Archiv für den Monat: Dezember 2005

Die Welt ist bunt – Happy New Year!

47.jpgEs macht Spass, in einer Stadt zu leben, die international für alle möglichen visuellen Scherze missbraucht wird.

Zum Beispiel in diesem Werbespot, der für Sony Europa entstanden ist. Die englische Produktionsfirma hat dazu tatsächlich eine Viertelmillion bunter Gummibälle die Strassen von San Francisco runterhopsen lassen.

Der Download der hochauflösenden Version lohnt sich.

Ich wünsche allen viele bunte Gummibälle fürs 2006.

Glassplitter

353.jpgSan Francisco hat seine Unschuld verloren. Ich habe gewusst, dass die Stadt nicht ganz so sicher ist wie Zürich. 90 Morde pro Jahr sprechen eine deutliche Sprache.

Aber San Francisco ist freundlich, hilfsbereit und kleinstädtisch. Das Grundgefühl konnte mir auch eine Exekution in meiner Strasse morgens um drei nicht rauben. Was geht mich die chinesische Mafia an? Oder die Messer- stecherei in der Bar um die Ecke, die eines abends acht (!) Streifen- und einen Krankenwagen auf den Plan rief. Auch nicht die beiden blutigen Leichen mitten auf der Strasse, an denen ich kürzlich nur Minuten nach einer Gang-Schiesserei vorbeifahren musste.

Wohl aber das zersplitterte Dreiecks- fenster an meinem Golf nach einem Kinoabend im Dezember. Ich war erschüttert. Dabei hat der Dieb die beiden Hauptfenster (alarmanlagen-) schonend runtergekurbelt, um an das 20$- Radio heranzukommen, das er freundlicherweise auch noch fein säuberlich ausgesteckt statt brutal rausgerissen hat (den in der Mittelkonsole herumliegenden GPS-Empfänger im Wert von 300$ hat er ebenso liegenlassen wie die kleine Digitalkamera im Handschuhfach).

«Mutprobe – irgendwelchen Kids waren das», sagten meine beiden einheimischen Begleiterinnen. Kaum der Rede wert. Das ist mir klar, aber es ändert nichts. Inzwischen meide ich abends dunkle Seitengassen. Selbst wenns dort reihenweise Parkplätze hat.

Auf zwei Rädern

45.jpgEs war das Ding, das angeblich die Innenstädte verändern sollte. Die Transportwelt revolutionieren. Und von dem mehr verkauft werden sollten als von Apples iPod.

Ganz soweit hat es der «Human Transporter» der Firma Segway noch nicht gebracht. Das elektrische Zweirad, das mit 100 Computeraktionen pro Sekunde selbständig die Balance hält, kostet noch immer gegen 7000 Franken und bleibt den Reichen als Spielzeug vorbehalten.

Unsereins kann es in und um San Francisco wenigstens mietweise geniessen. Und auch wenn man dazu einen idiotischen Velohelm und eine noch idiotischere Verkehrssicherheitsdienstweste anziehen muss: Die Passanten starren einem dennoch bewundernd nach, wenn man aufrecht stehend und fast lautlos mit rund 15 Kilometern pro Stunde an ihnen vorbeizieht, abrupte Kurven reisst oder mühelos vor- und zurückzischt.

Aber so viel Spass das an einem Dezembernachmittag im sonnigen Sausalito macht: Für den Alltag fallen mir einfach nicht genug Anwendungsmöfglichkeiten für das relativ grosse Gefährt ein, die seine Anschaffung (im Leasing hier in den USA zum gleichen Preis wie ein Mitteklklassewagen zu haben) rechtfertigen könnte.

Taschenkino ganz umsonst

44.JPGPalm- und Pocket-PC-Besitzer wissen es zwar selten, aber sie verfügen über ein leistungsstarkes Hosentaschen-Kino, das TV-Aufnahmen und selbst DVDs in brillianter Qualität abspielen kann – und noch dazu keinen Rappen kostet.

Der gratis herunterladbare Open-Source Mediaplayer TCPMP (The Core Pocket Media Player) für Palm und Pocket PC ist schlank, leicht bedienbar und im Funktionsumfang jedem kommerziellen Produkt haushoch überlegen. Er bringt die Codecs für eine Vielzahl an Video- und Musikkompressionsformaten gleich mit (und ist damit auch gleich ein volltauglicher MP3-Player mit software-Equalizer) und lässt eine Feineinstellung von Bild und Ton auf jedem Gerät zu, bis hin zum Zoom in den Bildausschnitt.

Die Filmdaten selber muss man sich als Anwender aus digitalen Videos zurechtschneidern, und dabei hilft das ebenso kostenlose Umbau-Programm PocketDivXEncoder, das in Punkto Anwenderfreundlichkeit und Einstellungsmöglichkeiten, aber auch Tempo alles übertrifft, was ich bisher gesehen habe: Aus einer DVD hat es, nach genau fünf Mausklicks, auf meinem 3-GhZ Windowsrechner binnen 25 Minuten eine erstklassige, 290MB grosse Filmdatei für mein Smartphone in der Auflösung 320×240 Bildpunkte gemacht; die grafische Benutzeroberfläche ermöglicht über anklickbare Fotos verschiedener Endgeräte die richtige Wahl der Auflösung mit einem Klick.

Übrigens lässt sich eine zweistündige DVD in brauchbarer Qualität mit Mono-Ton auch auf rund 150 MB eindampfen. Der Pocket-Encoder greift dabei (mit AnyDVD am Kopierschutz vorbei) ohne Zwischenschritt direkt auf die DVD zu und fragt, welche Audio-Spur der Taschenfilm enthalten soll.

Der PocketDivxEncoder benötigt einen Codec für DIVX, das hochkomprimierte Filmformat. Unzählige kostenlose Codec-Pakete finden sich auf FreeCodecs.com, darunter auch der kostenlose Windows-ixvid-Encoder (DivX) eines Zeitgenossen Namens Nic.

Inzwischen gucke ich mir die beiden täglichen Seinfeld-Reruns vom TV-Sender TBS, die mir mein Mediacenter-PC automatisch aufzeichnet, während Wartezeiten irgendwo unterwegs auf meinem Handy an. Dazu müssen die Aufnahmen vor der Umwandlung ins Pocket-Format mit dem PocketDivXEncoder aus dem Windows-eigenen Format umgewandelt werden, was ein kleines Programm namens DVRMSToolbox schnell und auf Wunsch bei gleichzeitiger Weglassung der Werbeblöcke erledigt. Es ist das einzige Programm, das sich nicht ganz so einfach bedienen lässt, weil es nur eine beschränkte grafische Oberfläche besitzt – dafür kann es so automatisiert werden, dass es täglich sämtliche TV-Aufnahmen eines Rechners vollautomatisch aus dem Micro$oft-Format in werbefreies MPEG2 umwandelt. Diese Dateien wiederum «muxt» der PocketEncoder blitzschnell in Hosentaschentaugliche Divx für den Palm.

Bleibt noch die Frage nach dem Speichermedium für die geschrumpften TV-Serien und DVD-Filme – inzwischen sind SD-Speicherkärtchen mit einem oder gar zwei Gigabyte in diversen Onlineshops für weniger als hundert Franken zu haben.

Viel Spass!

Weihnachtswaffe

43.jpgImmer mal wieder schafft es irgendein Kleinkram, das Kind in den Geeks völlig verrückt zu machen – vor Jahren liessen die Ferngesteuerten Mini-Autos «ZipZap» von RadioShack die Arbeitsleistung in den Büros sinken und das Rennfieber steigen.

Jetzt scheint der Krieg in den Cubicles ausgebrochen zu sein: Dieser PC-gesteuerte Raketenwerfer lässt sich per Software drehen und neigen und seine Geschosse einzeln abfeuern, und Büroarbeiter auf der ganzen Welt scheinen ihre Desknachbarn unter Dauerfeuer nehmen zu wollen. Das britische Warenhaus Marks & Spencer hat das exklusive Produkt innert kürzester Zeit restlos ausverkauft und musste es von der Webseite nehmen, um nicht in Bestellungen zu ersaufen.

Aber nicht alle Geeks sind nur Kindsköpfe – einige haben auch einen ausgeprägten Geschäftssinn. Clevere englische Einkäufer haben sich rechtzeitig mit ausreichend Plastik-Stalinorgeln eingedeckt und verscherbeln sie jetzt in Ein-Tages-Auktionen auf Ebay zu Wucherpreisen in die ganze Welt. Mal sehen, wie hoch der Preis dieser Langzeit-Auktion zu klettern vermag…

Der Markt

352.jpgMotorradfahren bildet. Ich habe dank meiner 20 Jahre alten BMW eine grundlegende Eigenschaft der USA praktisch begriffen: Sie bilden einen beeindruckenden Markt.

Wer in Europa auf Ebay Ersatzteile für seinen Alt-Töff sucht, stösst rasch an Sprach- und Raumgrenzen. Innerhalb dieser dann sowas wie die notorisch serbelnden Tachos der BMW K-Motorräder zu finden, ist eine Frage des Zufalls. Nicht so in den USA – hier ist es eine Frage der Masse. Binnen einer Woche habe ich hier Cockpits gefunden (und aus Versehen gleich zwei davon gekauft – bevor ich rausgefunden habe, dass ich meins flicken kann.) Meine eigene Überschuss- Ware habe ich dann per Ebay wieder verkauft und ein weiteres Mal per Post quer durch die USA geschickt.

Ein noch erstaunlicheres Fundstück war die 11 Jahre eingelagerte, praktisch fabrikneue «Schwester» meiner K75S, die ich per Zufall auf Ebay entdeckt – der Töff wird seit 1994 nicht mehr gebaut. Nur in einem Riesenmarkt wie den USA ist ein solcher Glücksfall möglich, dachte ich und ersteigerte das edle Teil.Und weil es sich nicht per Post verschicken lässt, muss ich es eben abholen.

Auf der andern Seite des Kontinents, in New York.