine Lust mehr auf Pressekonferenzen? Podcasts sind der neuste Schrei unter den amerikanischen Politikern, um das Internet für Ihre Zwecke zu nutzen. Arnold Schwarzenegger geht jetzt einen Schritt weiter. Er hat heute zum ersten Mal eine Live-Cast-Internet-Videokonferenz abgehalten. Angeblich konnten Kalifornier online Fragen stellen, auf die der Gouverneur vor der Webcam reagierte. Das sei eine «unterhaltsame, ungeschminkte» Version von Dialog, sagte Schwarzenegger, bevor er zu gleichgeschlechtlicher Ehe, Benzinpreisen und Sexualstraftätern Stellung nahm und versicherte, er fliege nicht jeden Tag von LA nach Sacramento, und er fahre nur noch etwa fünfmal jährlich einen seiner Hummer.

Irgendwie kommt der zum Politiker konvertierte Filmstar nicht von der Kamera los.

Aber umgekehrt schafft es der zum Filmstar mutierte Al Gore ja offenbar auch nicht, die Finger von der Politik zu lassen…

Farewell again

358.jpgIch hasse Abschiede. Auch wenn moving sales die beste Gelegenheit sind, sich kostengünstig mit Zeug einzudecken, das man nicht wirklich braucht.

Nachdem mich schon Melgg und Susanne mit ihrer Abreise auf dem falschen Fuss erwischten, haben jetzt auch Cyril, Lino, Milena und Thomas dem Golden Gate den Rücken gekehrt.

Dabei kommt jedesmal, wenn ich in jemandes «ich- muss- das- alles-schnellstmöglich- loswerden» – Puff stehe, die Beklemmung der eigenen Abreise wieder hoch. Zunächst symbolisiert das Zeug nur wochenlang den organisatorischen Albtraum, aber dann beginnt es langsam zu qualmen wie die Trümmer einer abgebrannten Brücke. Und der Rauch beisst in den Augen.

Aber wenigstens war der eigene Abschied aus der Schweiz ein Aufbruch ins Abenteuer. Dem Abschied von den abreisenden neuen Freunden hier ist hingegen nichts gutes abzugewinnen.

Deshalb warten wir zurückgebliebenen jetzt umso dringender auf die ersten Schilderungen der aufkommenden Freude über den Neustart in der Schweiz. Oder wenigstens die Nachricht, dass die DS in Zürich NICHT ausverkauft ist.

Folks, we miss you.

Das stärkste Beben dieser Woche

120.jpgEs hat kurz mittelmässig gerüttelt, aber mir sitzt der Schreck noch in den Knochen…

Zwar haben die Beben hier in San Francisco die unfreundliche Angewohnheit, frühmorgens aufzutreten – aber heute war ich mal wieder wach, als um 5.24 Uhr die Holzhütte durchgerüttelt wurde. Ein leichtes Beben zwar mit der Magnitude 4,7 – aber ungewohnte Bay-Area-Frischlinge wie mich kann sowas dennoch erschrecken. Immerhin bietet die Website des geologischen Überwachungsdienstes Informationen in Echtzeit, inklusive Schwingungsgrafiken, Zahl der online eingegangenen Zeugenberichte und detaillierten Karten. In der Liste der jüngsten Erdbeben – welche nur die Erschütterungen einer Woche auflistet, aber die füllt schon eine A4-Seite – war das heutige «Ereignis» eindeutig das stärkste.

Wollen hoffen, dass der Hayward-Graben sich mit vielen solcher kleiner statt dem erwarteten ganz grossen Beben erleichtert…

Schrumpfkopf und Meerjungfrau mit Engagement

118.jpgSelber ist sie inzwischen trotz unzähliger Schönheitsoperationen doch langsam am Doppelkinn als ältere Dame erkennbar – irgendwann lässt sich die Gesichtshaut offenbar nicht mehr weiter spannen.

Dafür macht sich Popstar Cher jetzt politisch für andere Köpfe stark: Die für ihren hedonistischen Lebensstil bekannte Ikone begibt sich in Washington aufs Politparkett und wirbt für eine noble Sache: Bessere Stahlhelme für die Soldaten im Irak.

Meerjungfrau Daryl Hannah dagegen hat das Element gewechselt. Die Polizei musste sie kürzlich in luftiger Höhe aus den Seilen herausschneiden, mit denen sich die Schauspielerin an einem Baum hochgezogen und angekettet hatte. Ihr gehts nicht um Stahlhelme, sondern darum, dass die Immobilienfirma, die das Land mit dem Baum drauf gekauft hat, dieses unversehens an den Farmer weiterverkauft, der es bisher bewirtschaftet hat. Dafür ging sie sogar sechs Stunden ins Gefängnis und sieht jetzt einer Anzeige wegen groben Unfugs (oder so ähnlich) ins Auge.