Microsofts Instant-Messaging-Client Messenger heisst ab sofort «Windows Messenger Live» – und die erste Version (eine Beta mit der Versionsnummer 8.0) verpasst so ziemlich alle Chancen, Skype, Googletalk, iChat und all die andern auszustechen.
Zwar hat der bisher durch seine recht brauchbare Videokonferenz-Funktion bei mir noch immer installierte Messenger eine bemerkenswerte neue Funktion, um ganze Ordner auf dem lokalen Rechner mit meinen Kontakten zu «teilen» – aber dieses Filesharing hat ein paar Haken, die es unbrauchbar machen.
Erstens muss der Benutzer für jeden seiner Kontakte einen eigenen «sharing»-Ordner anlegen – die Verzeichnisse lassen sich nicht mehreren Benutzern zuordnen. Vor allem aber wird von allen Inhalten, die ich in den Ordner kopiere, eine echte Kopie angelegt: Wenn ich also meine 22 Gigabyte Fotodateien teilen will, brauche ich dazu weitere 22 Gigabyte meines teueren Speicherplatzes auf der Harddisk.
Das macht die Funktion vollkommen nutzlos, umso mehr, als das Windows-Dateisystem eine Art «Pseudo»-Kopien von Dateien ermöglicht, die aussehen wie Dateien, aber nur aus Verweisen auf das Vorbild bestehen.
Ferner hat MS jetzt zwar endlich eine Internet-Telefonfunktion, die auch Anrufe ins Telefon-Festnetz erlaubt. Aber diese Option kostet ab dem ersten Anruf, läuft über die amerikanische Telefongesellschaft Verizon und macht die Anmeldung mit Kreditkartendaten nötig.
Selbstredend sind die Protokolle für jegliche Kommunikation proprietär und nicht mit andern Systemen wie Skype oder Googletalk (das den offenen Jabber-Standard benutzt) kompatibel.
Und schliesslich hat MS den Messenger mit noch mehr Werbung verkleistert, die im Kontakte-Fenster unausblendbar angezeigt wird, und das nicht nur in Form von Bildern, sondern neu auch als kurze Videos- mit Ton.
Genau was ich mir immer gewünscht habe…
Der Messenger wird wohl nicht mehr lange auf meinem Desktop überleben.