Mai
24
Cuba libre
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Der extremste Ratschlag war: „Unbedingt im Anzug hingehen! Die Amis tragen sogar einen Anzug, wenn Sie sich bei McDonalds vorstellen!“.
Dass ich in Jeans zum Visum-Termin bei der Botschaft in Bern erscheine, ist allerdings weniger ein Problem als der Umstand, dass meine Passfotos 3×5 statt der vorgeschriebenen 5×5 cm messen.
Am meisten Bedenken hatte ich im Vorfeld indessen wegen der Liste der bisher besuchten Länder. Auch wenn Putins Russland nicht mehr auf Bushs Achse des Bösen liegt – all die osteuropäischen Staaten in meinem Pass könnten, glaubte ich, einen Botschaftsangestellten auf falsche Gedanken bringen.
Ob ich also auch noch den Badeurlaub auf Kuba erwähnen sollte, darüber war ich mir lange unschlüssig.
Schliesslich hatte die Ehrlichkeit gesiegt, und am Schalter in der Botschaft geht der Puls entsprechend hoch. Vor allem, als mich der Angestellte plötzlich russisch anspricht: „Sie haben Russisch studiert?“ –„Da, pravilno. Aber ich habe nicht abgeschlossen, und ich war nur zweimal in Russland, und…“ – „Wow! Das ist aussergewöhnlich. Meine Frau, wissen Sie, stammt aus der Ukraine, und unsere Kinder sprechen russisch, und…“ – während er mir in Puschkins Sprache seine Familienverhältnisse schildert, stempelt der US-Botschaftsbeamte fröhlich all meine Papiere.
Über Kuba verliert niemand ein Wort.
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