Sep
10
Distanz
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Ich habe die Relativitätstheorie nie verstanden. Sie hat irgendwas damit zu tun, dass Licht immer gleich schnell ist, richtig? Was ist daran relativ?
Ein klein wenig habe ich es kürzlich kapiert, als ich für eine Recherche nach Fresno eingeladen wurde. «Holen Sie mich morgen um neun im Büro ab», sagte mein Interviewpartner.
Ich warf einen Blick auf meinen elektronischen Routenplaner: Fresno ist ungefähr so weit weg von San Francisco wie Zürich von Bern – wenn man die jeweiligen Staatsgrenzen als Massstab nimmt. In absoluten Zahlen sieht die Geschichte ein wenig anders aus: 250 Meilen, 400 Kilometer, pro Weg. Ich mochte den Termin nicht mehr ändern – immerhin drehte sich die Recherche um die mangelnde Arbeitsmoral der jüngeren Generation.
Es war stockdunkel, als ich mich morgens um fünf aufmachte (siehe Bild). Nach vier Stunden Fahrt folgte ein Interview dem andern, und um 17 Uhr war ich nudelfertig.
Trotzdem wehrte sich alles in mir gegen eine Übernachtung in Fresno. Kein Zürcher verbringt nach einer Sitzung die Nacht in Bern. Und irgendwie fühlte sich die fünfstündige Heimfahrt aus dem Central Valley zurück an die Pazifikküste nicht anders an als die 70 Minuten im Zug durchs Schweizer Mittelland. Offenbar sind wir im Stande, unser Zeit- und Weggefühl den Dimensionen unserer Umgebung anzupassen.
Oder aber es war mehr als ein Sekundenschlaf, aus dem ich auf der Interstate 5 immer mal wieder aufschreckte.
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