Die Mehrheit

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334.jpgWährend in den Staaten im Osten bereits die ersten Resultate eintreffen, wird in San Francisco noch gewählt. Dieweil alle Medien Bilder von schlangenstehenden Wählern zeigen, habe ich hier in «meinem» Wahllokal am Mittag grade mal eine Handvoll Leute angetroffen. «Oh, die sind Schlange gestanden am Morgen, und sie werden es wieder tun am Abend», beruhigt mich eine der Stimmenzählerinnen.

Der Urnengang will gut geplant sein, denn er ist anstrengend: Es gilt nicht nur zwischen Bush und Kerry zu entscheiden, sondern neben einem Sitz im Senat und einem im Repräsentantenhaus sind Dutzende von Posten auf Staats- und Bezirksebene zu besetzen und, wenn ich richtig gezählt habe, 32 (zweiunddreissig) Abstimmungsfragen zu beantworten. Das hiesige «Bundesbüchlein» zur Abstimmung ist ein dickes Taschenbuch, der Stimmzettel ein siebenseitiges, dicht bedrucktes Dokument.

In San Francisco, eigentlich in ganz Kalifornien, ist dabei der Ausgang der Präsidentschaftswahl kein Thema: Im bevölkerungsmässig grössten Bundesstat gewinnen die Demokraten traditionell, für Bush hat namentlich an der Küste niemand etwas übrig.

Aber auch wenn es einige Republikaner gibt, nützen die Bush überhaupt nichts: Die Amerikaner wählen ihren Präsidenten nicht direkt, sondern über eine Art Ständemehr. Die nach Bevölkerungsanteil für jeden Staat bestehenden so genannten Elektorenstimmen gehen nicht nach Stimmprozenten an die Kandidaten – hier gilt der amerikanische Spruch «The winner takes it all».

Im Falle Kaliforniens geht es um 55 Elektorenstimmen. Die gehen allesamt an Kerry, wenn er auch nur ein Prozent mehr Wählerstimmen erreichen sollte.

Zu meinem Erstaunen steht diese Systematik nicht zur Debatte. In den vergangenen Tagen haben die Medien jeden Aspekt der Wahl unter die Lupe genommen und über Probleme bei der Wählerregistrierung oder Bedenken bezüglich der Abstimmungsmaschinen berichtet. Aber das Elektorensystem, das wagt niemand anzufassen.

Vizepräsident Dick Cheney ist wegen 4 Elektorenstimmen am Vorabend der Wahl nach Hawaii geflogen. John Kerry hat während der Kampagne 28 Mal Florida (27 Stimmen) besucht. «Uns dagegen beachtet gar niemand mehr», beklagt ein Kommentator heute im San Francisco Chronicle. «Vielleicht sollten wir die Wahl boykottieren.»

Ich hoffe, das ist nicht der Grund für die Leere, die ich im Wahllokal angetroffen habe.

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