Archiv für den Monat: Januar 2005

Freisprech

338.jpgIn diesem Land, das hat Präsident Bush in seiner Antrittsrede gemäss Zeitungsanalysen 37 mal klargemacht, gilt Freiheit immer noch als oberstes Gut. Die Freiheit, zu sagen, was man will, beispielsweise, und überall hin zu fahren, um zu sagen, was man will. Oder beides gleichzeitig.Diese Kombination im speziellen unterscheidet die neue Welt von Europa, wo in vielen Ländern eine Freisprech-Anlage Bedingung für die Benutzung des Mobiltelefons im Auto ist. Wer diese Form der Rede-Freiheit nicht nutzt, riskiert eine saftige Busse.

In den USA erwägen derzeit nur gerade drei Staaten, den Automobilisten zu verbieten, gleichzeitig ein Cellphone zu bedienen und einen Wagen zu lenken.

Durch die Strassen von San Francisco, wo dies noch zu den Grundfreiheiten gehört, kurven jedenfalls nach meinen Beobachtungen weit über dreissig Prozent aller Fahrer mit dem Handy am Ohr.

Interessanterweise scheint ein Ohrknopf-Kabel oder gar ein Bluetooth-Headset eher von den Fussgängern favorisiert zu werden. Die brauchen nämlich beide Hände, um unterwegs kleckerfrei ihre Fajita zu essen, während sie dem Schatzi mitteilen, dass sie grade eine Fajita essen; in den zu 90 Prozent automatisch geschalteten Autos dagegen haben die meisten Fahrer ja mindestens die rechte Hand frei, um das Cellphone ans Ohr zu drücken (die Fajita klemmen sie dieweil zwischen die Knie).

Die volle Freiheit genossen hat jener Cop, der mich kürzlich im Streifenwagen auf dem Geary-Boulevard (vollkommen legal) rechts überholt hat. Mit der Rechten drückte er ein Handy ans Ohr. Und mit der Linken hielt er das Mikro des Sprechfunks vor den Mund. (Ich habe keine Ahnung, wo er seine Fajita untergebracht hatte.)

In dieser Kolumne wird der Begriff «Freiheit» ganz oder in Teilen acht Mal verwendet. «Fajita» ist drei- und «nämlich» einmal zu finden. «Irak» oder «Armut» hingegen werden kein einziges Mal benutzt.

Papier-Geld

337.jpgIst nicht alles Geld, was glänzt? Inzwischen haben ja sogar die Amerikaner mehr oder weniger fälschungssichere Banknoten. Wer mit so einem glänzenden Fuffziger bezahlt, riskiert allerdings misstrauische Blicke. Die neuen Grünen sehen fast zu gut aus, um echt zu sein (sie stinken aber noch genauso wie die alten), und ausserdem wird alles über einem Zwanziger ohnehin genaustens unter die Lupe genommen.

Grössere Beträge bezahlt man hier sowieso nicht mit Bargeld, sondern mit – Schecks. Personal Checks, Cashier-Checks, geplatzte Checks – Ich habe diesen Dingern schon in Europa nie über den Weg getraut und unterwegs lieber auf die Kredit-, die Post- oder die EC-Karte vertraut als auf die Papierschnitzel. Vor allem auch, weil meine Unterschrift keine zwei Mal gleich aussieht.

Nun sind die USA bankentechnisch noch nicht ganz so weit wie die kleine Schweiz: Als grosse Innovation wird derzeit die “Scheck-Karte” gefeiert – eine Kreditkarte, deren Bezüge direkt dem Bankkonto belastet werden.

Richtig, in Europa gibts das schon seit zwanzig Jahren, und statt des ewig verdreckten Magnetstreifens weist unsere EC- oder Maestro-Karte einen Chip auf, der hier immer wieder für grosses Aufsehen sorgt, wenn ich mal wieder meine Schweizer Karte zücke.

Wenigstens verfügt die weit fortgeschrittene Bank of America über einen Telebanking-Dienst, und so bezahle ich meine Rechnungen hier fast so bequem wie jene in der “alten Welt” bei der Basellandschaftlichen Kantonalbank am heimischen Bildschirm.

Aber auch dazu war ein Lernprozess nötig. Als ich meine Vermieterin um ihre Kontonummer bat, muss sie mich wohl für einen Trickbetrüger gehalten haben.

Denn die brauchts hier nicht, vielmehr muss am Bildschirm genauso wie auf den leidigen Checks der Name des Empfängers buchstabengenau, zusätzlich aber auch noch seine Adresse eingetippt werden.

Hinter dem digital erteilten Dauerauftrag steckt nämlich noch die alte US-Bankmaschinerie. Das heisst, meine Bank druckt in meinem Namen Schecks aus und verschickt sie per Post an die Empfänger, die sie ihrerseits zum Schalter ihrer Bank tragen und einlösen. Monat für Monat.

Und das alles passiert auch im Silicon Valley.