Im Mietpreis meiner Wohnung ist ein Garagenplatz inbegriffen. Also habe ich mir von Privat schnell ein Motorrad gekauft. Buchstäblich schnell. Denn der Kauf- und Registrierungsvorgang ist hierzulande ganz anders als in der Schweiz. Eine technische Kontrolle gibt es nicht – die übernehmen die Cops auf der Strasse. Deswegen sind im Web auch Autos zu kaufen, die «durch den Unfall kaum beschädigt» sind – «der Wagen läuft hervorragend, lässt sich nur etwas schwer steuern». Das Umschreiben des Fahrzeugs auf den neuen Besitzer verlangt zwar zwingend einen Besuch beim Departement of Motor Vehicles (DMV), allerdings nur, damit der Staat die Steuern kassieren kann. Natürlich könne sie mir den Nachweis faxen, erklärt mir die Versicherungsagentin beim telefonischen Vertragsabschluss – aber wahrscheinlich werde beim DMV niemand danach fragen.
Im Klartext: Hier schützt einen niemand vor unversicherten Automobilisten in abbruchreifen Kisten. Dafür wird jedes Feuerzeug mit dreiseitiger Anleitung verkauft, jeder nasse Fleck am Fussboden mit Absperrungen von mittlerer autobahnbaustellengrösse gekennzeichnet, und der Kartonbecher aus der Kaffeebar warnt mich vor der Verbrühungsgefahr durch seinen Inhalt.
Wenigstens sind jetzt seit einigen Tagen auch vollautomatische Waffen wie Kalaschnikovs wieder zugelassen. Ich kann mich also auf dem Highway gegen unversicherte Angreifer angemessen verteidigen.
Ob das DMV wohl ein Merkblatt über Notwehr im Strassenverkehr hat?
Ich wüsste vielleicht ein paar Klischees, wenn man mich fragte, was „amerikanisch“ ist. Aber auf die Frage, was denn „unamerikanisch“ ist, würde ich mir keine Antwort anmassen. Dem Portier in meiner aktuellen Residenz geht es ähnlich, mein Landlord in spe denkt nach und findet dann, das Wort selber sei unamerikanisch. Ähnlich unentschlossen war auch Teresa Heinz, John Kerrys Gattin, die den Ausdruck kürzlich in einer Rede gegen George Bush verwandte. Als sich ein Journalist danach erkundigte, was sie gemeint habe, behauptete sie, das nie gesagt zu haben – er könne sich seine Frage dahin stecken, „wo die Sonne niemals scheint“. Ihr ist wohl klargeworden, dass der Begriff seit McCarthy für die hiesige Linke (also die Liberalen) entweder Tabu oder gar eine Umschreibung für freies Denken ist.
Ach, hier werden bald Wahlen abgehalten?Also mal ehrlich: Ohne die gelangweilten abendlichen Kampagnen-Analysen auf den unzähligen TV-Kanälen wäre davon kaum was zu merken. Auf den ersten Rundgängen durch verschiedene Quartiere sind mir da und dort Wahplakate aufgefallen. Die beziehen sich aber alle auf die anstehenden Kommunalwahlen für Schulpflege und Stadtlegislative, und wenn ich der Kandiatenliste im kostenlosen Quartierblatt glauben darf, kandidieren in „meinem“ aktuellen Bezirk ausschliesslich Demokraten und Grüne. Wenn in den Strassen Plakate für den Präsidentschaftswahlkampf zu entdecken sind, werben sie alle für Kerry/Edwards. Ginge es nach den San Franziskanern, die Wahl wäre offenbar schon entschieden.
Es sind Enttäuschungen der erfreulichen Art. Bislang hat sich noch keines der Schauermärchen über US-Behörden und -Dienstleister und ihren Umgang mit Ausländern – sprich: Leuten ohne Sozialversicherungsnummer (SSN) – bewahrheitet. Appartement mieten? No, kein Deposit nötig. Bankkonto? Kriegen Sie sofort. Kreditkarte? – kein Problem, solange das Konto gedeckt ist. Unsere Bankomatkarte mit Foto, Sir, ist übrigens ein hervorragender US-Identitätsnachweis…