Archiv für den Monat: April 2005

Lästige Listen

344.jpgIn den USA finden sich immer wieder Menschen als Strandgut auf Flughäfen, weil sie bei irgendeiner Regierungsagentur auf irgendeiner Terroristenliste figurieren und deshalb von keiner Airline mehr akzeptiert werden. Oder aber sie werden in irgendeinem Privatjet in irgendein Land (wie Syrien) ausgeflogen und dort verhört.

Auch ich figuriere auf einer Liste – aber ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass mir jemand zuhört. Es sind Roboterstimmen, die mich im Auftrag der Warenhauskette Sears anrufen, um mir mitzuteilen, dass meine Waschmaschine resp. mein Trockner/Kühlschrank am nächsten Tag frühmorgens geliefert werde und ich doch bitte mit Taste «2» den Termin bestätigen soll. Mangels anderer Optionen habe ich das beim ersten Anruf getan, obwohl ich noch nie etwas mit Sears zu tun hatte. Worauf mich nächstentags um sieben ein verzweifelter Lieferant anrief, er stehe vor meiner Haustür, ich solle ihn und die neue Waschmaschine doch bitte reinlassen.

Das konnte ich aber nicht, denn der gute Sears-Mann war wohl an der richtigen Adresse, aber er hatte ebenso wie die Sears-Roboter die falsche Telefonnummer. Zwei Wochen später wiederholte sich das ganze (diesmal gings um den Trockner). Beim Dritten Termin (richtig: der Kühlschrank) kontaktierte ich den Kundendienst von Sears und machte auf den Fehler aufmerksam

Zwei Tage später teilte mir eine Tonbandstimme mit, ein Sears-Team sei unterwegs, meine Waschmaschine zu reparieren. Darauf rief ich Sears dreimal hintereinander an und verlangte jeweils zuerst Auskunft darüber, wer ich sei (offenbar bin ich eine gewisse Sarah Cerruti und wohne ganz in meiner Nähe), bevor ich, recht heftig, die Korrektur der Adressdatei verlangte. Von Sears habe ich seither nichts mehr gehört.

Gestern erinnerte mich der Tonband-Anruf einer lokalen Klinik an meinen Brustkrebs- Check vom kommenden Mittwoch.

Die Menschen in meiner Wand

343.jpgDas typische Townhaus in San Francisco besteht aus Holz. Genauer: Aus Sperrholz, oder dem, was die Amerikaner «Plywood» nennen.

Die Bauweise hat Vorteile: Im Falle eines Erdbebens fällt mir jedenfalls keine schwere Betondecke auf den Kopf.

Und es hat Nachteile: Im Falle eines Erdbebens mit Gasleitungsbruch (oder aufgrund einer weggeworfenen Zigarette) fackeln die Dinger ab wie, na – eben Sperrholzhäuser.

Aber vor allem wohnt es sich in den Kästen wie in Kartonschachteln. Will heissen, ich belausche jedes Telefonat meiner Nachbarin im untern Stockwerk. Ich vibriere mit, wenn Kevin links nebenan die Zähne putzt. Und ich wache auf, wenn Scott rechts nebenan gleich neben meinem Bett seinen Anzug aus dem Walk-In-Closet nimmt.

Demnächst werde ich ihn und seine Frau bitten müssen, die Schranktüre zu schliessen, wenn sie die Frühlingsgefühle ausleben.