Archiv für den Monat: März 2006

Teuerster Hotel-Internetzugang? Made by Swisscom.

Das Internet ermöglicht auch armen Schluckern wie mir inzwischen immer mal wieder einen Abstecher in die Welt der Reichen. Beispielsweise auf Reisen in den USA, wo man dank Web-Börsen wie hotwire.com Zimmer in Vierstern-Hotels statt für die regulären 370$ für schlappe, sagen wir, 80 Dollar ergattern kann.

Das Problem besteht darin, dass alle weiteren Preise rund um den Aufenthalt die gleichen bleiben. So kostet das Parkieren des Mietwagens im Downtown Miami Hyatt Regency für 24 Stunden mehr als ich für die Karre pro 24 Stunden hinblätterte. Den teuersten Schoko-Riegel habe ich grade im Biltmore in Coral Gables verspeist (ich war hungrig, das Ding lag im Zimmer herum und erschien auf der Hotelrechnung für noble $4.35 inklusive Steuer). Der gross angepriesene Hochgeschwindigkeits-Internet-Zugang in all diesen noblen Räumen kostet jeweils mindestens 10$ pro Tag.

Meine Schlussfolgerung nach etlichen Übernachtungen in den durchaus ansprechenden Mittelklasse-Hotelketten wie Holiday Inn, wo für irgendwas um die 70 Dollar nicht nur Parkplatz und Wifi, sondern meistens auch noch ein Frühstück inbegriffen ist: In der Klasse der Reichen ziemt es sich nicht, sich über die Abzocke aufzuregen. Wie geht gleich wieder der Spruch mit den Krähen?

Was aber den Internetanschluss anbelangt, der heute in den USA in jedem Hotelzimmer der mittleren Geschäftsreise-Klasse genauso inbegriffen ist wie das Toilettenpapier, versuchen einige Telcos noch schnell den grossen Reibach zu machen – T-Mobile etwa, die an Flughäfen und in teuren Hoteltimmern zehn Dollar pro Tag verlangt und ein unsäglichses Anmeldeverfahren benutzt.

Oder Swisscom, die in Europa nach der UMTS-Pleite zum grossen Player im öffentlichen Wifi-Markt werden will. Der englische Journalist Ben Hammersley hat jetzt den teuersten Internet-Zugang der Welt gefunden, im Konferenzcenter des Victoria Park Plaza Hotel in London – betrieben von Swisscom: Für Nicht-Hotelgäste kostet hier die halbe Stunde 10 englische Pfund. Das sind 480 Pfund oder 1,093.17 Schweizer Franken für 24 Stunden.

Kein Grund, die Swisscom zu privatisieren.

Steuerpanik

83.jpgIch hab meine Steuerdaten erstellt und dabei auf das Microsoft-Programm Money gezählt. jetzt fehlt mir eigentlich nur die Zuversicht zu glauben, dass die beängstigenden Daten allesamt auf das Programm und nicht auf den realen Zustand meiner Buchhaltung zurückzuführen sind.

Schneeeeee….!

82.jpgIn San Francisco führt Schneefall ja schon zum Ausnahmezustand (gestern hats hier tatsächlich geschneit…). Aber dieser kleine Sanduhu in der Sonora-Wüste bei Phoenix, wos um diese Jahreszeit angenehme 20 bis 25 Grad Celsius warm sein sollte, guckt ganz schön empört aus dem Gefieder. In Arizona hat der Schnee eine fünfmonatige Trockenperiode abgeschlossen…

Unermüdlich…

79.jpg…versucht da mindestens ein Scriptkid (ein versierter Hacker kann das nicht sein), diese Webseite als Relaystation für seine Werbemails (besser bekannt als Spam) zu missbrauchen: Für den untenstehenden «Weiterleiten»-Link habe ich ein kleines Programm geschrieben, welches Eure Eingaben übernimmt und daraus Emails produziert.

Der Spammer versucht nun, in die diversen Felder Steuerdaten und Mailcode einzuschmuggeln, der mein Progrämmlein – und damit mich und meine Hostingfirma – zur Werbeschleuder machen würde. Nur gelingt das nicht mehr, weil ich mich nach ein paar eigenartigen Mails schlau gemacht habe und das Programm mit allerlei giftigen Kontrollfunktionen ausgestattet habe. Während der Recherche habe ich übrigens kapiert, dass derlei Mail-Anwendungen in Webseiten inzwischen offenbar regelmässig angegriffen und, wenn ignorante Laien wie ich sie programmiert haben, recht häufig erfolgreich missbraucht werden.

Inzwischen schliesse ich nicht nur jeden Rechner sofort aus, von dem aus einmal ein solcher Entführungsversuch unternommen wurde. Ich führe auch Buch über die Angriffe. Und siehe da – es handelt sich offenbar um einen einzigen Übeltäter, der aber nicht clever genug ist um zu merken, dass er längst nur seine Zeit vergeudet. Hier ist der Überblick über die Angriffe seit Samstag, 10. März zu finden. Und wer Lust hat, möge dem einsamen Spammer doch ein, zwei oder ein paar Millionen Mails an seine Testadresse schicken, ja?

Microsofts Newton

78.jpg«Ultramobil» ist der neuste (Verzweiflungs-) Schrei aus dem Hause Microsoft (respektive Samsung oder Asus): Jetzt, wo in jedes Handy bereits eine halbe Büroeinrichtung und ein Fotostudio integriert ist, lanciert der Windows-Hersteller eine neue Klasse von Hardware-Geräten – man erinnere sich an die grossartige Einführung der Tablet-PC. Die neuen Dinger sind «vollwertige» Windows-PC ohne Tastatur in einer Grösse, die für alles zu klein und für nichts gross genug ist.

Sonys Portable Playstation, Palms Treo, Blackberrys Mäuseklavier-Emailmaschine und andere scheinen Microsoft ganz schön zu erschrecken: soviele Geräte, die fast alles können – und kein Windows drin!

Wir zucken die Schultern. Wo andere scheiterten, weil sie mit einer guten Idee die aktuelle Technik überforderten – man gedenke des klobigen Apple Newton (und lache sich schief ob der Vision von einem faulen Professor in Berkeley im Jahre 2006 und was Computer für ihn tun können) – schaffen es andere immer wieder, längst erfüllte Kundenwünsche in eine überholte Form zu bringen…

Es schneit…

355.jpgMein running Gag hier ist ja der Spruch «Niemand hat mir gesagt, dass es in Kalifornien regnet», und in aller Regel ernte ich damit mindestens ein höfliches Lächeln. Jetzt aber verschlägts mir die Sprache. Vor drei Wochen noch, mitten im Februar, hatten wir hier fünfundzwanzig Grad – Hitzerekord für die Jahreszeit.

Im Frühlingsmonat März dagegen benimmt sich das Wetter wie bei uns in Europa jeweils im April. Als ich heute Nachmittag um vier das Haus verliess, um mein Motorrad beim Mechaniker abzuholen, herrschte eitel Sonnenschein. Zwanzig Minuten später stand ich am BMW Hauptsitz und der Himmel voller dunkler Wolken.

Ich wiederhole zwar auch immer wieder die alte Töffweisheit, wonach es kein schlechtes Wetter gibt, sondern nur schlechte Kleidung – aber heute war meine Kleidung extrem schlecht.

Denn es hat nicht nur einmal mehr in Strömen gegossen, was der Pazifik zuvor in den Himmel zu verdunsten vermochte.

Gemäss den Abendnachrichten auf den lokalen TV-Sendern hätte es – fast! – geschneit. Nicht grade in San Francisco, aber doch wenigstens auf dem Mount Tamalpais gleich nebenan, der ist immerhin rund 600 Meter hoch, und die Schneefallgrenze scheint sich heute Nacht auf 300 Meter abzusenken.

Hoffentlich bleibt sie dort oben. Ich lebe hier auf 45 Metern über Meer und brauche weiss Gott keinen Schnee mehr.

Der soll dort hin, wo er hingehört. In die Schweiz zum Beispiel.

Marschierende Albträume

77.jpgWer sich ein bisschen mit Robotern auseinandergesetzt hat, dem ist klar, dass nicht alle dieser Dinger so niedlich aussehen wie Sonys Computerhund Aibo. Bisweilen gleichen sie eher den monströsen Horrorvisionen aus Filmen wie Terminator – dieses Ding hier zum Beispiel, das bemannt auf zwei Beinen geht und sogar schiesst.

Und dann gibts die wirklich zweckdienlichen Monster fürs Militär, den Lastesel «Big Dog» von Boston Dynamics zum beispiel, der – von einem Benzinmotor angetrieben – jault wie ein Rasenmäher und grade wegen seiner ausserordentlichen Marschfähigkeiten aussieht wie siamesische Zwillinge, die dringend mal müssten, aber den Locus nicht finden. Das Video (27 Megabyte, aber sehenswert!) wirkt ebenso lächerlich wie furchteinflössend. Sara Connor wird sich wohl grade mit Waffen eindecken.

Spammers Bemühungen

Das Geschäft mit unverlangten Werbemails muss ein blühendes sein. Anders kann ich mir die nach wie vor täglich eintrudelnden «C1alis», «Vi@gra» und neuerdings «Tam i flu» – Postings nicht erklären.

Und noch viel weniger die jüngsten Versuche, meine Webseite als Weiterleitungs- Postbüro für derlei Mist zu missbrauchen. Mindestens zwei mehr oder weniger bewanderte Zeitgenossen, der eine mit einer IP aus Tschechien, der andere aus Andorra, basteln offenbar seit Tagen an einem Weg, mein Formular zum Versand von Hinweisen auf meinen Blog mit gefälschten Mail-Headern zu verwirren und dazu zu bringen, ihren Kram zu versenden. Teile der Murkserei sind in meinem Postfach gelandet. Inzwischen kenne ich die Mailadressen, welche die Spammer als Erfolgsprüfung für Ihre Kidnapping-Versuche verwenden, ihre IP-Adressen und logischerweise den Punkt, auf dem sie mein Server-Skript anzugreifen versuchen.

Ein paar Code-Zeilen später kriege ich jedesmal augenblicklich eine Meldung, wenn wieder jemand Schindluder zu treiben versucht. Und die Verlockung ist riesig, anhand der bekannten Daten den Lausbuben meinerseits ein paar Überraschungen zukommen zu lassen.

Ich komme auf das Problem zurück.

Einkaufsblues

354.jpgSo unbegrenzt sind die Möglichkeiten in diesem Land nicht. Jedenfalls nicht in Kalifornien, und ganz sicher nicht in San Francisco. Die Gesetzesdichte in dieser Stadt dürfte jene einiger Schweizer Orte bei weitem übertreffen.

Um so mehr geniesse ich ein paar spezielle Freiheiten. Eine davon ist – oder war – der nächtliche Einkauf: Zwei Strassenblocks von einem Cala Foods Supermarkt entfernt, habe ich nach Feierabend (also meistens irgendwann gegen 3 Uhr morgens) häufig die Gunst der Stunde genutzt und einen Spaziergang mit dem Lebensmitteleinkauf für die nächsten drei Tage verbunden. Denn Cala ist rund um die Uhr geöffnet. Oder war. Denn vor einigen Wochen hat mein Neverland dichtgemacht. Schluss. An seiner Stelle wird ein Toyota-Händler noch mehr Priusse verkaufen.

Wenn ich jetzt zu Fuss oder mit dem Velo einkaufen will, muss ich mich bis zum üblichen Ladenschluss um 9 Uhr in einen der überteuerten Kleinläden in meinem Quartier oder den widerlichen Safeway an der 8. Strasse bemühen. Manchmal reichts es mir noch in den Delikatess-Supermarkt Andronicos, der richtig tolle Wienerli und Bratwürste verkauft und den ich mir eigentlich nicht leisten kann – der Nobelschuppen schliesst um 11 Uhr. Wenns später wird, bleibt mir nichts übrig als mit dem Auto 25 Strassenblocks zum nächsten Cala zu fahren, um in nachmitternächtlicher Ruhe und ohne irgendwelche Warteschlangen an der Kasse Vorräte zu bunkern. Es ist ein Jammer.

Ich schätze mal, die haardünne Mehrheit in der eidgenössischen Abstimmung über den «erweiterten Sonntagsverkauf an Bahnhöfen» ist Auslandschweizern wie mir zu verdanken.