Arrr! Ein Tech-Hippie aus Kanada überzeugt Microsoft von den Übeln des Kopierschutz? Wohl kaum. Aber daran hat er wohl selber nicht geglaubt, als Cory Doctorow, Repräsentant der «electronic frontier», bei den Softies in Seattle diesen Speech gehalten hat.
Der Text ist auch für technische Laien sehr verständlich und absolut lesenswert (im Gegensatz zu Doctorows Romanen, wie ich mir habe sagen lassen). Er macht klar, dass DRM – “digital rights management” oder zu deutsch Kopierschutz – allen schadet: Der Gesellschaft, der Wirtschaft, den Künstlern und Microsoft, und dies vor allem, weil er eh nicht funktioniere.
Ein Absatz des Texts (den ich vielleicht Gelegentlich mal übersetze) hat mich speziell angesprungen: Doctorow erklärt, dass Apples gefeierter Online-Musikladen iTunes boykottiert werden müsste.
Die dort gekauften Songs sind nämlich mit einem Kopierschutz versehen und an den Computer des Downloads plus ein Abspielgerät (logischerweise einen Ipod) gefesselt.
Das ist eine fatale Entwicklung: Bisher haben wir Konsumenten uns schon von Hollywood vorschreiben lassen, auf welchen DVD-Playern (oder auf welchem Kontinent) wir ihre Filme angucken dürfen. Mein Notebook beispielsweise, nochmals: MEIN Notebook, für das ich in der Schweiz über 4000 Franken bezahlt habe, erklärte mir rundwegs, ich sei nicht berechtigt, meine in den USA gekauften Silberscheiben auf ihm anzusehen. Der kleine Frechdachs kam daraufhin in gefährliche Nähe zu einem Freiflug aus dem Fenster.
Ähnliches könnte passieren, wenn jemand seine für Tausende von Franken auf iTunes zusammengekaufte Musiksammlung auf ein neues Gerät überspielen will, weil es besser ist als der iPod (ein für alle mal: Apple hat weder den MP3-Player, noch den Harddiskplayer, noch den Videofähigen Harddiskplayer erfunden. Jedes einzelne dieser Geräte gabs schon von einem andern Hersteller, jeweils mindestens zwei Jahre, bevor Apple sein – zugegebenermassen toll designtes – Kästchen auf den Markt gebracht hat.) Das Gerät wird mit den von Apple versägten Daten nichts anfangen können. Das Resultat? Ganz einfach: Die Musikindustrie verdient zum vierten Mal an den Sammlern: Das erste Mal haben sie für die Songs bezahlt, als sie die LP kauften; dann, als sie die LP durch die CD ersetzten, schliesslich, als sie die CD-Sammlung per iTunes auf den iPod spielten.
Und wer genau regt sich da über ein paar kopierte Musikdaten auf?
Der Doctorow-Text weiss noch viel mehr zum Thema.
Ramen!