Apr
16
Mojo of Arkansas
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Wir habens nicht bis Oklahoma geschafft, aber das macht gar nichts: Ich tippe diese Zeilen auf der Veranda unseres Zimmers in einer Lodge am Lake Ouachita in Arkansas, und wir sind ganz verblüfft, was dieser kleine Staat zu bieten hat - eine geradezu tropische Nacht voller Froschgequake und bei Temperaturen von weit über zwanzig Grad.
Die Hitze hat uns gleich nach der Abfahrt aus Memphis schon zu schaffen gemacht. Hier herrschen derzeit über dreissig Grad, und diejenigen von uns, die nicht wie ich über eine zerlegbare Töffjacke verfügen, kommen ganz schon ins Schwitzen. Ein Grund für den Zimmerbezug in der Lodge war denn auch der (eiskalte) See, der zum Bade lockte…
Zwar haben wir heute nur rund 250 Meilen “gemacht”, aber dennoch einiges erledigt: Kurz nach Little Rock sind wir gen Süden abgebogen, um wieder einmal auf den Nebenstrassen etwas von der Landschaft zu sehen. Gelandet sind wir in Hot Springs AR, wo nicht nur Bill Clinton, sondern auch Johnny Cash aufgewachsen ist. Statt einer Siesta haben wir einen Wäschehalt eingelegt und in einer Coin-Op-Launderette die Jeanswerbung ins Leben überführt - zwei Typen betreten den Waschsalon und reissen sich die Kleider vom Leib - naja, so ähnlich.
Vor der Abfahrt in Memphis hatten wir zudem heute Morgen eine Begegnung der überraschendsten Art. In der Tiefgarage des Best Western Hotels stand neben unsern beiden Beemern eine BMW GS, die mir, sobald ich das Diplomaten-Nummernschild sah, sogleich bekannt vorkam. Grade wie wir unsere Koffer zuquetschten, kam ihr Besitzer in die Garage, und ich traute meinen Augen nicht: Christian Seebode, der Wirtschaftsattaché des Deutschen Konsulats in San Francisco, den ich vor einigen Monaten an einer Party kennengelernt habe. Er ist mit Tochter Charlotte (auf einer Honda) von West nach Ost unterwegs. Und das mit jeweils etwa 80 Meilen pro Stunde, dem Tempo, das auch die Trucks auf der Interstate vorlegen.
Wir kamen nicht mal dazu, das auszuprobieren (bisher haben wir Geschwindigkeiten von mehr als 70 Meilen wegen des Winddrucks auf unseren halbverschalten Sportgeräten vermieden und gehörten zu den Langsamsten auf der Interstate). Kurz nach Memphis zeigte sich nämlich der zweite Nachteil unserer Fahrtrichtung. Der erste besteht darin, dass wir zur schönsten Zeit, abends, wenn das Licht warm wird, immer in die Sonne blicken - all die schönen Bilder im Kopf sind Gegenlichtaufnahmen. Der zweite manifestierte sich heute in recht heftigen Winden aus der Richtung, wo Christian und Charlotte herkommen: Aus Westen natürlich. Das war ein weiterer Grund, die langweilige Interstate nach Little Rock zu verlassen und auf einen kleinen Highway auszuweichen - auf den Dingern sind wir auch nicht langsamer als auf der Autobahn, aber wir sehen mehr - und entdecken Orte wie eben Lake Ouachita, wo wir ein bisschen Misssissippi-Stimmung geniessen, obwohl der Fluss weit hinter uns liegt und der See ein künstlicher ist.
Morgen gehts zunächst auf den Nebenstrassen weiter nach Oklahoma City, und dann buchstäblich in die Pampa Richtung Texas.
Apr
14
Sweetheart auf der Bank
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Irgendwo kurz vor der Grenze zu Tennessee hat mich meine Steuerberaterin angerufen. Ich müsste meine Deklaration vor Ostermontag einreichen, sagte sie mir auf meinen Rückruf hin, den ich von irgendeiner Tankstelle irgendwo im Nichts getätigt habe. Aber aus dem Nichts ist es schwierig, Steuerdeklarationen zu verschicken - also hat sie einen Aufschub beantragt, den ich aber mitsamt dem Steuerbetrag trotzdem vor dem 17. an die Steuerbehörde in San Francisco schicken müsse.
Weil meine Steuerberaterin allerdings E-Mail grundsätzlich nicht benutzt und auf den Fax schwürt, musste ich einen Fax beschaffen, was im Nichts von Tennessee nicht so einfach ist. Im Steakhouse, wo wir zu abend assen, musste die Managerin ihr Faxgerät zuerst anschliessen, und danach funktionierte der Empfang nicht. In der Tankstelle gegenüber wusste die Angestellte im entscheidenden Moment nicht, wie sie die Maschine manuell zur Entgegennahme des Dokuments bewegen konnte. Ich wurde langsam nervös, denn in Kalifornien gings nun auch schon gegen 17.00 Uhr - also schwang ich mich hinter die Theke und brachte den Fax dazu, meine Papiere auszuspucken.
Das war gestern.
Heute musste ich das Zeug zusammen mit einem Check an die IRS in San Francisco versenden - bloss habe ich keine Checks. Also suchten wir eine Bank of America, um einen Cashierscheck ausstellen zuz lassen, und fanden eine Filiale in Columbia, TN. In bester Südstaatenmanier bemutterte mich die Schalterdame nicht nur, indem sie mich “Sweetheart” nannte (zumindest das habe ich verstanden), sondern mir gleich auch meine vertraulichen Unterlagen aus den Fingern riss, alles durchlas und dann ansetzte, mir den Vorgang zu erklären. Ich wusste nicht, ob ich mich über den Kundenservice freuen, die Indiskretion aufregen oder die selbsverständliche Annahme, ich swei mit dem ganzen Vorgang überfordert, amüsieren sollte - und entschied mich für letzteres. Schliesslich befanden wir uns in Hinterwalden oder, wie wir ein Dorf weiter realisierten, in “Hohenwald”, das gleich neben “Linden, Home of the Vikings” liegt. In dieser ganz offensichtlkich ursprünglich deutsch besiedelten Hügelzone verfügt jedes Haus, und sei es auch nur ein halb verrotteter Trailer, über fünf Aren Rasen bis hin zum Highway und meistens mindestens einen brandneuen, vielfach aber auch einen malerisch abgestellten, ausgeschlachteten Pickup-Truck. Jedes fünftge Gebäude an der Strasse ist eine Kirche: Church of God, Church of Christ, Primitive Baptist Church, Pentecoastal United Church, Methodist Church of Hohenwald, Yehovas Witnesses - irgendwie scheint es hier mehr Spielarten des Christlichen Glaubens als Einwohner zu geben.
Jedenfalls sind die aber freundlich, hilfsbereit und bereit, selbst einen verschwitzten, ausländischen Töffahrer “Sweetheart” zu nennen.
Apr
12
Töffreisen im 21. Jahrhundert
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Wir haben es geschafft, Washington auf dem äuseren Ring zu umfahren - allerdings nur, weil Pierre mich per Funk davon abgehalten hat, mitten in der Rushhour die falsche Ausfahrt stadtEINwärts zu nehmen. Später hat uns das Satellitennavigationsystem den Weg zu einem Hotel gezeigt. Und per Handy hab ich dann, weil die Unterkunft keinen Internetzugang zu bieten hatte, meine Mail abgerufen.
Man kann viele Argumente gegen diese Hightech-Reisehelfer anführen. Aber wenn ich mich an Töffreisen wie jene zu dritt vor fünfzehn Jahren durch Polen erinnere, frage ich mich, wie wir es geschafft haben, uns nicht ständig aus den Augen oder zumindest in den unbekannten Weiten der Masuren zu verlieren.
Apr
11
Philadelphia
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Jetzt sind wir also unterwegs: Die beiden Beemer laufen perfekt, das Wetter in den USA scheint es gut mit uns zu meinen, und wir freuen uns auf 4000 Meilen von New York nach San Francisco.
Gestern hat die BA schliesslich auch irgendwann morgens Pierres Gepäck aus London nachgeliefert, das sie verloren hatte. Und um nicht noch länger auf die Lieferung warten zu müssen, haben wir entschieden, es nicht nach Hoboken bringen zu lassen, sondern gleich mit beiden Motorrädern am JFK-Flughafen vorbeizufahren und es abzuholen. Das hat uns neben einer Busse fürs Parkhaus einige Stunden Stillstand im Gridlock von Brooklyn und auf der Auswärtsroute auf Staten Island gekostet, aber irgendwann gegen abend kamen wir dann auf dem Turnpike aus New Jersey raus.
Jetzt geniessen wir den Morgen im sonnigen Phily und bereiten uns auf die Fahrt in die Smokey Mountains vor.
Apr
5
Erschütternde Ansichten
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Was kann die Menschen besser vond er Notwendigkeit überzeugen, sich für Katastrophenfälle vorzubereiten, als Bilder von echten Katastrophen? Jetzt weiss ich es: Simulationen. Der Geologische Überwachunsgdienst der USA hat für die Bay Area ein detailliertes geologisches Computermodell erstellt und kann nun jedes erdenkliche Erdbeben berechnen und visuell darstellen.
Diese Sammlung von Filmchen der Ereignisse vom 18. April 1906 lassen jeden Kenner und ganz sicher jeden Bewohner der Bay Area erblassen. Auch, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass die sichtbaren Erdbewegungen für die Simulation 1000 mal verstärkt wurden.
Ein solches Beben steht der Region mit einer Wahrscheinlichkeit von 2:1 in den nächsten 25 Jahren bevor…